Wolfgang Fraedrich

Ein Leben mit der Plattentektonik

Vulkan in Chile
Der Vulkan Osorno liegt im Süden Chiles und hat eine Höhe von rund 2650 Metern. , © imago images/imagebroker

Wolfgang Fraedrich

Endogene Kräfte und Prozesse prägen Chile

Kaum ein anderes Land der Erde wurde und wird so geprägt durch die endogenen Kräfte und Prozesse wie Chile. Unmittelbar vor der chilenischen Küste taucht die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte ab. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind die Folge. Die Schülerinnen und Schüler ordnen die Lage Chiles im geotektonischen System der Erde ein und erläutern den Vulkanismus und die Erdbebentätigkeit in Chile hinsichtlich ihrer Entstehung.

Sachanalyse
22. Mai 1960, 15:11 Uhr Ortszeit (19:11 UTC): In Valdivia entladen sich gewaltige, über Jahrzehnte in der Erdkruste angewachsene Spannungen mit eine Stärke von 9,5 auf der Magnitudenskala, das bisher stärkste Erdbeben der Welt. Die Folgen sind verheerend: Etwa 40 % der Gebäude der Stadt wurden zerstört. Die Stadt sank um bis zu vier Meter ab, ein Tsunami gewaltigen Ausmaßes führte im gesamten pazifischen Raum zu Zerstörungen. Ein Erdrutsch blockierte den Abfluss des Lago Riñihue, sodass mehrere Wochen nach dem Beben die Stadt Valdivia überflutet wurde. Bei dem Beben kamen nach Angaben des United States Geological Survey (USGS) 1655 Menschen ums Leben, etwa 3000 wurden verletzt und rund zwei Millionen Menschen wurden obdachlos.
Dieses schwere Erdbeben liegt zwar schon 60 Jahre zurück, doch es ist bei Weitem kein „Einzelfall, denn Erdbeben ereignen sich sehr häufig in Chile. Seit dem Jahr 1960 gab es bereits weitere 13 Erdbeben mit einer Stärke von größer 7,0 auf der Magnitudenskala. Darüber hinaus gibt es etwa 90 aktive Vulkane in Chile, die alle jederzeit ausbrechen können (s. Abb. 1).
Subduktionszone als Ursache
Sowohl die Erdbebenzentren als auch die Vulkane reihen sich jeweils entlang der von Nord nach Süd verlaufenden Linien durch das schmale, aber rund 4300 Kilometer lange Land an der Südwestküste Südamerikas. Diese Region ist aber nur ein kleiner Teil des den Pazifischen Ozean in Teilen umspannenden Pazifischen Feuerrings, einer „Linie, die durch Nahtstellen in der Erdkruste und dadurch besonders durch Vulkanismus und Erdbebentätigkeit geprägt ist (s. Kasten „Pazifischer Feuerring). Vor der Küste Mittel- und Nordchiles taucht die vergleichsweise kleine Nazca-Platte ab, eine Lithosphärenplatte, die sich aus spezifisch schwererer ozeanischer Kruste aufbaut und die daher durch die Bewegung gegen die spezifisch leichtere kontinentale Erdkruste der Südamerikanischen Lithosphärenplatte abtaucht. Dieser Vorgang wird als Subduktion entlang einer konvergenten Plattengrenze bezeichnet.
Solche plattentektonischen Prozesse laufen nahezu unaufhörlich ab. Die Nazca-Platte bewegt sich mit einer mittleren Geschwindigkeit von etwa sieben Zentimetern pro Jahr in Richtung Südamerika – und dies seit etwa 150 Millionen Jahren. Doch auch davor verlief vor der damaligen Westküste des südlichen Urkontinents Pangaea eine Subduktionszone, entlang derer sich bereits die „Ur-Anden zu entwickeln begonnen hatten (s. Abb. 2). Dieser Prozess hält auch in der erdgeschichtlichen Gegenwart noch an und ist längst nicht abgeschlossen, denn die Anden sind Teil eines die gesamte Erde prägenden geologisch jungen Gebirgsgürtels, der der alpidischen Gebirgsbildungsphase zugeordnet wird, aber ein Faltengebirge des andinen Typs ist (s. Kasten „Faltengebirgstypen).
Faltengebirgstypen
Faltengebirgstypen
Alle Faltengebirge entstehen entlang von konvergenten Plattengrenzen. Es werden dennoch drei verschiedene Faltengebirgstypen unterschieden:
  • Inselbogentyp: Diese Gebirge entstehen an Kontinentalrändern durch Aufsteigen aus der Tiefsee. Ozeanische Lithosphäre wird unter eine andere ozeanische Lithosphäre subduziert. Ein Beispiel hierfür ist die Entstehung des Inselbogens der Philippinen.
  • Andiner Typ: Diese Gebirge entstehen, wenn ozeanische Lithosphäre unter kontinentaler Lithosphäre abtaucht, wie zum Beispiel die Nazca-Platte unter der Südamerikanischen Platte.
  • Alpiner Typ: Ist im Verlauf des Konvergierens...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 349 / 2020

Chile

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-11