Trockenräume

Desertifikation - Ursachen und Folgen an Beispielen erarbeiten

Desertifikation wird im Zusammenhang mit dem Klimawandel als eines der größten Probleme genannt. Doch die genaue Betrachtung zeigt: Die Ursachen sind weit vielfältiger und müssen im Spannungsfeld zwischen naturräum­lichen Gegebenheiten und der menschlichen Nutzung gesucht werden. Mit dem kostenfreien Material zeigen die Schülerinnen und Schüler Ursachen und Auswirkungen der Desertifikation an vier Beispielregionen auf.

Folgen der Desertifikation: Böden erodieren, versalzen oder versanden
Desertifikation ist ein vielschichtiger Prozess Foto: _Marion/Pixabay CC0 Creative Commons

Sachanalyse

Desertifikation wird vereinfacht mit „Wüstenbildung“ gleichgesetzt. In Abgrenzung zum natürlichen Prozess der Wüstenbildung ist aber wichtig zu betonen, dass es sich bei der Desertifikation um ein komplexes Phänomen mit vielschichtigen natürlichen und besonders auch anthropogenen Prozessen handelt, die ineinandergreifen. Die Desertifikation wird immer vom Menschen mit beeinflusst, beispielsweise direkt durch Ausdehnung von Weide- oder Siedlungsflächen oder indirekt durch den Klimawandel.

Desertifikation bedeutet, dass die natürlichen Ressourcen wie Wasser, Boden und Vegetation in Gebieten mit aridem Klima durch eine menschliche Nutzung beeinträchtigt bzw. zerstört werden. Dabei verschwindet die Vegetation substanziell oder vollständig, wodurch der Boden nicht mehr geschützt ist. Durch Winderosion trocknet er aus, erodiert, versalzt oder versandet.

Der Sand wird in Siedlungen oder über Landstriche weit transportiert und zerstört Lebensgrundlagen und Infrastruktur. Wasser, ein ohnehin knappes Gut in Gebieten mit aridem Klima, wird zur Mangelware. Fällt auf die ausgetrockneten Böden einmal Niederschlag, kann dieser nicht ver­sickern und erodiert die Böden erneut. Die Region wird unnutzbar und unbewohnbar.

Regionen weltweit sind in Gefahr

Weltweit schreitet die Desertifikation vo­ran: Jährlich ist ein weiteres Gebiet in der Größe von Irland von der Desertifikation betroffen. In der Regel wird das Phänomen mit der Sahelzone in Verbindung gebracht und auf diese Region auch beschränkt. Längst sind aber nicht nur die Staaten der Sahelzone von Desertifikation betroffen, sondern viele Gebiete in Südamerika, Zentral­asien, Südeuropa oder dem Südwesten der USA. Damit dehnt sich die Desertifikation über die eigentlichen Wüstengebiete hinaus aus bis in semiaride Regionen hinein.

Trockengebiete machen etwa 40 % der Landfläche der Erde aus, sie sind für einen großen Teil der Menschen (etwa eine Milliarde) Existenzgrundlage. Rund 70 % aller Trockengebiete sind von Desertifikation betroffen, in diesen Gebieten leben in Asien und Afrika rund 40 % der Gesamtbevölkerung, in Südamerika etwa 30 %. 

Ursachen von Desertifikation

Das Ökosystem in trockenen Regionen gerät immer stärker unter Druck, durch eine zunehmend sesshafte Lebensweise bei anhaltendem Bevölkerungswachstum und weil nachhaltige Lebensweisen, wie sie früher gepflegt wurden, immer mehr verschwinden. Ursachen für Desertifikation sind außerdem (s. Abb.):

  • „Überweidung von Flächen: Zu viel Vieh frisst zu viele Pflanzen, der Boden verliert seine schützende Vegetationsschicht, wird lockerer und erodiert.
  • Übernutzung von Böden: Kürzere Brachezeiten und falsche Ackerbautechnik entziehen den Böden Nährstoffe und verringern den Pflanzenbewuchs, auch das fördert Erosion.
  • Vernichtung von Wäldern: Zur Gewinnung von Brenn- bzw. Bauholz, Ackerland oder Flächen für Industrie oder Wohnimmobilien wird der Baum­bestand drastisch verringert, diese Regionen veröden.
  • Verbrauch/Verschwendung von Wasser: Für wachsende Bevölkerung, landwirtschaftliche Bewässerung und Tourismus entzieht man der Natur immense Wasserressourcen.“ (BR Wissen 2015)
  • Der Klimawandel führt durch verschiedene Rückkoppelungsprozesse zwischen Meeresströmungen und Winden zu veränderten Niederschlagsverhältnissen. Besonders die in den Wüstengebieten und semiariden Regionen variable Niederschlagsintensität verändert sich nachteilig.

