Wolfgang Fraedrich

Tsunamigefahr – auch in Europa?

Santorin
Blick aus der Stadt Fira (Santorin, Griechenland) in die rund 1600 v. Chr. bei der Thera-Eruption entstandenen Caldera (Blick in Richtung Westen; in der Mitte die Insel Nea Kameni, halbrechts im Hintergrund die Insel Thirasia), © Aetherial Images/Shutterstock.com

Wolfgang Fraedrich

Die potenzielle Tsunamigefahr im Mittelmeerraum bewerten

Die altgriechische Insel Thera ist bei einem der gewaltigsten Vulkanausbrüche in historischer Zeit zerstört worden. Damit einhergehend gab es einen Tsunami, der in vielen Regionen des Mittelmeeres Zerstörungen nach sich gezogen hat. War dies ein einmaliges Ereignis oder ist der Mittelmeerraum der latenten Gefahr von Tsunamis in der (nahen) Zukunft ausgesetzt? Die Schülerinnen und Schüler bewerten die Gefahr für diese Region.

Sachanalyse
Die Insel Santorin fasziniert die Besucher mit der typischen griechischen Architektur in den kleinen Ortschaften mit ihren schmalen, verwinkelten Gassen. Sie bietet aber auch einen fantastischen Blick über das Meer der Ägäis, das hier im Norden, Osten und Süden halbkreisförmig von der Insel Thira und im Nordwesten von der Insel Thirasia umgeben ist (s. Abb. 1 ). Eine Idylle in jeder Hinsicht. Und doch ist diese Insellandschaft der klägliche Rest der altgriechischen Insel Thera, die bei einer der gewaltigsten Vulkanausbrüche in historischer Zeit 1613 v. Chr. ± 13 Jahren zerstört worden ist. Einhergehend damit gab es einen gewaltigen Tsunami, der in vielen Regionen des Mittelmeers Zerstörungen nach sich gezogen hat, vor allem an der Nordküste der südgriechischen Insel Kreta.
Ursachen von Tsunamis
Tsunamis gehören zu den Naturrisiken, die besonders verheerende Konsequenzen haben können. Die Katastrophe, die das Sumatra-Erdbeben am 26. Dezember 2004 mit sich gebracht hat, ist noch in sehr guter Erinnerung. Etwa 230000 Menschen starben entlang der Küsten des Indischen Ozeans, rund 110000 wurden verletzt. Schätzungen zufolge wurden etwa 1,7 Millionen Menschen obdachlos.
Doch es sind nicht nur Erdbeben, die Tsunamis auslösen können. Am 22. Dezember 2018 rutschte ein Teil der Bergflanke des Vulkans Anak Krakatau auf Indonesien ab. Nach Angaben der Nationalen Agentur für Katastrophenschutz in Indonesien gab es in den angrenzenden Regionen 437 Tote, 14059 Verletzte, 33719 Obdachlose sowie 2752 zerstörte Häuser und 510 beschädigte Schiffe.
Tsunamis lösen nicht zwangsläufig Katastrophen aus. Nur 15,2% aller 902 im 20. Jahrhundert registrierten Tsunamis haben Schäden mit sich gebracht (s. Abb. 3 ) – dennoch, die Gefahr darf nicht unterschätzt werden!
Löst der Ätna einen Tsunami aus?
Tsunamis können in allen großen Ozeanen auftreten. Dabei fällt auf, dass das oben beschriebene Ereignis des Jahres 2004 zu den eher seltenen Ereignissen im Indischen Ozean gehört. Abbildung 2 macht zugleich deutlich, dass auch im Atlantik mit seinen Rand-, Neben- und Mittelmeeren Tsunamis möglich sind.
So wird auch die Situation im Mittelmeerraum als „bedrohlich eingestuft: „Mount Etna may trigger a Tsunami as the iconic volcano is slowly sliding into the Mediterranean and collapsing under its own weight, hieß es am 10. Oktober 2018 in der Online-Ausgabe der Dailymail. Es gibt inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Publikationen, die die geologischen Zusammenhänge im Bereich des Ätna dokumentieren, sodass eine Einschätzung der Problematik möglich wird. Aber auch der östliche Mittelmeerraum ist nach wie vor ein Risikogebiet.
Besonders beobachtet werden die tektonischen Aktivitäten im Bereich der südlichen Ägäis, denn südlich von Kreta verläuft der Hellenische Bogen, die letzte noch wirklich aktive Subduktionszone im Mittelmeerraum. Nördlich von Kreta verläuft nahezu parallel dazu der Vulkanbogen der Kykladen, auf dem das heutige Santorin liegt.
Didaktische Analyse
Der Mittelmeerraum ist nach wie vor ein beliebtes Reiseziel, das unsere Schülerinnen und Schüler immer wieder durch eigene Anschauung erleben. Während für die einen nur das zumindest im Sommer sehr stabile Wetter mit Sonnengarantie am besten in Verbindung mit Pool, sauberem Strand und All-inclusive-Angeboten – im Vordergrund steht, erleben andere ihre Urlaubsregion egal ob Spanien, Kroatien, Italien oder...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 351 / 2020

Naturrisiken

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-11