Kerstin Hepp

Eine Fußball-WM im Winter ist anders

Globus
© iStock.com/wael alreweie

Kerstin Hepp

Geographisches Denken mit der Placemat-Methode entwickeln

Bis vor wenigen Jahren war Katar ein Geheimtipp für Wüstenurlauber. Dies hat sich entscheidend geändert. Der kleine arabische Wüstenstaat hat in den letzten Monaten mit Sportgroßveranstaltungen für Schlagzeilen gesorgt, vor allem aber mit der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2022. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse findet die WM in den Wintermonaten statt mit immensen Folgen. Diese erarbeiten die Schüler mit der Placemat-Methode.

Sachanalyse
Das Landschaftsbild der Halbinsel Katar an der Westküste des Persischen Golfs ist geprägt durch Geröll- und Kieswüsten. Das Relief ist im Nordwesten des Landes leicht hügelig. Nach Osten hin ist das leicht abfallende felsige Gelände von Flugsanddecken und Salztonebenen bedeckt. Sanddünen kommen nur vereinzelt an der Küste im Südosten vor. Salzsümpfe und Wüstenstreifen trennen Katar von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Mit einem Jahresniederschlag von unter 100  mm ist Katar eine der trockensten Landschaften der Erde. Das Klima ist ganzjährig subtropisch-heiß. Mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von etwa 85% ist es sehr schwül. Im Sommer liegen die Temperaturen zwischen 35  °C und 45  °C (vereinzelt bis zu 55  °C), im Winter zwischen 17  °C und 25  °C.
Die Landschaft ist überwiegend unfruchtbar und verödet, die Vegetation wüstentypisch karg. Lediglich im etwas regenreicheren Norden wachsen einige Wasserhyazinthen, Palmen und Dornbüsche. Katar verfügt über geringe natürliche, salzhaltige Wasservorkommen in Brunnen oder Salzlacken. Landwirtschaft wird nur in geringem Ausmaß im Norden der Halbinsel in etwa 1400 dolinenartigen Karsterscheinungen (rawdahs) betrieben, in denen sich lehmhaltige Erde eingelagert hat.
Reichtum aus Öl und Gas
Zu wirtschaftlichem Reichtum gelangte das Land durch seine riesigen Erdöl- und Erdgasvorkommen. Katar liegt inmitten eines Faltungsgebiets, in dessen Antiklinalen sich oberflächennahe Erdöl- und Erdgasvorkommen eingelagert haben. Im Schelfgebiet der vorgelagerten Küste sind Erdgasvorkommen mitunter bereits etwa 60 – 70  m unter dem Meeresboden zu finden. Erdölvorkommen liegen zum Beispiel im Dhukan-Gebiet in etwa 1500  m Tiefe (vgl. Scholz 1999, S. 188ff.).
Katar ist der weltweit größte Exporteur von Flüssiggas. Erdgas, Erdöl und Treibstoffe bilden mehr als 93% von Katars Export, gefolgt von petrochemischen Gütern. Bis 2011 sicherte das Gasgeschäft dem Emirat zweistellige wirtschaftliche Wachstumsraten.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat sich seit 2004 fast versiebenfacht (s. Abb. 1 ). Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von über 80000 US-Dollar zählt Katar rein statistisch gesehen zu den reichsten Ländern der Welt (s. Abb. 2 ). Allerdings besitzen über 94% der über zwei Millionen Einwohner nicht die Staatsbürgerschaft Katars. Bei ihnen handelt es sich um Gastarbeiter vorwiegend indischer, pakistanischer und nepalesischer Herkunft. Sie haben meist ein sehr geringes Einkommen.
Die Kataris, durch die sich das BIP maßgeblich konstituiert, sind zu über 90% in Regierungsorganisationen und -firmen beschäftigt und erhalten dort exorbitante Gehälter (vgl. GTAI 2015).
Pläne für eine Zukunft ohne Erdöl und Erdgas
Das jährliche Wirtschaftswachstum hat sich mittlerweile auf durchschnittlich etwa 6 – 7% eingependelt (s. Abb. 3 ) (vgl. Heller 2013; GTAI 2015). Der Gassektor stellt nicht mehr die treibende Kraft dar. Vielmehr hat sich das Emirat Katar das Ziel gesetzt, die Grundlagen für ein postfossiles Wirtschaftswachstum zu legen. Die Regierung fördert daher ein kontrolliertes, ökologisch nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
Die Zukunftsvision Katars sieht vor, den hohen Lebensstandard der katarischen Bürger zu sichern, Kapazitäten für Innovationen und Unternehmertum auszubauen sowie ökonomische Ergebnisse mit wirtschaftlicher und finanzieller Sicherheit in Einklang zu bringen (s. Abb. 4 ). Realisiert werden soll dies durch die...
Geographie heute
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Geographie heute abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 328 / 2016

Kooperative Lernformen

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-8