André Lehnen · Ingo Terporten

Energiepolitisch notwendig oder ökologisch unverantwortlich?

Abb. 2: Um an das tiefliegende Kohleflöz zu gelangen, muss der Hambacher Wald gerodet werden
Abb. 2: Um an das tiefliegende Kohleflöz zu gelangen, muss der Hambacher Wald gerodet werden , © imago images/CoverSpot

André Lehnen · Ingo Terporten

Die Rodung des Hambacher Waldes als Raumnutzungskonflikt beurteilen

Soll der Hambacher Wald gerodet werden? Um an die tief unter dem Wald gelegenen mächtigen Kohleflöze zu gelangen, ist eine Rodung erforderlich. Die Proteste sind groß, Tausende demonstrieren für den Erhalte des Waldes. Die Schülerinnen und Schüler beurteilen den Raumnutzungskonflikt, erarbeiten die ökonomische und ökologische Bedeutung und stellen sich die Frage Hambacher Wald: Roden oder retten?

Sachanalyse
Das linksrheinische Braunkohlerevier der Kölner Bucht zwischen Köln, Aachen und Mönchengladbach ist die größte deutsche Braunkohlelagerstätte. Auf einer Fläche von insgesamt 2500 km2 lagern etwa 51 Mrd. Tonnen Braunkohle, davon 31 Mrd. Tonnen wirtschaftlich gewinnbar. Die Lagerstätten im Südosten der Region wurden bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts genutzt und die Flächen anschließend rekultiviert.
Heute weist das Revier drei aktive Tagebaue auf: Garzweiler II im Norden, Hambach im Zentrum (s. Abb. 1 ) und Inden II im Westen des Reviers. Während die im Tagebau Inden geförderte Kohle im nahegelegenen Kraftwerk Weisweiler verstromt wird, beliefern die Tagebaue Hambach und Garzweiler die östlich gelegenen Kraftwerke Neurath und Niederaußem. Das nahegelegene Kraftwerk Frimmersdorf ist seit Oktober 2017 inaktiv, zwei Blöcke werden für einen Zeitraum von vier Jahren als Sicherheitsreserve dienen, bis auch diese dann komplett stillgelegt werden.
Sämtliche Abbaufelder und die zugehörigen Kraftwerke werden von der RWE Power AG betrieben. Insgesamt sind in der Region rund 10000 Arbeitsplätze direkt und 64000 Arbeitsplätze indirekt von der Braunkohleförderung abhängig (vgl. Statistik der Kohlewirtschaft 2019).
Nach der heute noch geltenden Leitentscheidung der damaligen Landesregierung Nordrhein-Westfalens wurde 2016 die ursprünglich genehmigte Fläche des Tagebaus Garzweiler II im Westen um die Ortschaft Holzweiler verkleinert, sodass hier bis 2045 noch etwa 1,3 Mrd. Tonnen Braunkohle abgebaut werden sollen. Die Fläche und damit verbunden die Fördermenge der beiden anderen Abbaufelder blieben unangetastet. Die entsprechenden Werte liegen nach aktueller Planung in Hambach bei rund 1,6 Mrd. Tonnen und in Inden bei rund 0,3 Mrd. Tonnen (bis 2030).
Im Januar 2019 hat sich die Kohlekommission auf einen vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle im Jahr 2038 geeinigt. Es ist davon auszugehen, dass sich die Abbauflächen folglich verkleinern werden. Bislang liegen aber weder konkrete Pläne noch ein entsprechendes Gesetz vor (vgl. Berliner Morgenpost 2019).
Ökonomische Bedeutung
Der Anteil der Braunkohle aus dem Rheinischen Braunkohlerevier an der Primärenergiegewinnung Deutschlands beträgt 11% (2017), der Anteil an der Stromgewinnung knapp 23% (2017). Um diesen Beitrag zu gewährleisten, wurden in den letzten zehn Jahren jährlich zwischen 90 und 100 Mio. Tonnen Braunkohle im gesamten Revier gefördert. Diese wurden ergänzt durch zuletzt etwa 80 Mio. Tonnen aus den ostdeutschen Revieren Lausitz und Mitteldeutschland. Zusammengenommen wurden so im Jahr 2018 131 Mrd. Kilowattstunden (kWh) Strom aus Braunkohle erzeugt. Dabei bleibt die Stromerzeugung während der letzten zehn Jahre relativ konstant mit einem Minimum im Jahr 2010 (130 Mrd. kWh) und einem Maximum im Jahr 2013 (145 Mrd. kWh).
Allein der Tagebau Hambach förderte 2018 etwa 40 Mio. Tonnen Braunkohle. Für den reibungslosen Ablauf sind rund 1400 Mitarbeiter erforderlich. Die hier geförderte Kohle liegt in einem bis zu 70m mächtigen Kohleflöz, das in Tiefen bis über 500m reicht. Im Gegensatz zum Tagebau Garzweiler hat die tiefliegende Braunkohle in Hambach einen relativ hohen Heizwert von etwa 10000 kJ/kg (zum Vergleich: Garzweiler rund 8000 kJ/kg).
Aufgrund der heterogenen Qualität wird die abgebaute Kohle nach einer Zwischenlagerung jeweils auf die Kraftwerke Neurath und Niederaußem verteilt. Diese liegen östlich bzw. südöstlich des...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 347 / 2020

Räumliche Konflikte

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10