Frauke Kraas

Migrationsprozesse in Myanmar

Menschen bilden Erdkugel 
© Arthimedes/Shutterstock.com

Frauke Kraas

Ergebnisse des Population and Housing Census 2014

Im Zuge der aktuellen Transformationsprozesse in Myanmar verändern sich die Migrationsdynamiken erheblich. Nicht nur die wirtschaftlichen Zentren Yangon und Mandalay verzeichnen einen verstärkten Zuzug, sondern zunehmend sind auch Regionalstädte Ziel von Binnenmigration. Zudem nahm die Migration ins Ausland während des letzten Jahrzehnts zu. Vor diesem Hintergrund werden im Folgenden die aktuellen Trends sowie die Dynamik der Binnen- und internationalen Migration analysiert und ihre Ursachen erläutert.

Migrationsprozesse nach der Unabhängigkeit
Im Zuge von Unruhen und Rebellenübergriffen in der Zeit nach der staatlichen Unabhängigkeit Myanmars 1948 suchten zunächst viele Menschen Zuflucht in den vergleichsweise sicheren Städten. Zwischen 1955 und 1965 waren mehr als 60% des allgemeinen Stadtwachstums zurückzuführen auf eine statistische Umklassifizierung ländlicher zu städtischen Gebieten einerseits sowie den Zuzug von ländlichen in städtische Gebiete andererseits. Mit Etablierung eines „Burmese Way to Socialism nach 1962 stabilisierte sich die Bevölkerungsdynamik, bis Migrationsprozesse ab Ende des Jahres 1988 mit der Einführung einer marktorientierten Wirtschaft zunächst leicht, dann mit Einsetzen der jüngsten politischen Transformation nach 2010 erheblich zunahmen.
Ergebnisse der Volkszählung 2014 zur Migration
Mit dem „Population and Housing Census 2014 wurden erstmals seit 1983 wieder landesweit zuverlässige statistische Daten erhoben und zum ersten Mal überhaupt Informationen zu Migration. Acht Fragen im Erhebungsbogen bezogen sich auf das Themenfeld der Migration, darunter solche nach Geburts- und normalem Wohnort sowie Wohndauer, „township (administrative Einheit) des früheren Wohnsitzes und wichtigster Umzugsursache. Der Zensus ermittelte eine Gesamtbevölkerungszahl von 51486253 Einwohnern; geschätzt sind darin etwa 2,25 Mio. Einwohner aus drei Bundesstaaten enthalten, in denen aus Sicherheitsgründen keine Haushaltszählung durchgeführt wurde. Es fehlen Migrationsdaten von etwa 2,35 Mio. in Institutionen (z.B. Klöstern, Heimen, Krankenhäusern) lebenden Personen.
19,3% der Gesamtbevölkerung sind sogenannte „lifetime migrants, d.h. Personen, die mindestens einmal in ihrem Leben zwischen „townships innerhalb Myanmars den Wohnsitz gewechselt haben (inkl. derjenigen, die nach gewisser Zeit wieder in ihr Geburts-„township zurückgekehrt sind).
Insgesamt dürften die Angaben zur Migration jedoch zu niedrig liegen, weil der Zensus undokumentierte Migration nicht erfassen konnte und vor allem informelle Migration bei den Haushaltsbefragungen nicht immer angegeben wurde (sogenanntes under-reporting).
Binnenmigration
Im Zuge der Öffnungspolitik seit 2010 stieg das Volumen der Binnenmigration erheblich an. Ayeyarwady, Bago, Chin, Magway, Mon, Rakhine und Sagaing Region/State sind die bedeutendsten Herkunftsgebiete von Binnenmigrantinnen und -migranten. Die höchsten Netto-Auswanderungsraten verzeichnet die Bergregion von Chin State (167,7 von 1000 Einwohnern). Es zeigen sich insgesamt zwei typische Migrationsmuster: Zum einen nimmt die Migration in die Städte erheblich zu, zum anderen wandert Bevölkerung in die sich jüngst entwickelnden Grenzregionen.
Ziele der Migration
Die meisten Zuzüge richten sich auf die Megastadt Yangon und die Metropole Mandalay beides die führenden Wirtschaftszentren des Landes sowie die neue Hauptstadt Nay Pyi Taw. Speziell der Norden und Osten Yangons in dem auch die meisten der 23 großen Industriegebiete Yangons entstanden sind Ziel der Migration (speziell von Frauen) aus fast allen Landesteilen, vor allem aus dem westlich angrenzenden Ayeyarwady Delta (s. Abb. 1 ).
Deutliche Migrationsgewinne erhalten ferner diejenigen Grenzgebiete, in denen sich grenzüberschreitender Handel mit den Nachbarstaaten und neue Produktionsstandorte etablierten. Hierzu zählen vor allem...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 336 / 2017

Südostasien

geographie heute Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-13