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Schutzmaßnahmen zum Erhalt des Bodens

1994 wurde ein internationales Umweltabkommen von den Vereinten Nationen unterzeichnet, um Desertifikation und Landdegradation zu vermeiden und zu verhindern. Dieses im Original als „Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung in den von Dürre und/oder Wüstenbildung schwer betroffener Länder, insbesondere auch Afrika“ bezeichnete Abkommen ist auch unter der Abkürzung „Wüstenkonvention“ bekannt.

Angestrebt wird – unter Berücksichti­gung der klimatischen, sozioökonomischen und geographischen Besonderheiten verschiedener Regionen –, die Wüstenbildung durch wirksame Maßnahmen zu bekämpfen und die Dürrefolgen zu mildern, sodass eine nachhaltige Entwicklung in den betroffenen Gebieten erreicht werden kann. Konkret bedeutet dies, dass die Vereinten Nationen Aktionsprogramme der betroffenen Länder unterstützen.

Außerdem werden Bemühungen zur Bekämpfung der Desertifikation in Entwicklungsprogramme aufgenommen, damit auch die Lebenssituation der Menschen verbessert wird. Die entsprechenden Maßnahmenpakete schließen klimatische, forst- und landwirtschaftliche, aber auch soziale und politische Aspekte mit ein. Gleichzeitig werden lokale Stärkungs- und Stabilitätsprogramme angestrebt, wie zum Beispiel Information und Ausbildung der Menschen, Partizipation oder eine verbesserte Nahrungsmittelversorgung.

Beispiele, die Wirkung gezeigt und die Desertifikation begrenzt haben, sind im Sahel oder in China das Anlegen einer Grünen Mauer, Wiederaufforstungsprojekte, das Erstellen von Stein- und Lehmwällen gegen die Winderosion und das Auffangen von geringen Niederschlagsmengen.

Konkrete Projekte finden sich beispielsweise auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Didaktische Analyse

Bei den Unterrichtsmaterialien des Beitrags geht es darum, das Phänomen der Desertifikation einerseits zu definieren und andererseits räumlich einzuordnen. Dabei kommt der weltweit fortschreitenden Desertifikation eine zentrale Bedeutung zu, denn längst ist nicht mehr nur die Sahelzone davon betroffen.

Die Zielsetzung der Materialien ist zweigeteilt: Zum einen soll verdeutlicht werden, was Desertifikation ist und wie sie entsteht. Der Einfluss des Menschen hat dabei eine besondere Bedeutung, weil er in natür­liche Systeme eingreift und sie nachhaltig verändert. Daher können am Beispiel der Desertifikation Mensch – Umwelt-Verflechtungen sehr gut verdeutlicht werden. Zum anderen soll aufgezeigt werden, dass verschiedene Regionen von Desertifika­tion betroffen und die Ursachen zwar immer multipel sind, sich aber regional auch unterscheiden.

Auf diese Weise kann die Verbreitung des Phänomens sowie die Kausalität in der Ursache – Auswirkungs-Kette erarbeitet und nachvollzogen werden. Im Zusammenhang mit der Zunahme der globalen Temperaturen sind solche Grundlagen sehr bedeutsam, weil Folgen und Zusammenhänge besser eingeordnet werden können.

Unterrichtspraktisch lässt sich der Beitrag primär beim Oberthema Trockenräume unter dem Schwerpunkt Desertifika­tion einordnen. Denkbar ist aber auch, das Thema an die besprochenen Regi­onen zu koppeln und die regionale Desertifikation als einen Aspekt zu thematisieren.

Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler können

Fachwissen

  • Ursachen und Auswirkungen der Desertifikation allgemein und spezifisch für verschiedene Regionen der Welt erklären,
  • von der Desertifikation betroffene Regionen naturräumlich charakterisieren.

Erkenntnisgewinnung/Methoden

  • Medien wie Filme, Bilder und Texte hinsichtlich der Ursachen und Folgen von Desertifikation auswerten,
  • Atlasinformationen in einer Karte/einen Kurztext umsetzen,
  • Informationen zusammenfassend wiedergeben.

