Karl-Heinz Otto

Chile – lang, schmal, faszinierend

Felder im Nebel mit Gebirge im Hintergrund
Aufnahme aus dem Torres del Paine Nationalpark im Süden Patagoniens, Chile, © Christian Krajewski

Karl-Heinz Otto

Eine geographische Betrachtung

Chile ist ein außergewöhnliches Land, geprägt von landschaftlicher Vielfalt und räumlichen Gegensätzen, vom enormen Ressourcenreichtum und von wirtschaftlichen Potenzialen. Insbesondere die ökonomischen Entwicklungen bringen jedoch nicht nur Vorteile mit sich, sondern verursachen auch erhebliche ökologische und gesellschaftliche Probleme.

Einleitung
Chile nach altindianischer Überlieferung das Land, wo die Welt endet ist eines der außergewöhnlichsten Länder unserer Erde (s. Abb. 1). Es hat eine enorme Nord-Süd-Erstreckung von rund 4300 Kilometern. Nicht berücksichtigt sind hierbei die kleineren Inseln und der antarktische Landesanteil. Die extreme bandartige Erstreckung über 38 Breitengrade ist entscheidend dafür verantwortlich, dass hier sechs von weltweit neun Ökozonen vertreten sind: die subpolare/polare (bei Einbeziehung des antarktischen Anteils), antiboreale, temperierte, mediterrane sowie subtropische und tropisch-aride Zone. Im Durchschnitt ist Chile nur 180 Kilometer breit, wobei die maximale West-Ost-Erstreckung bei Antofagasta und an der Magellanstraße etwa 400 Kilometer beträgt, die minimalste im „Kleinen Norden (Norte Chico) gar nur 90 Kilometer (s. Abb. 2) . Aufgrund der geschlossenen Gebirgskette der Anden, die an den höchsten Stellen bis über 6800 Meter ü. NN emporragt, ist in jeder Ökozone darüber hinaus die dazugehörige Höhenstufenabfolge ausgebildet.
Als landschaftliche und kulturelle Besonderheiten dürfen an dieser Stelle weder die Osterinsel (Isla de Pascua) noch das Juan-Fernández-Archipel (besser bekannt als Robinson-Crusoe-Inseln) unerwähnt bleiben (vgl. Otto 2001, S. 50).
Wirtschaftlich entscheidend für Chile ist der Reichtum an mineralischen Bodenschätzen, der ursächlich mit der jungen andinen Gebirgsauffaltung verbunden ist. Im „Großen Norden (Norte Grande) finden sich vor allem reiche Kupfer- und Lithiumvorkommen. Aufgrund der klimatischen Situation herrschen in der Atacamawüste hervorragende Bedingungen für den Bau und Betrieb von Sternwarten und Solarkraftwerken (vgl. Otto 1999). Ein weiteres Charakteristikum des Landes ist seine äußerst lange Küstenlinie und der damit einhergehende hohe Anteil an pazifischen Hoheitsgebieten. Die kühlen Gewässer des Humboldtstroms sorgen für reiche Gründe an Fischen und Meeresfrüchten. Mit der vorwiegend milden Witterung wirkt sich die Ozeanität auch auf das touristische Potenzial positiv aus, was vielerorts an der Küste (und auch im Landesinneren) vorliegt. Klimatische Vielfalt ist zugleich die Basis für eine breite land- und forstwirtschaftliche Nutzung, die ein weiteres Rückgrat der chilenischen Ökonomie darstellt (vgl. Richter 2004, S. 49).
Natürliche Ressourcen
Einen Überblick über die orographische Differenzierung und die Verbreitung der Bodenschätze liefert Abbildung 2.
Die im Osten Chiles gelegenen Anden prägen aufgrund der großen Höhen das gesamte Land. Nur an wenigen Stellen im „Kleinen Süden (Chile Sur) und „Großen Süden (Chile Austral) wird die 2000-Meter-Höhenlinie unterschritten. Von Norden nach Süden ist insgesamt eine grobe Vierteilung der Anden erkennbar:
Die von Peru aus übergreifende und in Chile über 1000 Kilometer weit nach Süden reichende Kette aus rezenten, hochexplosiven Stratovulkanen. Diese ragt über weitflächige saure Ignimbritdecken früherer effusiver Spaltenausbrüche empor und endet etwa am höchsten Berg des Landes, dem 6893 Meter hohen Ojos del Salado.
Es folgt eine rund 500 Kilometer lange, etwa bis Santiago de Chile reichende Kette mit granitischen Intrusionen, die zum Teil von Deckgebirge überlagert ist.
Südlich der Hauptstadt sind abermals bis 6500 Meter ü. NN aufragende Vulkane ausgebildet, die weiter im Süden ebenso aus hochexplosiven Kegeln bestehen. Hier überschreiten sie aber nur selten die 3000-Meter-Höhenlinie. Diese Kette reicht, nahezu lückenlos, rund 1000 Kilometer nach Süden und löst sich dann in isolierten...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 349 / 2020

Chile

geographie heute Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13