Matthias Pahlke · Kim Philip Schumacher

Das Mobiltelefon als Entwicklungshelfer?

Feld
In Ostafrika findet Landwirtschaft meist in kleinbäuerlichen Betrieben statt. , © funnyangel/Shutterstock.com

Matthias Pahlke · Kim Philip Schumacher

Nutzung von Kommunikationstechnologien bei Kleinbauern in Ostafrika

Kleinbauern in Ostafrika sind besonders von Armut betroffen. Sie bewirtschaften kleine Flächen und produzieren aufgrund mangelnder Technologien, veralteter Methoden und fehlendem Wissen häufig unzureichende Ernteerträge, um sich und ihren Familien einen angemessenen Lebensunterhalt zu sichern. Die Lernenden bewerten in einem Gutachten Chancen, die sich durch die Verwendung von Mobiltelefonen bieten, um die Ernährungssituation zu verbessern.

Sachanalyse
In Ostafrika, also von Eritrea im Norden bis Mosambik im Süden, lebten im Jahr 2018 rund 432 Millionen Menschen, im Jahr 2030 werden es nach Prognosen der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung etwa 584 Millionen sein. All diese Menschen brauchen zum Überleben Wasser und Nahrung.
Bereitgestellt wird diese Nahrungsgrundlage durch landwirtschaftliche Produktion. In Kenia leben rund 70% und in Tansania mehr als 80% der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Somit ist ein Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, die Landbevölkerung betreibt überwiegend Subsistenzwirtschaft.
In Ostafrika findet Landwirtschaft meist in kleinbäuerlichen Betrieben statt. Dies ist weltweit für ländliche Regionen typisch, bewirtschaften doch 90% aller landwirtschaftlichen Betriebe weltweit weniger als 2 ha Land (vgl. FAO 2014). Diese Betriebe produzieren global gesehen jedoch rund 80% aller weltweit konsumierten Nahrungsmittel.
Landwirtschaft in Ostafrika
Auch in Ostafrika besitzen die meisten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nicht mehr als 2 oder 3 ha Land. Sie bestellen die oft kargen Böden meist von Hand, ohne oder nur mit wenigen technischen Hilfsmitteln (s. Abb. 1, 2 ). Traditionell wird Regenfeldbau und Landwechselwirtschaft betrieben. Weil die jungen Männer in den Städten nach besseren Verdienstmöglichkeiten suchen, bleiben auf dem Land oft nur die Älteren und Frauen als Kleinbauern zurück.
Die Erträge dienen in der Regel der Selbstversorgung und nur teilweise dem Verkauf. Besonders zu erwähnen ist, dass die kleinbäuerliche Landwirtschaft eigentlich effizienter als die industrielle Landwirtschaft arbeitet, weil mehr Nahrung im Verhältnis zur bewirtschafteten Fläche produziert und daher höhere Erträge pro Fläche erzielt werden können. Dennoch ist sie aufgrund mangelnder Technologien, sehr kleinen Flächen und zum Teil veralteter Methoden gesamthaft gesehen weniger produktiv als die industrielle Landwirtschaft. Vielen Kleinbauern gelingt es deshalb nicht, sich und ihren Familien einen angemessenen Lebensunterhalt zu sichern. Sie sind daher besonders stark von Armut betroffen (vgl. Weltagrarbericht 2016; Rauch 2006).
Hinzu kommt, dass die meisten Böden im südlichen Afrika durch Bodendegradation gefährdet sind. Ursachen dafür sind Viehwirtschaft, Entwaldung und landwirtschaftliche Misswirtschaft, aber auch Überflutungen und Dürren (vgl. Friedrich 2013). Die Kleinbauern verfügen zwar über ein großes Wissen über lokal angepasste Anbausysteme, ihnen fehlen jedoch meist Mittel und Wege, um die Erträge, beispielsweise durch hochwertiges Saatgut und Dünger, zu steigern. Zudem sind in vielen Staaten die Zugangs- und Besitzverhältnisse für Land und Wasser unklar oder ungesichert. Dies erschwert es den Kleinbauern, Investitionen zu tätigen.
Die FAO sieht Kleinbauern mit der Herausforderung konfrontiert, nachhaltig zu wirtschaften, um die Umwelt zu schützen, zugleich aber die Produktivität zu steigern, um wettbewerbsfähig zu sein und Armut und Hunger zu überwinden. Dafür ist es erforderlich, dass die Kleinbauern Unterstützung für Innovationen sowie mehr Zugang zu Wissen über Produktionsmethoden und Marktmechanismen erhalten (vgl. Weltagrarbericht 2016).
Mobiltelefone in Ostafrika
Weil Festnetzanschlüsse und Telefonleitungen in Ostafrika dünn gesät sind, konnte sich in den letzten Jahren die Nutzung von Mobiltelefonen etablieren und weit verbreiten....
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 343 / 2019

Subsahara-Afrika

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-11