Räumliche Orientierung

  • regionale Beispiele auf einer Karte einzeichnen,
  • das Ausmaß der Desertifikation global auf einer Karte eintragen.

Kommunikation

  • Informationen austauschen und einordnen,
  • Lösungsansätze zur Verringerung der Desertifikation besprechen.

Beurteilung/Bewertung

  • Lösungsansätze zur Verringerung der Desertifikation bewerten,
  • Voraussetzungen ableiten, die für die Verringerung der Desertifikation notwendig sind.

Handeln

  • Verhaltens- bzw. Bewusstseins-„Rege­lungen“ für betroffene Menschen formulieren.

Methodische Analyse

Die Schülerinnen und Schüler werden mit einem Bild zur Desertifikation in die Thematik eingeführt (digitale Folie im Download-Bereich). Es zeigt eine verlassene Siedlung in einem niederschlagsarmen Gebiet, die Infrastruktur zerfällt, die Bäume wirken trocken. Die Lernenden stellen Vermutungen dazu an, was hier passiert sein könnte, wo sich dies ereignet hat (im Bildbeispiel dargestellt ist die Provinz Shanxi in China) und welche Gründe zur Situation geführt haben.

Erarbeitung im Gruppenpuzzle

Die eigentliche Erarbeitungsphase erfolgt anschließend durch ein Gruppenpuzzle. Die Arbeitsaufträge sind gleich gestaltet, es variieren lediglich die Regionen und die zugehörigen Materialien (Arbeitsblätter 1A – 1D). 

Stammgruppenphase

In der Stammgruppenphase werten die Lernenden zunächst die Materialien aus: Sie beschreiben die Region, klären Ursachen und Auswirkungen der regionalen Desertifikation und stellen diese grafisch dar. Dabei erkennen sie die Einflüsse des Menschen, die in den letzten Jahren zugenommen haben. Sie leiten dann Auswirkungen auf den Naturraum und auf die Menschen ab. 
Drei Beispiele thematisieren klassische Wüstenräume (Sahelzone, China, Patagonien), ein viertes Beispiel erweitert den Blick auf einen semiariden Raum (Südspanien).

Die Materialien bieten sich auch für eine Differenzierung im Unterricht an, da die Texte unterschiedlich anspruchsvoll und die Filme verschieden lang sind. Auch zeigen die regionalen Beispiele komplexere und einfachere Ursache – Folgen-Ketten. Als eher einfach einzuordnen sind die Beispiele Sahel und China, komplexer und anspruchsvoller sind Südamerika und Südeuropa. 

Austauschphase

In der Austauschphase des Gruppenpuzz­les stellen die Schülerinnen und Schüler einander die jeweiligen Erkenntnisse vor und tragen sie in eine Tabelle ein (Arbeitsblatt 2). Die Tabelle soll dabei mehr und anspruchsvollere Aspekte beinhalten als die ledigliche Wiedergabe von Informationen: Die Lernenden nehmen Bewertungen der einzelnen Situationen vor, indem sie diese vergleichen und gegeneinander abwägen.

Auch Lösungsansätze, die bereits in den Erarbeitungs-Materialien thematisiert werden, werden besprochen und ausgewertet. Hierbei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle: In einzelnen Staaten ist genügend Geld da, die Probleme mit technischen Lösungen anzugehen. In anderen Staaten haben Kriege und Konflikte zur Desertifikation beigetragen oder diese verschlimmert. So sind in der Sahelzone oder auch in Südamerika Menschen direkt in ihrer Lebensgrundlage bedroht: Sie müssen wegziehen oder sterben. 

Auswertung der Ergebnisse

Die Auswertung orientiert sich in Ansätzen an der Methode der Konfliktanalyse, wobei verschiedene Kategorien wie Konkretheit, Geschichte, Interessen, Machtverhältnisse, Zusammenhänge und Lösungsmöglichkeiten untersucht werden. Es handelt sich bei der Konfliktanalyse um eine motivierende Methode der Problemlösung, die für das nachhaltige Lernen bedeutsam ist.

Arbeitsblätter zum Beitrag Desertifikation zum Download

 

Literatur und Internetquellen

Fakten zum Artikel
Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-9
Zeitschrift
geographie heute Nr. 332/2017 Trockenräume – Heft

Trockengebiete erstrecken sich auf allen Kontinenten der Erde.

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