Dirk Witt

Das Leben der Yanomami-Indianer

Figuren aus Papier stehen um einen Globus
© Lion Day/Shutterstock.com

Dirk Witt

Das Gruppenpuzzle eine Möglichkeit des arbeitsteiligen Lernens

Die derzeit etwa 35000 in Brasilien und Venezuela lebenden Yanomami bilden die größte indigene Volksgruppe im Amazonasgebiet. Ihre Lebensweise ist in zahlreichen Publikationen sehr gut erforscht. In einem Gruppenpuzzle erarbeiten die Schüler diese Lebensweise und erkennen, dass das ursprüngliche Leben der Yanomami durch äußere Einflüsse gefährdet ist.

Sachanalyse
Die Yanomami leben relativ isoliert im Regenwald Nordbrasiliens sowie Südvenezuelas. Ihr Stammesgebiet umfasst ca. 17,8 Millionen Hektar und bildet den weltweit größten zusammenhängenden indigenen Lebensraum im tropischen Regenwald. Der größte Teil des Landes ist geschützt (Brasilien: Territorium der indigenen Yanomami, Venezuela: Biosphärenreservat).
Die Stämme halten sich überwiegend getrennt voneinander in Dörfern auf. Ihre Dialekte ermöglichen nicht immer eine Kommunikation untereinander.
Die Yanomami leben in großen, kreisförmigen Gemeinschaftshäusern, die Maloca. Sie bieten über 400 Menschen Platz. Jede Familie besitzt ihre eigene Feuerstelle sowie ihren Bereich für die Hängematten, in denen sie schlafen. Im zentralen Bereich der Maloca finden alle gesellschaftlichen Aktivitäten, Rituale, Feste sowie Gespräche statt. Im Sozialgefüge der Yanomami sind alle Menschen gleich. Es gibt keinen Anführer. Entscheidungen werden gemeinschaftlich durch Diskussionen getroffen, wobei jeder ein Mitspracherecht besitzt.
Brandrodung für den Anbau von Feldfrüchten
Die Nahrungsbeschaffung ist geschlechtsspezifisch aufgeteilt. Weit über 80% der Nahrung wird aus Pflanzen gewonnen. Dafür wird Brandrodungswanderfeldbau betrieben. Mehr als 60 verschiedene Getreide-, Obst- und Gemüsesorten werden durch die Frauen angebaut und geerntet, wobei Maniok, Ess- und Kochbananen den größten Anteil einnehmen. Aus den Pflanzen werden aber auch Medizin und Alltagsgegenstände gewonnen. Aufgrund des nährstoffarmen Bodens werden die Felder alle zwei bis drei Jahre verlegt. Auf den nicht genutzten Feldern entsteht ein Sekundärwald.
Die Frauen sammeln zusätzlich Nüsse, Wildhonig, Schalentiere und Insektenlarven. Die Männer gehen tagelang jagen. Insbesondere Tapire, Wollaffen und diverse Vögel gehören zur tierischen Nahrung der Stämme. Die Jagd besitzt ein hohes Ansehen im Gemeinschaftsleben. Der Fischfang wird sowohl von Frauen als auch von Männern betrieben.
Glaube und Religion
In den Vorstellungen der Yanomami besitzt jeder Gegenstand und jedes Lebewesen einen Geist und erfüllt einen vorgegebenen Zweck. Nicht alle Geister unterstützen das gemeinsame Leben. Bösartige Geister sind vor allem für Krankheiten verantwortlich. Schamanen kontrollieren die Geister. Dazu werden Zeremonien veranstaltet. Religiöse und gesellschaftliche Feste nehmen einen wichtigen Platz im Leben miteinander ein. Sie finden oftmals auf dem zentralen Platz der Maloca statt.
Eine bedrohte Lebensweise
Die indigene Lebensweise war im vergangenen Jahrhundert sehr stark gefährdet. In den 1940er-Jahren fanden erste Kontakte mit der Außenwelt statt. In den frühen 1970er-Jahren gab es durch Straßenbaumaßnahmen den größten Einschnitt. Krankheiten und Gewalt führten dazu, dass sehr viele Indianer starben.
Zehn Jahre später erreichte der Konflikt einen weiteren Höhepunkt, weil Goldgräber in das Gebiet einströmten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass 20% der Bevölkerung verstarb.
Raumnutzungskonflikte gehören auch heute noch zum Alltag. Bergbauprojekte und illegale Goldgräber beeinflussen durch ihre Folgewirkungen massiv das Leben der Yanomamistämme. 2004 trafen sich Yanomami aus elf Regionen und bildeten eine eigene Organisation die Hutukara, um ihre Interessen in Brasilien zu vertreten.
Didaktische Analyse
Die traditionelle Lebensweise indigener Völker eignet sich in besonderer Weise, den Lernenden die wechselseitige Entwicklung von Umwelt und Mensch sowie einen stark kontrastierenden Vergleich zur eigenen...
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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 328 / 2016

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