Thomas Hoffmann

Sand – ein knappes Gut?!

Sandberge mit Kränen
Regional ist die Verfügbarkeit von Sand sehr unterschiedlich. Daher wird Sand über große Distanzen gehandelt, © istock.com/djroland

Thomas Hoffmann

Steigende Nachfrage lässt neuen Weltmarkt entstehen

Seit einigen Jahren häufen sich Nachrichten bezüglich des Rohstoffes Sand, die uns aufhorchen lassen. Demnach importierte das Sultanat Dubai Sand aus Australien und weltweit werde der Rohstoff knapp. Dabei gibt es doch sprichwörtlich nichts so viel wie den „Sand am Meer. Wie passen diese Nachrichten zusammen? Die Schülerinnen und Schüler gehen der Frage nach, warum es zu Sandknappheit kommt und ein Weltmarkt für Sand entsteht.

Sachanalyse
Für die Herstellung von Glas oder Computerchips, von Porzellan oder Kosmetika, von Smartphones oder Fernsehbildschirmen, vor allem aber für den Hoch- und Tiefbau werden große Mengen Sand benötigt weltweit mindestens 40 Milliarden Tonnen pro Jahr, Tendenz steigend. Im globalen Kontext machte der Report „Sand rarer than one thinks des United Nation Environment Program (UNEP) 2014 erstmals auf die aufkommende Problematik aufmerksam. Mit der steigenden Weltbevölkerung, den ungebremst wachsenden Städten und dem globalen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, aber auch der Zunahme von Fracking im Bereich der Erdölförderung, verdoppelte sich die Nachfrage nach Bausand weltweit binnen eines Jahrzehnts.
Angesichts der Tatsache, dass der Bau eines Einfamilienhauses etwa 200 Tonnen, der Bau eines Autobahnkilometers 30000 Tonnen und der eines Atomkraftwerkes 12 Millionen Tonnen Sand verschlingt, wurde bereits 2014 der tägliche Bedarf jedes einzelnen Menschen im UNEP-Report auf 18 kg beziffert.
Mittlerweile ist die nachgefragte Menge in etwa doppelt so groß wie der natürliche Nachschub, den Verwitterung, Erosion und fluviatiler Transport in gleicher Zeit bereitstellen können. Die Gewinnung von Bausand greift folglich verstärkt auf den natürlichen Bestand zu, verkleinert diesen und verschärft somit die zunehmende Knappheit des begehrten, weil vielseitig einsetzbaren Rohstoffs. Zudem mindert der Bau von immer mehr Staudämmen die Verfügbarkeit natürlicher Sandvorkommen, da diese hinter den Staumauern zurückgehalten werden.
Sand ist nicht gleich Sand
In immer kürzeren Abständen wird seither auf die Verknappung aufmerksam gemacht, nicht ohne auf den scheinbaren Widerspruch unendlicher Sandvorkommen in den Wüsten der Erde und dem gleichzeitig beklagten Mangel hinzuweisen. Zur Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs bedarf es weniger der quantitativen als vielmehr der qualitativen Analyse der globalen Sandvorkommen.
Während der ungleich umfangreichere Bestand an Dünensanden aufgrund seiner durch den Wind kontinuierlichen Bewegung aus stark gerundeten Sandkörnern besteht, weist an Stränden und Flüssen vorzufindender Sand eine sehr viel gröbere Struktur auf. Für die Bauwirtschaft ist dies der Unterschied, der für die Verwendung von Sand bei der Herstellung und Verarbeitung von Beton und Asphalt entscheidend ist. Denn bedingt durch die kantige Struktur können die Körner der Flusssande sich verhaken und tragen so zur Stabilität des Baustoffs entscheidend bei. Die gerundeten Dünensandkörner weisen diese Eigenschaft nicht auf und gehen nur zu einem geringen Anteil in die Baustoffmischungen ein.
Der verstärkte Sandabbau an Flüssen und Küsten führt zu veränderten ökologischen Rahmenbedingungen, zerstört artspezifische terrestrische, fluviale und maritime Habitate und hat entsprechend negative Auswirkungen auf die lokale Biodiversität. Damit einher geht nicht nur die Abnahme von tierischen Populationen, sondern in der Folge auch die Zerstörung der ökonomischen Basis, etwa im Bereich der Fischereiwirtschaft.
Regionale Unterschiede
Die globale Verknappung der Ressource Sand zeigt regionale Schwerpunkte. So sind es insbesondere die seit zwei, drei Jahrzehnten boomenden Schwellenländer, allen voran China und Indien, aber auch Brasilien und – häufig durch besonders spektakuläre Bauprojekte dokumentiert – die arabischen Golfstaaten, die diese Nachfrage ganz wesentlich verursachen. Dagegen stagniert Europas Nachfrage...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 346 / 2019

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