Gabriele Diersen

Bioökonomie – die Zukunft?

Trecker auf einem Acker
Nachwachsende Rohstoffe industriell zu nutzen, ist ein Handlungsfeld der Bioökonomie., © Floortje/iStock.com

Gabriele Diersen

Produkte in einem Unternehmen vor Ort erkunden

Mit der Bioökonomie verfolgen Regierungen, Wissenschaftler und Unternehmen weltweit das Ziel der nachhaltigen Transformation unseres Wirtschaftens. Biomasse soll eine wachsende Weltbevölkerung in Zeiten des Klimawandels mit Nahrung, Energie und Konsumprodukten versorgen. Doch die Wirtschaftsform ist bisher nur wenigen bekannt. Bei einer Erkundung in einem Unternehmen lernen die Schülerinnen und Schüler biobasierte Produkte kennen.

Sachanalyse
Bioökonomie, auch bio-basiertes Wirtschaften, bezeichnet eine Wirtschaftsweise, die sich an natürlichen Stoffkreisläufen orientiert. Sie nutzt biologische Ressourcen wie Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen sowie biologische Vorgänge und schlägt eine Brücke zwischen Technologie, Ökologie und effizienter Wirtschaft.
Ziel der Bioökonomie ist es, einen Beitrag zu leisten, um Herausforderungen wie Klimaschutz, Erhalt der Biodiversität, Ernährungssicherung und die schrittweise Substitution knapper werdender fossiler Rohstoffe durch nachwachsende Ressourcen zu bewältigen (s. Abb. 1 ).
Es gibt Unternehmen, die durch spezielle Verfahren entsprechende umweltverträgliche Alternativen zu Produkten aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas oder Kohle anbieten. Gleichzeitig wird aber auch Kritik an diesem Ansatz geübt, zum Beispiel weil eine zunehmende Flächenkonkurrenz für den Lebensmittelanbau entsteht.
Leitbild Bioökonomie
In dem Leitbild Bioökonomie spiegeln sich die gesellschaftliche Diskussion und die hervorgebrachten Instrumente zur Lösung der weltweiten Herausforderungen wider. Sie umfasst Grundprinzipien wie die Orientierung am natürlichen Stoffkreislauf, umwelttechnische Verfahren, Ressourceneffizienz und nachhaltige Entwicklung (vgl. BMBF 2014a, 2010; s. Abb. 2 ).
Von der Bundesrepublik wurden umfassende Programme zur Förderung der Bioökonomie in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft aufgelegt. Unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurde die Bioökonomie-Strategie gemeinsam mit sechs weiteren Ministerien erarbeitet. Bis 2016 wurden insgesamt 2,4 Milliarden Euro an Mitteln für Forschung und Entwicklung zur Verfügung gestellt. Die Strategie weist fünf zentrale Handlungsfelder aus:
  • weltweite Ernährung sichern,
  • Agrarproduktion nachhaltig gestalten,
  • gesunde und sichere Lebensmittel produzieren,
  • nachwachsende Rohstoffe industriell nutzen und
  • Energieträger auf Basis von Biomasse ausbauen.
Zugleich werden wichtige Leitprinzipien verfolgt. So genießt die Ernährungssicherung Vorrang vor anderen Nutzungen von Biomasse. Durch eine intelligente Verknüpfung von Wertschöpfungsketten sollen Konkurrenzen der verschiedenen Biomasse-Nutzungswege entschärft werden. Eine ressourcen-, natur- und klimaschonende, tiergerechte sowie ethisch akzeptable Produktion wird als Bewertungsmaßstab für die Bioökonomie herangezogen (vgl. BMBF 2014b, S. 8).
Cradle-to-cradle
Beispiele für Produkte der Bioökonomie sind Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (Biopolymere) und Biogas. Aber auch viele Produkte, die auf der Basis des „Cradle to Cradle-Ansatzes (von der Wiege bis zur Wiege) designed wurden.
Der US-amerikanische Architekt William McDonough und der deutsche Chemiker Michael Baumgart haben den „Cradle to Cradle-Ansatz zur Produktentwicklung in den 1990er-Jahren vorgestellt. Sie verbinden technische und natürliche Kreisläufe.
Kernidee des Cradle to Cradle-Prinzips ist es, von Anfang an in kompletten Produktkreisläufen zu denken und auf diese Art erst gar keine Emissionen im herkömmlichen Sinn entstehen zu lassen. Produkte werden so hergestellt, dass das Ende der Nutzungszeit bereits mitgedacht wird. Alle verwendeten Materialien können nach Gebrauch weiterverwendet oder ohne schädliche Rückstände kompostiert werden. Darüber hinaus sollen die Produkte nicht nur unschädlich, sondern nützlich für den Naturkreislauf werden (vgl. RESET o.J.). Anstelle einer hohen...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 333 / 2017

Regionales Lernen

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