Kim Philip Schumacher

Lokale Aufbrüche in Subsahara-Afrika

Stadtansicht von Kairo
Afrika ist im Wandel: Unser Bild des Landes stimmt oftmals nicht mehr überein mit den positiven Entwicklungen. , © givaga/Shutterstock.com

Kim Philip Schumacher

Aktuelle ökonomische und soziale Entwicklungen

Unser Bild von Afrika ist stark von den Medien geprägt, die den Kontinent noch bis vor einigen Jahren als hoffnungslos und verloren gekennzeichnet haben. Doch dieses Bild stimmt nicht mehr überein mit den derzeitigen positiven Entwicklungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich in vielen Ländern Subsahara-Afrikas. Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen und welche Veränderungen kann die Digitalisierung bewirken?

„Wenn du über Afrika schreibst, verwende die Wörter Afrika oder Dunkelheit oder Safari in deinem Titel. Behandle Afrika so, als wäre es ein Land. Es ist heiß, staubig mit hügeligem Grasland und großen Herden von Tieren und großen, dünnen Leuten oder heiß, schwül mit kurzen Leuten …“ So schreibt Binyavanga Wainaina, Direktor des Center for African Literature and Languages am Bard College in New York, in einem ironischen Essay (Wainaina 2006). Er verweist so auf die Schwierigkeiten, einem Kontinent mit 55 Staaten und mehr als 1,2 Mrd. Menschen in einem Text irgendwie gerecht zu werden. Zugleich macht Binyavanga Wainaina aufmerksam auf die vielfältigen Stereotype, die die Bilder und Einschätzungen von Afrika in unseren Köpfen prägen (vgl. Schrüfer 2013) und davon ausgehend die Vorstellungen von Entwicklung im wissenschaftlichen, politischen und privaten Diskurs – und nicht zuletzt im Geographieunterricht (s. Abb. 1 ).
Wandel des Bildes von Afrika
Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde in Wissenschaft und Medien oft das Bild eines verlorenen oder hoffnungslosen Kontinents gezeichnet, auf den die obigen Äußerungen von Binyavanga Wainaina anspielen (vgl. Franks 2015). Belegen lassen sich diese Aussagen jedoch auch statistisch mit dem Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen. Dieser erfasst nicht nur die ökonomische Situation, sondern auch Bildungsgrad und Lebenserwartung der Bevölkerung. Von den 38 Staaten in der Gruppe mit einem niedrigen HDI unter 0,550 liegen 31 in Afrika (s. Abb. 2; vgl. UNDP 2019; zum Vergleich: Deutschland hat einen HDI von 0,936, Rang 5).
Dabei verfügt der Kontinent Afrika über reiche natürliche Ressourcen, beispielsweise Bauxit, Gold, Platin, Öl und Diamanten. Auch die in jüngster Zeit für die Produktion von Mobiltelefonen, Computern und Elektronik enorm wichtig gewordenen sogenannten seltenen Erze wie Coltan, Tantal und Kobalt finden sich vorrangig in Afrika. Dass diese gute Ressourcenausstattung kein Motor für eine umfassende sozioökonomische Entwicklung in den jeweiligen Ländern war, wird als Ressourcenfluch bezeichnet, ein Begriff, der zuerst für erdölreiche Länder geprägt wurde.
Eine gängige Erklärung hierfür ist die nach außen gerichtete und von außen gesteuerte Entwicklung der letzten 200 Jahre (vgl. Scholz 2004), in der Subsahara-Afrika eine Ressourcenperipherie für die mächtigen Zentren darstellt. Auch wenn die europäische Kolonialherrschaft kaum 100 Jahre gedauert hat, so hat sie doch nachhaltig dazu geführt, die afrikanischen Ökonomien und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen vor allem auf die Bedürfnisse Anderer auszurichten und Wohlstand und Entwicklung in den Industrieländern des globalen Nordens zu generieren.
Dieser Ansatz einer gemeinsamen, aber ungleichen, wirtschaftlichen Entwicklung in einem globalen, kapitalistischen System ist einer der Hauptstränge der umfangreichen Literatur zu den Ursachen der afrikanischen „Unterentwicklung. Ein weiterer Hauptstrang der Literatur sieht die Verantwortung bei korrupten lokalen Eliten und schlechter Governance, gefolgt von neueren aufsehenerregenden Darstellungen, die der Entwicklungshilfe einen negativen Einfluss zuschreiben, da sie zu wirtschaftlichen und sozialen Verzerrungen beitragen kann (vgl. Carmody 2011, S. 4).
Dieser lang verbreitete sozioökonomische Befund und die damit einhergehenden Narrative sind gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts einem deutlich positiveren Narrativ, dem...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 343 / 2019

Subsahara-Afrika

geographie heute Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13