Franziska Früh

Lösen Aquakulturen das Welternährungsproblem?

Aquakultur vor der Küste Chiles
Aquakultur vor der Küste Chiles: Nach Norwegen ist Chile der zweitgrößte Produzent von Zuchtlachs weltweit. , © istock.com/miralex

Franziska Früh

Die Lachszucht in Chile mit dem Wertequadrat beurteilen

Die meisten Fischbestände weltweit gelten als ausgereizt oder überfischt. Doch die Nachfrage steigt. Jeder zweite Speisefisch kommt bereits aus Aquakulturen. Eine wichtige Produktionsstätte für Lachs ist Chile. An diesem Beispiel erarbeiten die Schülerinnen und Schüler Vor- und Nachteile von Aquakulturen, ordnen begründet Positionen in ein Wertequadrat ein und beurteilen den Beitrag der Aquakulturen zur Ernährungssicherung.

Sachanalyse
Seit den 1970er-Jahren wurden wegen der weltweit erhöhten Nachfrage nach Fisch immer mehr Aquakulturen errichtet. In Aquakulturen, einer Form der Massentierhaltung, werden große Mengen an beispielsweise Fisch, Shrimps und Krebsen produziert (s. Abb. 1, 2). Aquakulturen befinden sich an Land in Teichen, Durchfluss- oder Kreislaufsystemen oder auf dem Meer in großen Netzkäfigen. Ungefähr zwei Drittel der weltweiten Produktion finden in Süßwasserarealen im Inland statt (vgl. Boell 2017).
Die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) kam 2018 in einem Bericht über Entwicklungsziele zu dem Ergebnis, dass die weltweite Fischproduktion mit mittlerweile über 170 Millionen Tonnen pro Jahr extrem angestiegen ist. Etwa jeder zweite Fisch, der weltweit verspeist wird, stammt heute aus Aquakulturen. Die Bedeutung Chiles wird dabei oft unterschätzt: Chile und Norwegen decken zusammen 70 % der weltweiten Lachsproduktion ab (vgl. Boell 2017; Boddenberg 2019).
Lachszucht in Aquakulturen in Chile
Allein in Chile wurden im Jahr 2018 829000 Tonnen Lachs in Aquakulturen gezüchtet. Dies generierte Einnahmen von rund fünf Milliarden Dollar. Bis zum Jahr 2032 sollen in Chile rund 1,2 Millionen Tonnen Lachs in Aquakulturen produziert werden (vgl. Boddenberg 2019).
Chile fungiert mittlerweile als zweitgrößter Zuchtlachsproduzent der Welt. Nach Kupfer ist die Lachszucht das zweitwichtigste Exportgut Chiles. So finden sich im Süden des Landes bereits mehr als 1000 Aquakulturen, in denen Lachse gezüchtet werden. Diese werden vor allem um die Insel Chiloé angelegt.
Die Fjorde und Meeresarme im Süden von Chile sind gut geeignet für die Lachszucht in Aquakulturen, da diese kalte Temperaturen aufweisen und das Wasser sehr klar ist. Auch die abiotischen Faktoren, zu denen Temperaturen, Salzgehalt und Strömungsverhältnisse zählen, bieten beste Bedingungen für die Lachse. Unter diesen Voraussetzungen können sie leben, obgleich es auf der Südhalbkugel keine natürlichen Vorkommen gibt. Lachse stammen ursprünglich aus dem Atlantik und haben es in den Zuchtformen im Pazifik schwerer zu überleben. Sie werden unter anderem deshalb oft krank und mit sehr hohen Dosen an Antibiotika behandelt (vgl. Boddenberg 2019; Reiß 2008).
Mangelnde Sicherheit der Aquakulturanlagen?
Abgesehen davon, dass etwa jeder achte Lachs im Rahmen der Zucht verendet und der Kadaver häufig im Meer bleibt, berichten immer wieder Medien, dass Zuchtlachse aus Aquakulturen ausbrechen und so das Ökosystem durcheinanderbringen. 2018 entkamen beispielsweise 700000 Lachse aus einer Zuchtfarm in Chile. Dies wirkte sich direkt auf das natürliche Ökosystem aus, da Lachse Raubfische sind, die wiederum andere Fische fressen und sich auch mit natürlichen Arten vermehren (vgl. Boddenberg 2019; von Marusczyk 2019).
Massensterben von Meereslebewesen
In Chile gab es im Jahr 2016 eine Art Massensterben von Meereslebewesen. Im Los-Lagos-Gebiet im Süden des Landes sind 40000 Tonnen Lachse aus Zuchtfarmen und in den Fischbeständen vor der Küste erstickt. Diese rund 40000 Tonnen Lachskadaver wurden teilweise einfach ins Meer geschüttet. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen auf der einen Seite die Erwärmung des Meeres durch den El-Niño-Effekt als Ursache. El Niño tritt alle vier bis sieben Jahre auf und hat an der 4000 Kilometer langen Pazifikküste Chiles eine hohe Angriffsfläche.
Auf der anderen Seite sehen die Forscher die...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 349 / 2020

Chile

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13