Raumkonflikt Teeanbau in Kenia

Fluch oder Segen für die lokale Bevölkerung?

Tee aus Kenia? Im Gegensatz zu Kakao oder Kaffee gehört Tee nicht zu den bekannten cash crops Afrikas. Kenia ist aber noch vor China der weltgrößte Tee-Exporteur. Inwieweit der Anbau jedoch zur Entwicklung des Landes beiträgt, ist umstritten. Der Raumkonflikt des Teeanbaus im kenianischen ­Kericho fordert die Schülerinnen und Schüler heraus, die Positionen lokaler Akteure nachzuvollziehen und diese in einem Wertequadrat einzuordnen.

Teeplantage in Kericho, Kenia
Ein Beispiel für einen Raumkonflikt ist der Teeanbau in Kenia. Foto: © Jen Watson/Shutterstock.com

Cash Crops: Das Beispiel Teeanbau in Kenia

Die kenianische Wirtschaft ist stark vom Tourismus, Cash Crops und ausländischen Direktinvestitionen abhängig. Eines der wichtigsten Exportgüter ist Tee, der Kenia zum weltweit drittgrößten Produzenten und, noch vor China, zum größten Exporteur macht. 

Der Teeanbau schafft 650.000 ­direkte Arbeitsplätze und stellt über ein Viertel der Exporteinnahmen bzw. erwirtschaftet 4 % des nationalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Indirekt sind vier Millionen Kenianer, also 10 % der Bevölkerung, wirtschaftlich vom Tee abhängig.

Kann der Teeanbau zu Kenias Entwicklung beitragen?

Transnationale Großkonzerne sind ein wichtiger Akteur der kenianischen Teewirtschaft, jedoch ist eine stärker werdende Diversifizierung des Sektors durch genossenschaftlich organisierte Kleinbauern, Kooperativen und Konzerne zu beobachten.

Doch der Wirtschaftszweig wird durch diverse Konfliktfelder beeinflusst: Die Abhängigkeit von volatilen Weltmarktpreisen und das Risiko von Dürren sind hoch. Außerdem bedrohen Landnutzungskonflikte, steigende Produktionskosten und internationale Konkurrenz die nachhaltige Steigerung des Entwicklungsstandes. Insgesamt verweist die Frage, inwieweit der Teeanbau zur Entwicklung Kenias beiträgt, also auf einen typischen und mehrschichtigen Raumkonflikt, der für Schülerinnen und Schüler einen lohnenswerten Lerngegenstand darstellt.

Zeitschrift
geographie heute Nr. 347/2020 Räumliche Konflikte

Räumliche Konflikte bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Geographieunterricht. Das Themenfeld kann das Schülerinteresse fördern und einen Beitrag für die Entwicklung raumverantwortlichen Handelns leisten.

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Raumkonflikt: Teeanbau in Kenia 

Anhand des Teeanbaus als ein Beispiel für Cash Crops  in Afrikakönnen Schülerinnen und Schüler Raumkonflikte untersuchen, die im Zuge der Entwicklung durch Agrarexporte entstehen: Die unterschiedlichen Bewertungen des Teeanbaus als wirtschaftlicher Entwicklungsmotor für Westkenia durch Bauern, Plantagenbesitzer und Umweltexperten zeichnen einen Raumnutzungskonflikt nach, der in vielen Staaten des globalen Südens auftritt. Dessen Durchdringung kann ein Schlüssel für Schülerinnen und Schüler sein, Entwicklungsstrategien kritisch zu bewerten, die auf dem Anbau von Cash Crops basieren.

Methodische Umsetzung

Um den Raumkonflikt des Teeanbaus in Kenia in der Region Kericho zu durchdringen, sollen die Schülerinnen und Schüler mithilfe eines Wertequadrats die widerstreitenden Raumbewertungen lokaler Akteure darstellen und diskutieren. Das Wertequadrat ist in besonderem Maße dazu geeignet, mit Schülerinnen und Schülern einzuüben, (ihre) Meinungen und Wertmaßstäbe reflexiv und mit sorgfältiger Argumentation darzustellen.

Im Vordergrund steht dabei die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Bewertungen des Wirtschaftszweigs. Von Bedeutung ist zudem die Frage, inwieweit der Anbau von Cash Crops, in diesem Fall von Tee, zur Verbesserung des Entwicklungsstandes Kenias beitragen kann. Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Argumentationskompetenz schärfen, konträre Positionen nachvollziehen und ein abwägendes Urteil fällen. Dafür sollten sie mit typischen, jedoch nicht klischeehaften Aussagen der oben genannten lokalen Akteure konfrontiert werden. Diese repräsentativen, jedoch nicht einseitigen Positionen verorten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen in einem Wertequadrat. Die Ergebnisse der Kleingruppen werden anschließend in einem Wertequadrat an der Tafel eingetragen und kurz präsentiert.

Fakten zum Artikel
Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 9-10