Miriam Gesthuisen

Oasen im Wandel

Häuser hinter Palmen
Aghurmi ist die älteste Ansiedelung in Siwa. Sie beherbergt den Orakeltempel des Amun, die bedeutendste archäologische Stätte der Senke. , © hecke71/Fotolia.com

Miriam Gesthuisen

Veränderungen in der Landwirtschaft und im Tourismus am Beispiel der Oasen Siwa und Douz

In Oasen lebten einst eigene Bevölkerungsgruppen völlig autark. Sie betrieben Landwirtschaft und versorgten vorbeiziehende Karawanen. Seit den 1970er-Jahren hat auch hier die Moderne Einzug gehalten. Den sich dadurch vollziehenden Wandel in der Landwirtschaft, die Entwicklung des Tourismus und die heutige Bedeutung der Oasen können die Schülerinnen und Schüler am Beispiel von Siwa in Ägypten und Douz in Tunesien beschreiben.

Sachanalyse
Früher waren Oasen noch reine Versorgungsstandorte vor allem für Karawanen, die schon früh durch künstliche Bewässerungssysteme optimal an die ungünstigen und unwirtlichen Klimaverhältnisse angepasst waren. Heute sind viele Oasen Touristenorte mit bis zu 100000 Einwohnern, geprägt von luxuriösen Hotels, Springbrunnen, Golfplätzen und großen Swimming-Pools. Die alten Lehmhütten und die Ruinen einstiger Dynastien, die in vielen Oasenstädten erhalten sind, werden von tausenden Touristen im Jahr bestaunt.
Oase Siwa in Ägypten
Die Oase Siwa ist ein Beispiel für die beschriebenen Veränderungen. Sie liegt als westlichste Oasengruppe Ägyptens in der libyschen Wüste in einer Senke 18m unter dem Meeresspiegel. Rund 23000 Menschen leben in der Oase, die eine Jahresdurchschnittstemperatur von etwa 29 °C hat. Der jährliche Niederschlag beträgt 9 mm.
Wandel in der Landwirtschaft
Seit den 1970er-Jahren hat ein Strukturwandel stattgefunden von der Subsistenzwirtschaft hin zu einer exportorientierten Landwirtschaft. Die intensive Landwirtschaft ist auf den Markt ausgerichtet: Es werden vor allem Dattelpalmen (etwa 250000) und Olivenbäume (etwa 50000) kultiviert. Zwischen Siwa und Aghurmi (s. Abb. ) stehen große Flächen für den Anbau zur Verfügung.
Des Weiteren werden neue landwirtschaftliche Flächen erschlossen, indem der durch Verdunstung versalzene Boden „wieder aufgewertet wird (durch Abtragung der Salzschicht, Sandauflage, Düngerauflage). Es wird dann eine bestimmte Fruchtfolge (zunächst Gemüseanbau) eingehalten, bis die Olivenbäume groß genug sind. Früher wurde in Siwa auch Weizen produziert, der heute jedoch aus Kairo eingeführt wird.
Die großen Wassermengen, die zur künstlichen Bewässerung, hier vor allem die Beckenbewässerung, benötigt werden, sind noch in ausreichendem Maße vorhanden. Es gibt 230 ältere artesische Brunnen, die in den 1960er-Jahren um 1200 erweitert wurden. Das fossile Grundwasser befindet sich in 25 – 30  m Tiefe, steigt auf natürliche Weise nach oben und hat ein geschätztes Alter von 15000 – 40000 Jahren. Es ist in porösem Sandstein gebunden und leicht salzhaltig.
Etwa drei Viertel der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, während der übrige Teil zum Beispiel in Mineralwasserfabriken beschäftigt ist. Viele Siwaner sind in mehreren Bereichen gleichzeitig tätig, um ihr Einkommen zu sichern, zum Beispiel kann ein Touristenführer zusätzlich Landwirt und Mechaniker sein.
Liegt die Zukunft im Tourismus?
Seit den 1980er-Jahren ist der Tourismus für die Oase Siwa immer bedeutender geworden, was auch die soziale Struktur der Einwohner verändert hat. Die Geschichte der vor allem von nordafrikanischen Berbern bewohnten Oase lässt sich bis in die Pharaonenzeit zurückverfolgen. In der Zeit Alexanders des Großen wurde der Ort durch das Orakel von Siwa überregional bekannt; noch heute kann man die alten Tempelanlagen und Siedlungsüberreste in Alt-Siwa besuchen (s. Abb.). Diese stellen eine von mehreren bedeutenden Touristenattraktionen dar. Aufgrund der geschichtlichen Bedeutung wirbt die Oase Siwa mit dem Tourismus-Slogan: „Siwa the worlds first and oldest tourist destination.
Die wirtschaftlich positive Entwicklung des Tourismus zeigt sich auch im Dienstleistungssektor Siwas, der deutlich auf die Touristen ausgerichtet ist (Handel, Gastronomie, Hotelgewerbe, Wüstentouren usw.). Eine touristische Prägung ist...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 332 / 2017

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