Frank Morgeneyer

Was hat mein Wohngrundstück mit dem Boden zu tun?

Feld mit Dorf im Hintergrund
© Plam Petrov/Shutterstock.com

Frank Morgeneyer

Ein Gruppenpuzzle zu Flächenverbrauch und Bodenversiegelung

Die Ressource Boden ist begrenzt. Trotzdem werden in Deutschland jeden Tag Flächen verbraucht, im Jahr 2015 rund 66 ha pro Tag. Dabei spielt sich die Bodenversiegelung häufig im unmittelbaren Lebensumfeld ab. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten, ausgehend von der Planung eines eigenen Wohngebäudes in einem ausgewiesenen Neubaugebiet, das Ausmaß und die Folgen von Bodenversiegelung in Deutschland.

Sachanalyse
Der Boden ist durch den Flächenverbrauch seit Jahrzehnten vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt. Vor allem in Städten und entlang von Verkehrstrassen führt die Be- und Überbauung (s. Abb. 1 ) zu einer tiefgreifenden Bodendegradation bzw. irreversiblen Zerstörung der Böden. Die Bodenversiegelung hat aber nicht nur Einfluss auf die Pedosphäre selbst, sondern auch negative Auswirkungen auf die Geofaktoren Klima, Flora, Fauna und Wasser, zum Beispiel:
  • Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum;
  • der Gas- und Wasseraustausch zwischen Boden und Atmosphäre wird stark eingeschränkt bzw. unterbrochen;
  • Regenwasser wird weniger bzw. nicht mehr gefiltert und die Grundwasserneubildung verringert bzw. sogar verhindert;
  • über versiegelten Flächen erhöht sich die Lufttemperatur und sinkt die Verdunstung.
Auch für den Menschen resultieren aus dem steigenden Flächenverbrauch Probleme. So erhöht sich das Risiko von Überschwemmungen infolge von Starkniederschlagsereignissen. Dieses Gefährdungspotenzial ist nur mit einem hohen technischen und damit finanziellen Kompensationsaufwand zu verringern.
Bodenversiegelung bedeutet auch den Verlust von Agrarflächen. Dies ist vor dem Hintergrund des weltweit wachsenden Bedarfes an Nahrungsmitteln und des zunehmenden Bedarfes an Flächen für den Anbau nachwachsender Rohstoffe als problematisch anzusehen.
Flächenverbrauch und Bodenversiegelung in Zahlen
Ausgangspunkt für die statistische Erhebung der Bodenversiegelung in Deutschland ist der Umweltindikator Flächenverbrauch. Er wird von der Arbeitsgemeinschaft „Umweltökonomische Gesamtrechnungen der Länder (AG UGRdL) für alle Bundesländer zusammengestellt und jährlich veröffentlicht. Dabei werden fünf Nutzungsarten unterschieden:
  • Gebäude- und Freiflächen (Flächen mit Gebäuden und baulichen Anlagen sowie unbebaute Flächen [Freiflächen], die Zwecken der Gebäude untergeordnet sind);
  • Betriebsflächen (Flächen, die vorherrschend gewerblich, industriell oder für Zwecke der Ver- und Entsorgung genutzt werden);
  • Erholungsflächen (Flächen, die vorherrschend dem Sport oder der Erholung dienen, oder dazu Tiere/Pflanzen zu zeigen);
  • Verkehrsflächen (Flächen, die dem Straßen-, Schienen-, Luft- oder Schiffsverkehr dienen);
  • Friedhofsflächen.
Allerdings sind diese Flächen nicht immer vollständig versiegelt. Es gibt jedoch ein Schätzverfahren, mit dem der bundesweite Indikator „Versiegelung innerhalb der Siedlungs- und Verkehrsfläche einheitlich ermittelt wird. Dabei ist der Versiegelungsanteil bei den Verkehrsflächen mit 50 – 70% am höchsten, gefolgt von den Gebäude- und Freiflächen mit rund 50%.
Weitere Kennzahlen für den Flächenverbrauch bzw. die Bodenversiegelung sind der Flächenverbrauch pro Einwohner oder die Flächenproduktivität. Die Flächenproduktivität wird bestimmt durch das erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt einer Region in Bezug auf die verbrauchte Siedlungs- und Verkehrsfläche.
Im Zeitraum von 1992 – 2015 wurden in Deutschland jährlich durchschnittlich 104  ha pro Tag neu bebaut. In diesen zwei Dekaden wuchs die Siedlungs- und Verkehrsfläche um 8761  km2 an (zum Vergleich die Flächengröße von Berlin: 892  km2). Dabei hat sich die Siedlungsfläche um fast 30% und die Verkehrsfläche um etwa 10% vergrößert.
In den letzten Jahren sank der Flächenverbrauch jedoch deutlich (s. Abb. 2 ). Er betrug im Jahr 2015 nur noch rund 66  ha pro Tag. Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes aus dem Jahr 2002 ist es,...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 337 / 2018

Boden in Gefahr

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10