Karl-Heinz Otto

Chuquicamata

Tagebau Kupfermine in Chile
Kupfermine Chuquicamata (Open-pit: 4,3 km lang, 3 km breit und 1 km tief), © Karl-Heinz Otto

Karl-Heinz Otto

In der chilenischen Atacamawüste befindet sich die größte Kupfermine der Welt. Welche Folgen hat der Abbau in der Wüste für Mensch und Umwelt?

Die Kupfermine Chuquicamata wird seit 1915 vom staatlichen Bergbaukonzern CODELCO (Corporación Nacional del Cobre) betrieben und liegt etwa 1650 Kilometer nördlich von Santiago de Chile in der nordchilenischen Region Antofagasta mitten in der Atacamawüste (s. Abb. 1 und 2).
Die Region Atacama zählt zu den trockensten Orten der Welt. Hier beträgt die jährliche Niederschlagsmenge im Durchschnitt zwischen 0,6 und 2,1 Millimeter. Im Vergleich dazu liegt die jährliche Niederschlagsmenge in der Sahara im Durchschnitt bei 45,5 Millimeter. Dies bedeutet, dass sich in der Atacama viele Grundwasseraquifere wenn überhaupt nur sehr langsam regenerieren und damit als nicht erneuerbare Ressource zu betrachten sind.
Im Jahr 2011 entnahm CODELCO für den Betrieb von Chuquicamata 56118000 Kubikmeter Oberflächenwasser sowie 9000 Kubikmeter Wasser aus der öffentlichen Wasserversorgung. Alle Bergbauaktivitäten in der Region Antofagasta verbrauchen etwa 70 % des gesamten Wassers der Region. Der Großteil wird dabei für die Aufbereitung und Raffination der Erze verwendet. Bisher machen der Bergbau und die zugehörigen Industrien etwa 20 % des gesamten chilenischen Wasserbedarfs aus.
COCHILCO (Comisión Chilena del Cobre) schätzt, dass sich der Wasserverbrauch der gesamten chilenischen Kupferindustrie weiter deutlich steigern wird. Die Prognose des steigenden Wasserbedarfs beruht auf den Annahmen, dass die Kupfererzförderung insgesamt steigt, die Produktion von wasserintensiverem Kupferkonzentrat zunimmt und die Erzgehalte der Minen abnehmen.
Für den vier Kilometer von Chuquicamata entfernt gelegenen Kupfertagebau Radomiro Tomic hat CODELCO damit begonnen, eine Meerwasserentsalzungsanlage zu bauen. Solche Anlagen verbrauchen jedoch erhebliche Mengen an Energie und benötigen lange Pipelines, um das Wasser von der Küste in die Bergwerksregionen zu transportieren im Fall von Radomiro Tomic wird die Pipeline eine Länge von rund 160 Kilometer haben. Da die Entsalzung des Meereswassers sehr aufwendig und wenig ergiebig ist, wird derzeit geprüft, ob die direkte Nutzung des Meereswassers eine Alternative für den Bergbausektor darstellt (vgl. Rüttinger/Griestop/Schüler 2014).
Auswirkungen des Kupferbergbaus
Vereinzelt wird von erheblichen Auswirkungen des Kupferbergbaus auf die Biodiversität berichtet. Es wird von negativen Effekten auf den Fluss Loa und umgebende Feuchtgebiete ausgegangen, die durch Emissionen und Wasserentnahme erheblich beeinträchtigt werden. Einige Feuchtgebiete sind bereits vollkommen zerstört oder stark geschrumpft. Ebenso ist eine große Anzahl endemischer Arten verschwunden. Problemverstärkend wirkt dabei die hohe Vulnerabilität der in der Atacamawüste vorkommenden Ökosysteme (vgl. Otto/Krajewski 2005).
Der Kupferabbau in Chile hat auch gesundheitliche Folgen für die Bergbauarbeiter und die lokale Bevölkerung. Bei den Bergbauarbeitern treten vor allem gesundheitliche Probleme in Form von Gehörschäden und Silikose (Staublungenkrankheit) auf. Zudem stellt die Arbeit in großen Höhen von bis zu 3000 m ü. NN ein erhöhtes Risiko für Arbeiter mit Herz-, Kreislauf- und Lungenproblemen dar. Ebenso wird von Belastungen der Atemwege durch mit Arsen und Schwermetallen belasteten Feinstaub berichtet.
Die negativen Gesundheitsauswirkungen des Bergwerks und seiner Aufbereitungsanlagen waren so stark, dass sich CODELCO 2002 dazu entschloss, die gesamte Bergbaustadt Chuquicamata umzusiedeln. Diese Umsiedlung umfasste etwa 3000 Familien oder 15000 Personen und kostete etwa 200 Millionen US-Dollar (vgl. Rüttinger/Griestop/Schüler 2014). Ein weiterer Grund für die Umsiedlung war fehlender Platz für die riesigen Abraumhalden. Große Teile der ehemaligen Bergbaustadt Chuquicamata sind heute bereits damit überschüttet.
Wasser ein knappes Gut
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 349 / 2020

Chile

geographie heute Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13