Volker Wilhelmi

Hilfe aus der Luft

Sonne verbirgt sich hinter Wolken
Per Drohne werden in Ruanda Blutkonserven und Medikamente an Krankenhäuser geliefert. , © Roman Sakhno/Shutterstock.com

Volker Wilhelmi

Das Drohnenprojekt in Ruanda

Blutkonserven per Drohne liefern, wenn sie gebraucht werden: Was wie in einem Science-Fiction-Film klingt, ist in Ruanda Alltag. Ein US-Unternehmen liefert innerhalb kurzer Zeit Blut per Drohne an Krankenhäuser, wodurch zahlreiche Leben gerettet werden können. Die Schülerinnen und Schüler beschreiben das Gesundheitssystem in Ruanda und bewerten die medizinische Versorgung mittels Drohnen.

Sachanalyse
Mit der Vision 2020 legte die Regierung Ruandas unter Paul Kagame im Jahr 2000 einen Plan vor, dessen Erfüllung Ruanda zu einem friedfertigen, modernen Land machen soll. Zu den Zielen gehört u.a. eine gesicherte medizinische Versorgung der Landbevölkerung, nach wie vor eine zentrale Aufgabe.
Medizinische Versorgungin Ruanda
In Ruanda, auch bekannt als das Land der tausend Hügel, wird gerade durch diese prägende Landschaftsform der Ausbau der Infrastruktur erschwert. Eine hügelige Hochebene von 1500 – 1700 m Höhe macht den größten Teil der Staatsfläche aus. Beim Genozid 1994, einem verheerenden Völkermord mit schätzungsweise einer Million Toten, wurden auch die Infrastruktur und zentrale Staatskapazitäten zerstört (vgl. Viebach 2016). Ein großer Mangel an medizinischen Fachkräften und funktionsfähigen Krankenhäusern war zu beklagen. Für das Gesundheitssystem und die medizinische Versorgung, vor allem der ländlichen Bevölkerung, stellte dies ein großes Problem dar. Folglich wurde in neue Krankenhäuser und -wagen investiert sowie die Infrastruktur weiter ausgebaut (vgl. Botschaft der Republik Ruanda 2015).
Die ruandische Regierung hat 1999 – zunächst nur testweise in drei Bezirken, später dann landesweit eine gemeindebasierte Krankenversicherung ins Leben gerufen. Diese Krankenkasse ist so aufgebaut, dass die Bewohner sich in einem Krankheits- oder Verletzungsfall in einem Krankenhaus oder Gesundheitszentrum behandeln lassen können, wobei nur noch 10% der entstehenden Kosten von ihnen zu übernehmen sind. Die Einrichtung dieser gemeindebasierten Krankenkasse war bisher sehr erfolgreich, sie wird von über 95% der Bevölkerung angenommen.
Mittlerweile verfügt Ruanda über 525 Gesundheitszentren, 5 Referenz- und 42 Distriktkrankenhäuser. Allerdings ist in den Gesundheitszentren nicht immer ein Arzt vor Ort. Lokale Hilfe soll durch die sogenannten mobilen Gesundheitshelfer gewährleistet werden, einem Netz von rund 60000 Personen, welche unter anderem Hilfe bei der Schwangerschaftsvorsorge und -nachsorge leisten, den Dorfbewohnern als Berater zur Seite stehen und Impfungen durchführen.
Die Gesundheitssituation in Ruanda verbessert sich durch diese Maßnahmen stetig. Lag die Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 2006 noch bei 57,22 Jahren, so ist sie bis 2016 auf 67,13 Jahre gestiegen (vgl. Statista 2018). Auch die Kindersterblichkeit ist von 101,2 Todesfällen je 1000 Lebendgeburten auf nur noch 38,5 Todesfälle im Jahr 2016 gesunken (vgl. Statista 2018).
Drohnen liefern im Notfall Blut und Medikamente
Medizinische Notfälle sind immer noch eine große Herausforderung. Mittlerweile sind zwar gut ausgebaute Straßennetze in den größeren Städten vorhanden, die Verbindungen in ländliche Gebiete werden zielstrebig ausgebaut, trotzdem stellt die Abgeschiedenheit und Vielzahl der einzelnen Siedlungen nach wie vor ein großes Versorgungsproblem dar. Die entlegenen Gebiete können kaum durch Krankenwagen erreicht werden. Die Kranken müssen oftmals mittels einer Trage von Freunden, Nachbarn und der Familie zur nächstgelegenen Gesundheitsstation transportiert werden. Das kostet Zeit, die gerade in Notfällen fehlt (vgl. Posern o.J.).
Auch die Versorgung mit Medikamenten ist in Ruanda stellenweise schwierig, Patienten können bisher oft erst spät oder gar nicht behandelt werden, da die notwendigen Mittel fehlen (vgl. Michels/Wocker 2014).
An dieser Stelle kommt das Silicon-Valley-Start-Up-Unternehmen Zipline ins Spiel. Als neuer Investor im ruandischen...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 343 / 2019

Subsahara-Afrika

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-11