Corinna Specht

Boden – ein Schatz der unsere Zukunft bestimmt?

Schaufel steckt in der Erde
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Corinna Specht

Eine Radtour in den nördlichen Saalkreis, durch das untere Saaletal und das Hallesche Ackerland, wurde durch ein Unwetter unterbrochen. Sturzflutartige Regenfälle prasselten auf den Ackerboden. Am Hang bildete sich ein Rinnsal und unser Radweg wurde binnen Minuten zum Bach. Auf dem Feld wurden Pflanzen herausgerissen und durch das Wasser weggespült. Der kurze, aber sehr heftige Niederschlag mit dem aufkommenden Sturm hatte an dem Spätsommertag schwere Schäden mit wahrscheinlich erheblichen Ernteeinbußen auf dem Acker hinterlassen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir nur wenig Gedanken über solche Extremwetterlagen und die damit verbundenen Herausforderungen für die Agrarwirtschaft gemacht. Das Ereignis hatte allerdings viele Fragen aufgeworfen: Ist die Bodenerosion in Hanglagen eine unterschätzte Gefahr? Können größere Schäden durch geeignete Maßnahmen vermieden bzw. verringert werden? Welche Rolle spielt die Bewirtschaftungspraxis auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen?
Untersuchungsgebiet Hallesches Ackerland
Das Feld im Halleschen Ackerland, welches sich im Mitteldeutschen Landschaftsraum im zentralen Teil des Landes Sachsen-Anhalt befindet, wollte ich näher untersuchen. Das Gebiet gehört zu den niederschlagsärmsten Regionen in Deutschland. Durch die Lage im Regenschatten des Harzes sind die jährlichen Niederschlagsmengen nicht höher als 450  mm bis 500  mm. Ein kontinentaler Einfluss ist hinsichtlich der jahreszeitlichen Niederschlagsverteilung prägend. Das Niederschlagsmaximum liegt in den Sommermonaten, ein Minimum in den Monaten Februar und März. Konvektive Ereignisse und ein damit verbundener hoher Anteil erosionsgefährdender Niederschläge sind für die Sommermonate charakteristisch. Der untersuchte Acker hat eine Fläche von ca. 30  ha mit unterschiedlichem Gefälle . Im oberen Bereich beträgt die Hangneigung 7% und im unteren Teil 1,5% .
Zu Beginn der Untersuchung wurden einige Bodenproben entnommen und verschiedene Versuche mit dem Ackerboden durchgeführt. Es wurden bodenphysikalische und bodenchemische Parameter von mir untersucht. So konnte ich durch Siebanalyse bzw. Schlämmprobe Aussagen zu den Korngrößenanteilen in den Bodenproben treffen. Mithilfe des Korngrößendreieckes bestimmte ich die Bodenart und ordnete die Proben einem Bodentyp zu. Unter anderem untersuchte ich die Proben auf den ph-Wert, Phosphat-, Nitrat- und Humusgehalt. Beim Erosionsversuch wurde ein Starkregenereignis auf verschiedenen Bodensituationen simuliert. Außerdem legte ich Pflanzkästen in Hanglage an und führte Experimente mit verschiedenen Fruchtfolgen und Zusätzen zur Bodenverbesserung durch.
Die Zusammensetzung der Mineralstoffe und Spurenelemente des Bodens ist überall verschieden. Sie ist abhängig vom Gestein, aus dem der Boden entstand. Auf dem feinen Gesteinsstaub des Lösses entwickelten sich besonders fruchtbare, lehmige Ackerböden. Ein Beispiel dafür ist das untersuchte Feld, das im Mitteldeutschen Schwarzerdegebiet liegt.
Erosionsgefährdung landwirtschaftlicher Flächen
Auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen kann bei sturzflutartigen Regenfällen der ungeschützte Ackerboden in Bewegung geraten. Auf Ackerflächen in Hanglagen werden Bodenpartikel abgetragen und, je nach Intensität, über kurze oder lange Distanzen transportiert. Durch diesen Vorgang, der Erosion, geht fruchtbarer und humoser Boden verloren. Mit Einbußen bei den landwirtschaftlichen Erträgen ist durch Wind- und Wassererosion zu rechnen. Außerdem können an die Bodenpartikel gebundene Nähr- und Schadstoffe gleichzeitig in angrenzende Gewässer und Ökosysteme gelangen.
Werden die Böden durch Erosion fortgetragen, ist die Landwirtschaft in Gefahr und damit auch die Nahrungsmittelproduktion für die stetig wachsende Weltbevölkerung. Da kaum Bodenneubildung stattfindet, ist Boden eine nicht erneuerbare Ressource, deren Verlust dauerhaft ist. In Deutschland haben die Bodenverluste noch nicht solche Ausmaße...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 337 / 2018

Boden in Gefahr

geographie heute Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13