Miriam Gesthuisen

Leben in der Wüste – unendliche Weite und Freiheit?

Karawane in der Wüste
Die „unendliche Weite“ einer Wüste., © MartaKwiatkowska/Shutterstock.com

Miriam Gesthuisen

Drei Beispiele für das Leben in extremen Räumen

Die Beduinen auf der Halbinsel Sinai, die Tuareg in Nordafrika und die Nomaden in der Mongolei ziehen seit Jahrhunderten durch die Wüste, um Handel zu betreiben und Vieh zu züchten. Die ursprünglich vollnomadische Lebensweise der Völker ist heute aber selten geworden. Die Schülerinnen und Schüler vergleichen die traditionelle Lebensweise der drei Nomadenvölker und stellen den Wandel dar.

Sachanalyse
Die Tuareg, das populärste Nomadenvolk der Sahara, unterscheiden sich von den arabischen Beduinen v.a. durch ihre Abstammung (von den Berbern), aber auch äußerlich: Sie tragen indigoblaue Kleidung. Ungefähr eine Million Tuareg leben in Mali, Libyen, Algerien, Niger und Mauretanien.
Die Beduinen leben im Gebiet der Sahara, der Halbinsel Sinai und der Negev-Wüste. Allein im Sinai können ungefähr 20 Beduinenstämme unterschieden werden, die in zwei Gruppen unterteilt werden: Tiyaha und Tuwara. Die Tiyaha sind arabische, die Tuwara sind nicht-arabische Beduinen, deren Vorfahren als Sklaven aus verschiedenen Ländern stammen.
Traditionelle Lebensformen
Die ursprünglich vollnomadische Lebensweise beider Völker erscheint von außen betrachtet ähnlich: Ein Leben ohne festen Wohnsitz in mobilen, meist gut ausgestatteten Zelten, der Viehzucht und vereinzelt dem Handel gewidmet, der lebensgefährlichen Wüste trotzend. Beide Nomadenvölker haben verwurzelt in ihrer Tradition eine strenge Hierarchie als gesellschaftliche Basis, die mit alltäglichen Regeln einhergeht. Erstaunlich ist zum Beispiel, dass Nomaden tagsüber in der sengenden Hitze keinen Tropfen Wasser trinken.
Die vollnomadische Lebensweise beider Völker ist selten geworden. Die Tuareg gründeten zahlreiche heute noch existierende Oasensiedlungen, wodurch ein halbnomadisches Leben eingeführt wurde. Aber nur wenige Tuareghändler ziehen heute noch auf dem über Jahrhunderte ausgebauten Wegenetz durch die Sahara. In Ägypten lebten vor zwei Jahrzehnten 500000 Beduinen, von denen weniger als 1000 ein nomadisches Leben führten.
Zwang zur Sesshaftigkeit
Sowohl die Tuareg als auch die Beduinen wurden durch Ansiedlungsprogramme und andere Maßnahmen der Regierung (z.B. Bau von Brunnen und Wasserversorgungssystemen) dazu gezwungen, ein sesshaftes oder halbnomadisches Leben zu führen. Die Regierung hat so eine bessere Kontrolle über die Bevölkerung, kann einen besseren Zugang zu Bildungsmaßnahmen (oder Schulzwang) schaffen und will durch politische Grenzen einschränken.
Vor allem die Tuareg wehren sich heute immer noch, teilweise gewaltsam, gegen diese Zwänge, besonders gegen die Vertreibung aus einigen Gebieten. Sie verlangen von der Regierung eine Anerkennung ihrer Lebensweise sowie eine gerechte Landverteilung. Bei den im Zuge der Unabhängigkeitsbestrebungen willkürlich gezogenen Ländergrenzen sind ihre Stammesgebiete meist unberücksichtigt geblieben. So kommt es trotz zahlreicher Friedensbemühungen immer wieder zu rebellischen Konflikten, die nicht selten Entführungs- und auch Todesopfer zur Folge haben.
Wandel der Lebensweise
Der allgemein wachsende Wohlstand und das Bevölkerungswachstum führen zu einem Wandel in der traditionellen Lebensweise, die vor allem durch die Anpassung an den Naturraum und ein Leben im Einklang mit der Natur (nomadische Weidewirtschaft als nachhaltige und schonende Nutzung der Natur) gekennzeichnet war.
Tuareg und Beduinen
Früher zogen die Tuareg mit Kamelkarawanen hunderte Kilometer auf dem gut ausgebauten Wegenetz der Sahara in weit entfernte Oasenstädte oder Siedlungen. Dort betrieben sie einen regen Tauschhandel mit Salz und anderen Produkten. Aber die Tradition verliert immer mehr an Bedeutung, da die Sicherung des Überlebens auf diese Art und Weise schwieriger geworden ist.
Die Desertifikation schreitet, bedingt durch den Klimawandel, voran und auch die Überweidung bedroht oftmals die Existenz der Tuareg und der Beduinen. Große...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 332 / 2017

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