Hannah Lathan

Hochwasser – vom Menschen gemacht?

Luftbild von Halle (Saale)
Die Peißnitz-Insel, der Gimritzer Damm und der Stadtteil Halle-Neustadt während des Hochwasserereignisses im Juni 2013 , © imago images/STAR-MEDIA

Hannah Lathan

Nutzungskonflikte an der unteren Saale

Das Hochwasser im Juni 2013 war eines der stärksten Ereignisse in jüngster Zeit, unter dem besonders die untere Saaleregion um die Stadt Halle gelitten hat. Welche Rolle spielt der Mensch, der sehr nah an Flüssen siedelt und die Flussauen intensiv wirtschaftlich nutzt, bei der Genese von Hochwasserereignissen? Und welche Auswirkungen haben diese? In einem Rollenspiel gehen die Schülerinnen und Schüler diesen Fragen nach.

Sachanalyse
Von Hochwasser wird gesprochen, wenn der Wasserdurchfluss (in Kubikmeter) eines Gewässers pro Zeiteinheit (in Sekunden) einen bestimmten Wert überschreitet (vgl. Grossmann 2013, S. 12). Um den Wasserstand festzustellen, wird der Pegel in Metern angegeben. Die Hochwassermarken kennzeichnen die höchsten Wasserstände an einem Ort.
Zur Beurteilung der Hochwasserereignisse und zum Vergleich mit anderen Hochwasserereignissen wird ein Wiederkehrintervall angegeben, das mit den Buchstaben HQ und der Jährlichkeit gekennzeichnet wird. So bedeutet HQ100, dass ein Hochwasser einmal in hundert Jahren auftreten wird. Die Wahrscheinlichkeit für diese Erscheinung beträgt demnach im Jahr 1%. Je länger die Region also von einem Hochwasser verschont bleibt, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit des Auftretens. Es kann aber dennoch sein, dass mehrere hundertjährige Hochwasser in kurzen Abständen vorkommen.
In der unteren Saaleregion werden Hochwasser etwa seit dem Jahr 1580 belegbar dokumentiert. Bei der Betrachtung der Aufzeichnungen wird deutlich, dass die höchsten Wasserstände in einer Periode von 1585 bis 1890 gelegen haben. In jüngster Zeit trat erneut eine Häufung von Hochwasserereignissen (1994, 2003, 2011, 2013; (s. Abb. 1 ) auf, die für die Region als katastrophale Ereignisse eingestuft wurden.
Die Hochwasser haben katastrophale Folgen, weil der Mensch sehr nah an Flüssen siedelt (z.B. Köln am Rhein, Dresden an der Elbe, Halle an der Saale, Passau am Inn) und die Flussauen, die ehemals den ursprünglichen Lauf markieren und als Rückhaltebecken fungieren, (land-)wirtschaftlich intensiv nutzt. Anthropogene Einflüsse, wie die Versiegelung des Bodens durch Straßen- und Häuserbau in den Flussauen, behindern den natürlichen Abfluss der Gewässer. Die Bewohner sind dadurch entsprechend stark von den immer wiederkehrenden Hochwasserereignissen betroffen. Das Wasser richtet an Gebäuden, Infrastrukturen und Ackerflächen große Schäden an, die als Überflutungskatastrophe wahrgenommen werden.
Arten von Hochwasserereignissen
Generell wird zwischen natürlichen und anthropogen verursachten Hochwasserereignissen unterschieden. Bei den natürlichen Hochwassern wird in schmelzwasserbedingte und niederschlagswasserbedingte differenziert.
Schmelzwasserbedingte Hochwasser
Ein schmelzwasserbedingtes Hochwasserereignis setzt die Akkumulation von Schnee oder Eis während der Wintermonate in höheren Lagen voraus. Dies führt dazu, dass eine große Menge an Wasser gespeichert wird. Mit einem raschen Einsetzen des Tauwetters werden die Schnee- und Eismassen zum Schmelzen gebracht. Warmlufteinbrüche, die zum unmittelbaren Abtauen der Schneerücklagen in Gebirgsregionen und zum Abfließen in die entsprechend nächstgelegenen Gewässer führen, können in dieser Region bereits im Winter auftreten.
Langjährige Wasserstands- und Durchflussstatistiken zeigen ein schmelzwasserbedingtes Maximum in der Wasserführung im Spätwinter bzw. zu Frühjahrsbeginn sowie eine deutliche Abhängigkeit des Abflussverhaltens der Saale von ihren Zuflüssen Weiße Elster, Unstrut und Bode (s. Abb. 2 ). Darüber hinaus korrelieren die Kurven der drei Zuflüsse stark mit dem des Hauptstroms. Erschwerend kommt zum Schmelzwasser der höheren Lagen häufig noch die enorme Schneemenge im Tiefland hinzu, sodass sich der Effekt zusätzlich verstärken kann.
Niederschlagsbedingte Hochwasser
Niederschlagsbedingte Hochwasserereignisse stehen in starkem Zusammenhang mit dem Auftreten von...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 347 / 2020

Räumliche Konflikte

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 8-9