Vulkane in Europa

Die Phlegräischen Felder

Geht von den Phlegräischen Feldern eine wachsende Gefahr aus? Eine Zunahme der seismischen Tätigkeit, ein Heben der Erdkruste und zunehmend höhere Temperaturen der austretenden Gase lassen dies vermuten. Ein Ausbruch hätte verheerende Folgen für weite Teile Europas. Im Geographieunterricht können die geographische und geotektonische Lage der Phlegräischen Felder sowie die von ihnen ausgehende Gefahr thematisiert werden.

Der Solfatara-Krater
Der Solfatara-Krater ist ein relativ küstennah liegender Krater innerhalb der Phlegräischen Felder. Foto: © Julius Fraedrich

Wo liegen die Phlegräischen Felder?

Die Phlegräischen Felder (im Italienischen Campi Flegrei) umfassen eine im Durchmesser ca. 13 km breite Caldera (eine kesselförmige Reliefstruktur, die auf vulkanische Tätigkeit zurückzuführen ist) unmittelbar westlich von Neapel. Die Ränder der Caldera zeichnen sich allerdings nicht überall klar ab. Ihr südlicher Rand verläuft vermutlich auf dem Meeresgrund südlich der Stadt Pozzuoli. 

Insgesamt umfasst das Caldera-Gebiet eine Fläche von rund 150 km2. Ihre Entstehung geht auf zwei explosive Eruptionen vor etwa 36 000 Jahren und 15 000 Jahren zurück. Weitere Eruptionen folgten bis in die historische Zeit hinein. Dabei entstanden zahlreiche Kraterstrukturen und Schlackenkegel in und am Rande der Caldera, beispielsweise der Krater Solfatara im Jahr 1138 und zuletzt im Jahr 1538 der Vulkankegel Monte Nuovo.

Phlegräische Felder = Supervulkan?

Das Vulkangebiet der Phlegräischen Felder wird in den Medien oft mit dem von Wissenschaftlern weniger akzeptierten Begriff „Supervulkan“ bezeichnet. Letztlich verbirgt sich hinter der Bezeichnung, dass von einem aktiven Vulkan ausgegangen wird, dessen hoch explosives Potenzial bekannt ist. Würde es zu einem erneuten heftigen Ausbruch kommen, würde dies weitreichende Zerstörungen nach sich ziehen. Bei mehr als drei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern in einem Umkreis von nur 30 km wäre das eine gewaltige Katastrophe. Ein Ausbruch hätte auch verheerende Konsequenzen für weite Teile Europas.

Zeitschrift
geographie heute Nr. 338/2018 Mittelmeerraum

Der Mittelmeerraum ist ein Hauptzielgebiet des europäischen Tourismus. Aber der Tourismus ist nur ein Thema von vielen, die am Beispiel des Mittelmeerraums im Geographieunterricht behandelt werden können.

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Überwachung der Aktivitäten

Neben den unter anderem Schwefelwasserstoff (H2S), Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasserdampf (H2O(g)) emittierenden Solfataren im Krater und am Außenrand des Kraters Solfatara macht sich die Aktivität des Vulkangebiets auch durch Hebungen und Senkungen der Erdkruste bemerkbar. Sie sind die oberflächennahe Projektion von Bewegungen in der Magmakammer in der Tiefe.

Überwacht werden das Vulkansystem und seine Aktivitäten von den Vulkanologen des Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) – Sezione di Napoli, das in Neapel liegt. Im Mittelpunkt der Überwachung stehen eine permanente Messung der Gasemissionen (Temperatur, Zusammensetzung), satellitengestützte Messungen der Erdkrustenbewegungen und eine Analyse und Bewertung der Erdbebentätigkeit. Daten zur Erdbebentätigkeit in der Region bietet das INGV an.

Die Phlegräischen Felder – ein Thema für den Geographieunterricht?

Die Campi Flegrei stehen nicht zwangsläufig im Mittelpunkt des Geographieunterrichts. Sie fristen eher ein Schattendasein in der Liste der allein in Europa aktiven Vulkane. Vielen sind sie nicht einmal bekannt, schon gar nicht als Vulkan. Durch die Medienberichterstattung in jüngster Zeit rücken die Phlegräischen Felder jedoch zunehmend in den Fokus. Da dieser Vulkan – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Vesuv – in einer extrem dicht besiedelten Region mit insgesamt etwa drei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern liegt und er nachweislich Aktivitäten im Untergrund zeigt, bietet er sich für eine Behandlung im Unterricht an. Dabei sollte es im Geographieunterricht grundsätzlich um folgende Punkte gehen:

  • den Vulkan bzw. das Vulkangebiet von seiner geographischen und auch geotektonischen Lage her einzuordnen,
  • das Aktivitätsmuster der Vergangenheit zu entschlüsseln,
  • die aktuelle Gefahrensituation zu kennen und mögliche Gefahren benennen zu können.

Als Einstieg in die Thematik bietet sich ein Video an: Die von Vulkanologen entwickelte Simulation einer Eruption, wie sie sich vor ca. 4 100 Jahren in der Region ereignet hat, wird in die Gegenwart projiziert. Damit bekommen die Lernenden Zugriff auf die räumlichen Dimensionen des Vulkans und sein mögliches (latentes) Gefahrenpotenzial.

Anschließend erarbeiten die Schülerinnen und Schülern mit Karten die tektonische Situation im Mittelmeerraum und des Vulkangebietes. Allgemeine Informationen zu den Phlegräischen Feldern sind beispielsweise zu finden unter dem Link http://www.ov.ingv.it/ov/en/campi-flegrei/attivita-recente.html

Auch die Entwicklungsgeschichte der Campi Flegrei von den Schülerinnen und Schülern mithilfe geeigneter Karten nachvollziehen zu lassen, ist in diesem Zusammenhang sinnvoll. Das Anfertigen eines Zeitstrahls hilft, die Chronologie besser zu veranschaulichen, ihre zeitliche Einteilung ist vorher zunächst festzulegen.

Danach kann auf die aktuell von den Phlegräischen Feldern ausgehende Gefahr eingegangen werden. Hier bietet es sich an, Medienberichte der letzten Jahre einzubeziehen und auch die Folgen eines erneuten Ausbruchs zu thematisieren. 

Lesen Sie hier mehr zu den phlegräischen Feldern

Fakten zum Artikel
Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 10-11