Annemarie Castillo Mispireta · Hannah Lathan

Superfood Avocado – Chiles grünes Gold?

Avocadobaum
Die Avocado ist aus botanischer Sicht eine Beere. Wegen ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten steigt die Nachfrage weltweit. , © imago images/Le Pictorium

Annemarie Castillo Mispireta · Hannah Lathan

Mystery zum Avocadoanbau in Chile

Avocados liegen als Superfood im Trend, da sie nachweislich positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Doch sie gelten aufgrund ihrer schlechten Ökobilanzen als klimaschädlich. Besonders in Chile, woher die meisten Avocados kommen, schwillt ein Nutzungskonflikt rund um das „grüne Gold. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten mit einem Mystery verschiedene Perspektiven und nehmen Stellung zum Avocadoanbau in Chile.

Sachanalyse
Der Avocadobaum gehört zur Familie der Lorbeergewächse (Lauraceae) und stammt ursprünglich aus den humiden Tropen in Mexiko und Zentralamerika. Für sein Wachstum benötigt der Baum viel Wasser und Licht sowie nährstoffreiche Böden. Die Avocado wurde schon von den Azteken und Mayas kultiviert und später von den Spaniern in Chile eingeführt (vgl. Schaffer et al. 2019). Von den 400 existierenden Kultursorten sind Hass und Fuerte die am weitesten verbreiteten Sorten auf dem internationalen Markt.
Die Avocado gilt wegen ihres Nährstoffreichtums als sehr gesunde Frucht. Sie enthält fettlösliche Vitamine, ungesättigte Fettsäuren und hat einen hohen Anteil an Kalium, Mineralien und Ballaststoffen mit positiven Wirkungen auf den Cholesterinspiegel, antioxidativen und blutdrucksenkenden bzw. regulierenden Effekten sowie vorbeugender Wirkung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen (vgl. Dreher/Davenport 2013; s. Abb. 1).
Neben Quinoa, Goji-Beeren und Chia-Samen zählt die Avocado zum bekanntesten und beliebtesten Superfood in Europa. Sie ist zu einem wichtigen Bestandteil der veganen, gesundheitsbewussten Ernährung geworden. Als Brotauflage, im Salat, in Smoothies oder in der bekanntesten Variante als Guacamole-Dip: Die Frucht bietet vielfältige Zubereitungsmöglichkeiten.
Dieser Ernährungstrend führte zu einem regelrechten Avocadoboom. Im Jahr 2018 wurden rund 94000 Tonnen Avocados nach Deutschland importiert. Zwischen 2008 (19000 t) und 2018 hat sich die Einfuhrmenge nach Deutschland fast verfünffacht (vgl. Statistisches Bundesamt 2019) (s. Abb. 2). Nach Peru zählt Chile zum wichtigsten Exportland von Avocados für den deutschen Markt.
Petorca: Zentrum des Avocadoanbaus
Die chilenische Provinz Petorca liegt 220 Kilometer nördlich von Santiago, der Hauptstadt Chiles (s. Abb. 3), und ist aufgrund des mediterranen Klimas eine der wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionsregionen Chiles. Schon seit Generationen baut die lokale Bevölkerung Petorcas Avocados zur Selbstversorgung und für den lokalen Markt an den Flussläufen an. Seit der gestiegenen internationalen Nachfrage wird der Avocadomarkt von einigen wenigen großen Agrarunternehmen dominiert. In den 1990er-Jahren erwarben sie zu günstigen Preisen Grundstücke an den schwer zu bewässernden Hängen. An diesen wird die Frucht seitdem in großflächigen Plantagen für den Export industriell angebaut (vgl. Panez-Pinto et al. 2018).
Der Export von Avocados stellt für die Unternehmen ein sehr profitables Geschäft mit hohen Umsätzen dar, sodass die Frucht vielfach als „grünes Gold bezeichnet wird. Avocados sind einfach anzubauen, relativ leicht zu ernten, robust, gut zu transportieren und verderben wegen ihres langsamen Reifeprozesses nach der Ernte während des Transports nicht.
Aufgrund des hohen Wasserverbrauchs für die Produktion und der Dominanz der Agrarindustrie werden die Kleinbauern vor große Herausforderungen gestellt, um ihre Existenz zu sichern, sodass ein sozioökologischer Nutzungskonflikt um die Wasserressourcen zwischen der Bevölkerung und den Agrarunternehmen entstanden ist.
Hoher Wasserverbrauch mit ökologischen Folgen
Der Wasserverbrauch für den Anbau von Avocados ist hoch für 1 Kilogramm Avocados, etwa zweieinhalb Stück, werden im weltweiten Durchschnitt 1000 Liter Wasser benötigt. Aufgrund des ariden Klimas in der Region Petorca müssen die Pflanzen mit Oberflächenwasser aus Flüssen oder mit Grundwasser bewässert werden....
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 349 / 2020

Chile

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-8