Dorothee Belling

Von der Pyramide zum Pilz

Menschen bilden Erdkugel 
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Dorothee Belling

Chancen und Herausforderungen des demographischen Wandels in Südostasien

Wenn die Welt ein Dorf mit nur 100 Einwohnern wäre, dann wären im Jahr 2017 60 davon Asiaten, 2050 72 doch der Schein trügt. Obwohl Asien, insbesondere Südostasien, als demographische Boomregion bekannt ist, befindet sie sich in einer demographischen Umbruchsituation. Die Geburtenhäufigkeit ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen und die Lebenserwartung gestiegen. Daraus ergeben sich Herausforderungen und Chancen, die die Schülerinnen und Schüler arbeitsteilig bearbeiten.

Sachanalyse
Ein wesentlicher Aspekt für die Alterung von Bevölkerungen ist der Rückgang der Geburten pro Frau. Die sinkende Fertilität sorgt dafür, dass die jüngeren Altersgruppen innerhalb der Bevölkerungen kontinuierlich schrumpfen. Zudem verringert sich die Zahl der potenziellen Elterngenerationen fortwährend. Es findet eine „Alterung von der Basis her statt (vgl. Husa/Wohlschlägl 2009, S. 4). Dies ist auch in Südostasien zu beobachten.
Lag die Gesamtfertilitätsrate in den 1960er-Jahren in Südostasien noch bei etwa sechs Kindern pro Frau, hat sie sich bis 2015 auf etwa 2,5 Kinder pro Frau reduziert. Es wird somit deutlich, dass sich in den vergangenen Dekaden ein massiver Geburtenrückgang vollzogen hat. Hierbei ist zu beachten, dass dieser Durchschnittswert nur knapp über dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern pro Frau liegt.
Regional betrachtet, ergeben sich für Südostasien aber erhebliche Unterschiede (s. Abb. 1 ). In Thailand, Singapur und Brunei liegt die Zahl an Kindern pro Frau mit 1,5, 1,2 und 1,9 deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau. Die Werte sind mit vielen Industriestaaten vergleichbar (z.B. Deutschland 1,5 Kinder pro Frau). Nur in Osttimor, Laos und Kambodscha sind mit 5,9, 3,1 und 3,0 Kindern pro Frau noch höhere Kinderzahlen vorhanden.
Auch die Prognosen der UN bis Mitte des 21. Jahrhunderts sehen düster aus und bescheinigen, dass mit einem weiteren Rückgang der Fertilität zu rechnen ist. Die Anzahl der Geburten wird in fast allen Staaten Südostasiens unter das Bestandserhaltungsniveau fallen.
Die Gründe für die rasch sinkende Zahl an Geburten in Südostasien sind mannigfaltig: höhere Bildung, längere Ausbildung, spätere Elternschaft, größere Unabhängigkeit und berufliche Selbstständigkeit der Frauen sowie der dynamische Wirtschaftsaufschwung, der zu zahlreichen Verbesserungen der sozialen Situation und des Lebensstandards geführt hat. Ein wesentlicher Faktor für das veränderte generative Verhalten ist der verbesserte Zugang zu Bildung. Dadurch haben sich neue Berufsmöglichkeiten und ein verändertes Gesundheitsbewusstsein ergeben. Dies sorgt für veränderte Mortalitätsmuster und eine höhere Akzeptanz von Familienplanungsprogrammen. Es ist somit unbestritten, dass ein Rückgang der Geburten mit dem Grad der sozioökonomischen Entwicklung parallel läuft (vgl. Flüchter 2008, S. 489).
Steigende Lebenserwartung
Ein weiterer wesentlicher Aspekt im Zuge des demographischen Wandels ist die steigende Lebenserwartung. In Südostasien stieg die Lebenserwartung in den vergangenen 50 Jahren deutlich an. Dieser Anstieg beruht in erster Linie auf der sinkenden Säuglings- und Kindersterblichkeit sowie auf umfangreichen Verbesserungen im Gesundheitswesen.
Im Zeitraum 1960/65 lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Südostasien bei 52,56 Jahren. Bis 2015/2020 ist diese um durchschnittlich 20 Jahre angestiegen und wird bis 2045/2050 aktuellen Prognosen zufolge noch um weitere sechs Jahre ansteigen.
Doch auch wenn die Entwicklung als positiv zu bezeichnen ist, sind die Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen den einzelnen Staaten groß. Während beim Spitzenreiter Singapur die Lebenserwartung heute bei 83,1 Jahren liegt (zum Vergleich Deutschland: 81,5), ist die durchschnittliche Lebenserwartung mit 65,9 Jahren in Myanmar oder mit 69,4 Jahren auf den Philippinen signifikant geringer (s. Tab. )....
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 336 / 2017

Südostasien

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10