Friederike Krüger

Expedition in die Arktis: Ein Tag auf dem Eis

Messgerät im Schnee
Schneeboje in der Arktis., Quelle: Friederike Krüger

Friederike Krüger

Auf der MOSAiC-Expedition (2019 – 2020) erforschten Hunderte Personen aus vielen verschiedenen Nationen ein Jahr lang die Veränderungen in der Arktis. Über das gesamte Jahr hinweg wurde die fest im Eis eingefrorene Polarstern, das deutsche Polarforschungsschiff, mit Eisbrechern alle zwei bis drei Monate versorgt: Es wurden Personen und Gerätschaften ausgetauscht, Schiffsdiesel nachgetankt und Lebensmittel vorbeigebracht. Zu Beginn der Expedition wurde die Polarstern vom russischen Forschungseisbrecher „Akademik Fedorov begleitet. An Bord war die deutsche Geographielehrerin Friederike Krüger, die hier aus ihrer Perspektive einen Tag auf dem Schiff und dem Eis beschreibt.
Ein Tag auf dem Eis beginnt morgens um kurz vor sieben Uhr mit dem allgemeinen Weckruf durch die in die Jahre gekommenen Zimmerradios. Ab und an erlaubt sich der Kapitän dafür einen besonders herzlichen Spruch. Wir öffnen die Augen in dem relativ angenehm durch ein Deckenloch durchlüfteten Zimmer, strecken die Glieder auf der durchgelegenen Matratze, die Bauchschläfern zu schaffen macht, und beeilen uns im Bad, damit alle drei Mitbewohner in leichter und legerer Kleidung rechtzeitig frisch sind für das knappe Frühstück.
Zwölf Stufen steigen wir aus dem unteren Stockwerk in die Messe und ins Helle hoch. Dort schiebe ich zwei weiße Toastbrotscheiben in einen der drei Toaster und gebe Instantkaffee in ein Glas, das ich später mit Säften fülle. An der Essensausgabe entscheide ich mich auch noch für einen gesalzenen Grießbrei. Viel Auswahl gibt es nicht, doch das ist okay. Außerdem nehmen wir uns Fruchtjoghurt mit an den mit einem Wachstuch geschützten langen Tisch, an dem zu jeder Seite fünf Personen sitzen können. Schwarztee wird in schweren silbernen Kannen auf jedem Tisch bereitgestellt. Manchmal gibt es Butter, manchmal Wurst oder Käse, an wenigen Tagen auch Nutella. Der Kaffee kann vielleicht mit Milch getrunken werden.
Von Tag zu Tag werden die Unterhaltungen beim Frühstück leiser und kürzer, die Müdigkeit und Anspannung zeichnet abends rote Wangen und morgens dunkle Augenringe. Nebenbei werden Nachrichten nach Hause geschrieben. Nach wenigen Minuten schieben wir schon wieder die Stühle zurück und räumen unser Geschirr weg. Die Zähne müssen geputzt und die Durchsagen abgewartet werden. Es können und dürfen nicht alle gleichzeitig aufs Eis, also gibt es einen genauen Zeitplan.
Eine halbe Stunde bevor das Eis betreten werden darf, mache ich mich langsam fertig für die Zeit in der Kälte. Ich ziehe lange Unterwäsche über meine kurze, ein Paar normale und ein Paar Merinowollsocken, eine Trainingshose oder eine zweite Fleecehose sowie obenrum ein weiteres Langarmshirt und dann einen Pullover an, am besten einen mit hohem Kragen. Über den Hals stülpe ich einen Schal, auf den Kopf kommt eine dicke Mütze. Dann ziehe ich den roten Schneeanzug an, den mir das Alfred-Wegener-Institut für die Zeit der Expedition geliehen hat, schnüre die Thermoschuhe und packe drei Paar Handschuhe ein.
Arbeitseinsatz auf dem Eis
Wir treffen uns an Deck mit der Arbeitsgruppe, packen unser Werkzeug ein und warten dann, bis die Logistiker die schweren Geräte aufs Eis gestellt haben. Kleinere Gegenstände können heruntergetragen werden, größere werden mit einem Kran vom Schiffsinnenraum aufs Eis verladen. Die Stufen der Gangway sind abgerundet und rutschig, wer kann, hält sich mit einer Hand fest, während die andere etwas in Partnerarbeit herunterträgt.
Aus dem Vorderdeck des Schiffes, dem Hole, werden die Container der Arbeitsgruppen nach strengen Packlisten geleert und Stück für Stück unter klaren Anweisungen auf dem Eis entgegengenommen. Zwei Schneemobile fahren mit langen Schlitten die jeweiligen Geräte zu den meist 50 Meter voneinander entfernt stehenden Messinstallationen.
Am Vortag wurden bereits bis zu 50 Zentimeter breite und 100 Zentimeter tiefe Löcher gebohrt, wobei nicht immer der Handbohrer, sondern häufig der große...
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aus: Geographie heute Nr. 350 / 2020

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