Monika Reuschenbach · Pascale Herzig

Frauenpower in Kleinfirmen

Straßenschild der Wallstreet
Frauen leisten einen wesentlichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum in den Ländern Afrikas südlich der Sahara., © Lewis Tse Pui Lung/Shutterstock.com

Monika Reuschenbach · Pascale Herzig

Schuhe, Getränke und Stoffe ermöglichen Wirtschaftswachstum

In einigen Ländern Afrikas südlich der Sahara findet Wirtschaftswachstum statt und die Bevölkerung hat ein neues Selbstbewusstsein für Unternehmertum entwickelt. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten Frauen. Die Schülerinnen und Schüler zeigen an vier Beispielen auf, warum Frauen eigene Unternehmen gründen und welche Bedeutung sie für die Wirtschaft der jeweiligen Länder haben.

Sachanalyse
In einigen Ländern Afrikas, beispielsweise in Äthiopien, Ghana, Mali und Ruanda, wächst die Wirtschaft anhaltend. Voraussetzung dafür war viel Aufklärungs- und Bildungsarbeit in den letzten 20 Jahren, besonders in den Bereichen Familienplanung, Gesundheitserziehung und allgemeine Schulbildung. Wichtige Zielgruppe dieser Informationskampagnen waren Frauen, weil ihnen lange Jahre der Zugang zu Bildung und Selbstbestimmung fehlte. Um aber traditionelle Vorstellungen aufbrechen zu können, war ebenso wichtig, die Männer einzubeziehen, da sie die Entwicklungen mittragen mussten.
Situation der Frauen
Die Förderung der Frauen ist deshalb wichtig, weil südlich der Sahara im Durchschnitt immer noch nur knapp 25% der Frauen über einen Schulabschluss verfügen (zum Vergleich: über 35% der Männer in Subsahara-Afrika). Werden allerdings einzelne Länder betrachtet, sieht das Bild sehr unterschiedlich aus: In Südafrika haben 94,3% der Frauen einen Schulabschluss, in Südsudan 25%, in Niger 11%.
Warum das so ist, kann zumindest teilweise mit traditionellen Lebensmustern erklärt werden. Häufig sind die Frauen für das Überleben der Familien zuständig: Sie kümmern sich um die Nahrungsmittelherstellung und -zubereitung, ums Wasser holen, die Kindererziehung usw. Die Männer sind oft abwesend: Entweder arbeiten sie abseits der Familien oder das Konzept der Zweielternfamilie ist nicht verbreitet. Unter Zweielternfamilie wird dabei das Konzept von Vater und Mutter mit Kindern verstanden. In afrikanischen Gesellschaften ist die Polyandrie (ein Mann ist mit mehreren Frauen verheiratet) weit verbreitet, die Frauen und Kinder bilden den Kern der Familie, die Väter wechseln ihre Bezugsfamilie.
Wenn Frauen erwerbstätig sind, dann meistens im informellen Sektor. Dabei sind sie entsprechend schlecht entlohnt und nicht abgesichert. Durch die traditionellen Rechte wurden Frauen lange (vorwiegend in ländlichen Gebieten) beim Abschluss von Bankgeschäften und in der Folge davon von Firmengründungen weitgehend ausgeschlossen. Kredite zu bekommen, war für sie schwieriger. Grund für diese Situation sind oft traditionelle Erbteilungen, bei denen Land, Höfe oder Kleinfirmen an die Männer vererbt werden. So zeigt sich der Widerspruch: Die Gesellschaft ist teilweise matrilinear organisiert, die Wirtschaft aber patrilinear.
Auch wenn aufgrund von Kriegen oder Aids Männer fehlen und viele Betriebe von Frauen geführt werden, können sie kaum Sicherheiten bei Banken vorweisen. Zudem verfügen sie über zu geringe Kenntnisse in der Landwirtschaft, wenn Erträge über Subsistenzwirtschaft hinausgehen sollen. Geschätzt wird aber, dass die landwirtschaftlichen Erträge um 20 – 30% steigen würden, wenn Frauen den gleichen Zugang zu Land, Dünger, Saatgut, Krediten und technischen Geräten hätten wie Männer. Auch gelten Frauen bei vielen (Entwicklungs-)Organisationen als bessere und vertrauenswürdigere Partnerinnen als Männer.
Selbstständigkeit statt Arbeitslosigkeit
Der gesellschaftliche Wandel ermöglicht heute immer mehr Mädchen eine schulische Grundausbildung. Danach bilden sich die jungen Frauen weiter, beispielsweise in den Bereichen Hygiene, Ernährungslehre, Budgetplanung oder Marketing. Die Frauen profitieren von einer formalen Bildung und sind mehr denn je entschlossen, Wohlstand für sich selbst zu schaffen und finanziell unabhängig zu werden.
In Afrika gibt es derzeit mehr als 161 Millionen junger Frauen zwischen 18 und 34 Jahren. Für sie (und auch für...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 343 / 2019

Subsahara-Afrika

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10