Werner Klohn

Drubbel und Esch

Acker
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Werner Klohn

Siedlungsform und Bodentyp in Nordwestdeutschland

Auf der nordwestdeutschen Geest liegt mit dem anthropogen entstandenen Eschboden und dem zugehörigen Haufendorf eine markante Kombination von Bodentyp und Siedlungsform vor. Die Schülerinnen und Schüler beschreiben die Entstehung von Eschböden und erfahren, dass die über viele Jahrhunderte aufgebauten Eschböden eine Maßnahme der Bewohner waren, um die naturbedingt wenig fruchtbaren Böden des Raumes aufzuwerten.

Sachanalyse
Die sandigen Ablagerungen der Altmoränengebiete (Geest) der Saale-Kaltzeit in Nordwestdeutschland sind von Natur aus nährstoffarm. Im Verlauf der Zeit wurden sie zudem durch Auswaschung entkalkt und der Nährstoffgehalt weiter verringert. Dies erforderte für die Landwirtschaft früherer Zeit entweder das Einschalten von längeren Brachezeiten oder sogar eine komplette Verlegung der Nutzflächen. Ab etwa 1000 n. Chr. wurde jedoch eine Methode entwickelt, um die Fruchtbarkeit der Böden zu erhöhen und ihre dauerhafte Nutzbarkeit als Getreideland zu gewährleisten.
Plaggendüngung und Eschentstehung
Der weitaus größte Teil der zu einer Geestsiedlung gehörenden Flächen bestand noch bis ins 18. und 19. Jahrhundert aus dem nicht parzellierten, gemeinschaftlich genutzten Land, der Allmende oder gemeinen Mark (s. Tab. 1 ). Diese diente den nutzungsberechtigten alteingesessenen Höfen vor allem zum Vieheintrieb (Hude) im Sommer, aber auch zur Gewinnung von Holz, Torf oder Blattstreu (aus dem Wald).
Aus den Allmendflächen wurden Stücke des stark durchwurzelten Oberbodens mit Spaten oder Hacke abgetragen und über den Winter in den Stall eingebracht. Das Material dieser Plaggen oder Soden vermengte sich mit den Ausscheidungen der Tiere und wurde im Frühjahr als Dünger auf die relativ trockenen und leicht zu bearbeitenden Bodenwellen (Ackerflächen) aufgebracht und untergepflügt.
Durch diesen Auftrag von Biomasse und anhaftendem Mineralboden (Sand) wurden im Verlauf der Jahrhunderte die flachen Bodenwellen aufgehöht und es entstanden mächtige humose Horizonte (z.T. bis zu 1,5 m hoch), die direkt dem Ausgangsmaterial (z.B. podsolierte Sande) aufliegen (s. Abb. 1 ).
Diese anthropogen entstandenen Plaggeneschböden (Esch von gotisch „atisk, bedeutet Saatfeld, Ackerland) konnten ohne Einschaltung einer Brache als Dauerackerland genutzt werden. Sie dienten vor allem dem Anbau von Roggen als wertvollem Brotgetreide (sog. „ewiger Roggenbau). In Niedersachsen gibt es auf einer Fläche von rund 183000  ha Plaggenesche (vgl. LBEG 2012). Sie sind damit ein weit verbreitetes Landschaftselement.
Siedlung und Flur
Die zugehörigen, am Rande des Esches gelegenen, Siedlungen, Drubbel genannt, waren zunächst sehr klein und bestanden nur aus etwa 3 – 15 Höfen. Etliche von ihnen wuchsen später zu Haufendörfern heran. Die Parzellen auf dem Eschland gehörten den Altbauern, sie lagen in Gemengelage, d.h. die zu einem Hof gehörenden Flurstücke waren auf mehrere Stellen des Esches verteilt, damit alle Nutzungsberechtigten in gleichem Ausmaß Anteil an den einzelnen Bereichen des Esches hatten.
Charakteristisch für Eschfluren sind Langstreifen. Die einzelnen Parzellen waren häufig nur 4 – 15 m breit aber 300 – 700 m lang. Dieser Zuschnitt war dem Pflügen mit Ochsengespannen geschuldet, die nur schlecht wenden konnten. Deshalb wollte man möglichst lange Strecken geradeaus pflügen.
Negative Auswirkungen
So positiv die Aufwertung der Ackerflächen durch die Plaggendüngung war, so negativ waren die Auswirkungen auf die betroffenen Allmendflächen. Der regelmäßige Entzug von Biomasse ließ die Flächen an Nährstoffen weiter verarmen, zudem benötigten sie mehrere Jahre Regenerationszeit bis zum nächsten Eingriff. Auch die Menge an zu gewinnender Biomasse nahm im Laufe der Zeit ab. So wurde zur Aufrechterhaltung der Plaggendüngung von einem Hektar Eschboden ein Vielfaches an Fläche zum Abplaggen benötigt, im Extremfall für ein Hektar Ackerland bis zu...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 337 / 2018

Boden in Gefahr

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10