Michaela Rückl

Vernetztes Lernen

Ein Jugendlicher tippt an seinem Smartphone.
Eine neue Fremdsprache muss kein Neuland sein, wenn man situatives Vorwissen aktiviert - etwa die Vorstellung in einer WhatsApp-Gruppe.., Foto: Syda Productions/adobe-stock.com

Michaela Rückl

Ein sprachenübergreifender Einstieg in den Französischunterricht mit WhatsApp-Aktivitäten

Wer beginnt, Französisch als dritte Fremdsprache zu lernen, kann bereits auf Sprachwissen aus dem Englischunterricht zurückgreifen. Lesen Sie hier, wie Lernende bereits in den ersten Französischstunden Strategien erarbeiten können, die ihnen auch bei der Weiterarbeit mit Lehrwerken helfen, Wortschatz autonom, vernetzt und ökonomisch zu lernen.

In deutschen Lehrplänen für Französisch als dritte Fremdsprache ist Sprachenvergleich als Lernstrategie in der Zwischenzeit explizit vorgesehen. Auch österreichische Lehrpläne für die Sekundarstufe fordern seit geraumer Zeit zum Zurückgreifen auf bereits vorhandene Fremdsprachenkompetenzen auf. Seitens der Spracherwerbsforschung wird angeregt, vorhandenes Sprachwissen der Lernenden in den Unterricht zu integrieren, u.a. durch Aktivitäten, die sprachenvergleichende Strategien und language awareness fördern (Cenoz/Gorter 2011).
Der Grund dafür ist unser netzwerkartig strukturiertes mentales Lexikon (vgl. Basisartikel), in dem die komplexen Bedeutungen über multidimensionale Beziehungen zu anderen Knotenpunkten hergestellt werden können (Kiefer/Pulvermüller 2012: 807).
Studien zur Repräsentation des mehrsprachigen Systems im Gehirn anhand bildgebender Verfahren weisen ebenfalls auf offene Sprachsysteme hin, die durch ein mehrsprachiges Netz verbunden sind. Besonders beim Wortschatzerwerb scheinen die gleichen Gehirnareale aktiviert zu werden, auch wenn es sich um unterschiedliche Sprachen handelt, was die Existenz eines sprachenübergreifenden mentalen Lexikons nahelegt. Gemäß der subsystems hypothesis nach Paradis (2004) sind unterschiedliche Sprachen mit demselben konzeptuellen Erfahrungsspeicher verbunden, wobei Konzepte sprachunabhängig sind, aber sprachspezifische Merkmale enthalten. Diese Annahme findet heute weitgehende Akzeptanz (Riehl 2014: 40).
Beim Wortschatzlernen werden also sprachenübergreifende Netzstrukturen durch die Entwicklung neuer oder die Festigung bestehender Verbindungen modifiziert. Sprachenübergreifendes Arbeiten scheint aus diesem Grund unseren kognitiven und neurologischen Anlagen sehr genau zu entsprechen: „Lernende bringen die Sprachsysteme, über die sie verfügen, ohnehin zusammen, wenn sie sich vergewissern wollen, ob sie die zielsprachige Wortform an ein adäquates Konzept gekoppelt haben (Quetz/von der Handt 2002: 155).
So haben Unterrichtsstudien gezeigt, dass Schülerinnen und Schüler Sprachen häufig von sich aus vergleichen und dies als lernerleichternd erleben (Fürstenau 2011). Sie teilen ihre Beobachtungen gerne mit und sollten im (Fremd-)Sprachenunterricht aus diesem Grund mehr Freiraum zum Entwickeln und Formulieren ihrer zunächst vielleicht nur va
Was trägt Mehrsprachigkeitsdidaktik zum Wortschatzerwerb bei?
Was trägt Mehrsprachigkeitsdidaktik zum Wortschatzerwerb bei?
Lexikalische Kompetenz wird verstanden als „die Kenntnis des Vokabulars einer Sprache, das aus lexikalischen und aus grammatischen Elementen besteht, sowie die Fähigkeit, es zu verwenden (Europarat 2001:111). Im Anfangsunterricht ist zunächst eine lexikalische Kompetenz aufzubauen, hier kann sprachenübergreifende Wortschatzarbeit Vorwissen aktivieren und dadurch gewinnbringend nutzen. Schüler und Schülerinnen, die Sprachenvergleich als Lernstrategie einsetzen, um fremdsprachliche Wortbedeutung selbst zu erschließen, sind nicht nur kognitiv stärker gefordert, was sich gemäß der Theorie der Verarbeitungsebenen nach Craik/Lockhart (1972) positiv auf die Behaltensleistung auswirkt. Wenn sie gemeinsam über ihre Vermutungen und Entdeckungen diskutieren, sind sie auch affektiv stärker involviert. Kognitives Lernen kann so effizient mit affektivem Lernen verbunden werden (Gnutzmann 2010:118 f.).
Generell kann davon ausgegangen werden, dass integrierter Sprachenvergleich Lernen bewusst macht: Sprachliche und nicht sprachliche Phänomene...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 148 / 2017

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Kennzeichnung Premium-Beitrag aus "Unterricht Französisch" Schulleben Schuljahr 9-10