Annett Krüger

Böden in Flussauen

Fluss
© VarnaK/shuttertock.com

Annett Krüger

Wichtig für den ökologischen Hochwasserschutz

Flussauen bieten bei Hochwasserereignissen einen Raum für die Überflutungswässer. Aufgrund dieser Retentionsfunktion sind intakte Flussauen für den Menschen sehr bedeutend. Aber durch anthropogene Einflüsse erfahren die Auenböden zunehmend Austrocknung, verminderte Nährstoffgehalte und Verdichtung. Viele Flussauen sind nur noch eingeschränkt in der Lage, ihre natürliche Hochwasserschutzfunktion zu erfüllen. Die Schülerinnen und Schüler erklären die typischen Funktionen von Auen und erfahren, warum diese für den natürlichen Hochwasserschutz von Bedeutung sind.

Sachanalyse
Auen als Lebensraum entlang von Bächen und Flüssen sind von Natur aus sehr vielgestaltig und von unterschiedlicher räumlicher Ausdehnung. Im Allgemeinen ist eine Aue der flussbegleitende Bereich, der natürlicherweise von mehr oder weniger regelmäßig wiederkehrenden Überflutungen geprägt wurde. Die Auenbereiche, die heute von einem Hochwasser theoretisch erreichbar wären, wenn keine Maßnahmen zum Hochwasserschutz existieren würden, werden als morphologische Aue bezeichnet.
Der gesteinsbildende Untergrund der Flussauen ist durch aufgeschotterte Terrassen (Fluss-Kiese) mit darauf abgelagerten Auensedimenten gekennzeichnet, auf denen sich im unbeeinflussten Zustand Auenwälder und Auenwiesen entwickelt haben.
Die Auensedimente stammen aus Erosionsprozessen von Boden im Flusseinzugsgebiet. Die Erosion von Boden war erstmals im Neolithikum (vor etwa 6000 – 5000 Jahren v.h.) möglich. Zu damaliger Zeit wurden durch die menschliche Besiedelung große Flächen gerodet, um Acker- und Weideflächen zu schaffen. Nach Starkregenereignissen konnte aufgrund der fehlenden, schützenden Vegetationsdecke das Oberbodenmaterial von den Hängen abgespült und anschließend als Suspensionsfracht in den Flüssen transportiert werden.
Bei Hochwasserführung erfolgte die Ablagerung des transportierten partikulären Materials in den Auenniederungen als sogenanntes fluviales Sediment (Auenlehm, -schluff, -sand und -ton). Weitere Phasen der fluvialen Sedimentation fanden insbesondere während der Bronzezeit und im Hochmittelalter statt, als verstärkt Flächen gerodet wurden.
Die Flusstäler und Flussterrassen bieten eine natürliche Möglichkeit zur Ausbreitung der Wassermengen auf der Fläche (s. Abb. 1 ), wenn diese bei Hochwasserereignissen über die Ufer treten (Retentionsfunktion).
Differenzierung auentypischer Böden
In den fluvialen Auensedimenten der Flussniederungen fand im weiteren zeitlichen Verlauf eine Bodenentwicklung statt. Die abgelagerten Auensedimente sind entsprechend ihrer Herkunft primär humos und oft durch hohe Anteile an Schluffen und Tonen gekennzeichnet. An die Tonminerale und Humusbestandteile der Auensedimente werden in den Böden viele Nährstoffe gebunden. Eine hohe Biodiversität und das Auftreten vieler geschützter Arten (auch Rote Liste gefährdeter Arten) sind kennzeichnend für die Flussauen.
Typische Böden in Flussauen sind die Braune Vega und der Auen-Gley, inklusive deren Übergangsformen, zum Beispiel Vega-Gley. Die Braune Vega findet sich eher in trockeneren Bereichen des weniger überflutungsbeeinflussten Hartholzauenwaldes, in Bereichen mit höherem Grundwasserstand treten grundwasserbeeinflusste Auen-Gleye auf.
Funktionen von Flussauen
Naturnahe Auen sind in Deutschland selten geworden (s. Abb. 1). Fast überall wurden die Flüsse begradigt, kanalisiert und eingedeicht; die Flussläufe wurden verlegt und somit die Funktionen der Auen erheblich eingeschränkt, zum Beispiel in ihrer Funktion als Retentionsraum.
Auen sind als natürliche Retentionsräume nicht nur für den Hochwasserschutz unverzichtbar. Wie bereits dargestellt, sind die fluvialen Auensedimente entsprechend ihrer Herkunft primär humos und durch hohe Anteile an Schluff und Ton gekennzeichnet. Deshalb filtern sie das Wasser, indem Schadstoffe an Humus und Tonminerale adsorbiert werden, tragen zur...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 337 / 2018

Boden in Gefahr

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-11