Christiane Neveling

Communiquez en regroupant les mots !

Eine Schülerin denkt über französische Wörter nach.
Vernetzung als Strategie: Wer Wörter nicht als einzelne Elemente, sondern als Informationsträger und Knotenpunkte eines Netzes betrachtet, lernt leichter., Foto: Marijus/stock-adobe.com

Christiane Neveling

Wie Wortverbindungen die Kommunikation erleichtern

Wörterlernen kann Spaß machen und in Gesprächen von Erfolg gekrönt werden. Dafür dürfen Wörter aber nicht als einzelne Elemente betrachtet werden, sondern als Träger interessanter Informationen und als Knoten im Netz von Bedeutungen und Formen im mentalen Lexikon.

Kommunikation hat es in sich: Viele Wörter müssen gleich-zeitig und schnell abgerufen werden, und bei diesem Vorgang verschmelzen Wortschatz und Grammatik. Bei der Rezeption müssen Wortbedeutungen treffend abgerufen und die Aussprache- und Grammatikstrukturen schnell dekodiert werden. Bei der Produktion dagegen werden die Wortformen rasch abgerufen oder strategiebasiert gebildet, morphologisch flektiert und in eine korrekte syntaktische Reihenfolge gebracht. Sind Wörter jedoch nicht gut im Gedächtnis verankert, fällt Schülerinnen und Schülern der Abruf schwer, und schon Übungen mit dem Fokus auf der lexikalischen Form können leicht misslingen. Wenn der Abruf dagegen gelingt, zeigt sich beim Gebrauch der Wörter in kommunikativen Kontexten oft ein anderes Bild: Obwohl sie die Formen kennen, wählen die Schülerinnen und Schüler oftmals nicht das idiomatische Wort (*donner statt faire une bise/se faire la bise), die richtige Deklination (je *lui aide), Konjugation (le concert nous *plaisons) oder Syntax (beaucoup *des gens). Im folgenden Beitrag werden Übungen und Strategien für die vier ineinandergreifenden Phasen der Wortschatzvermittlung vorgestellt, damit Wörter fest verankert werden (Semantisierung und Festigung), leicht abrufbar sind und in der Kommunikation rasch eingesetzt werden können (Abruf und Gebrauch). Sie zeigen die Umsetzbarkeit der Forderung des GeR (2001) und der Bildungsstandards (KMK 2004:6f; 9 und 2012:18), Wortschatz- und Grammatikkenntnisse in den Dienst der kommunikativen Fertigkeiten bzw. Kompetenzen zu stellen.
Wortschatz einsprachig und mehrsprachig: Semantisierung
Bei der Semantisierung erklären Lehrkräfte die neue Form und die Bedeutung eines Wortes. Dabei ist es wichtig, den Bedeutungsaufbau so zu gestalten, dass eine möglichst rasche und klare Verbindung zu dem bekannten Wortwissen in der Muttersprache hergestellt wird (z.B. le lycée Gymnasium). Häufig muss das Wortwissen durch kulturspezifische Merkmale ergänzt (Eintritt nach der troisième/8.Klasse) oder um vom Deutschen abweichende Polysemien erweitert werden (apprendre à parler français, apprendre qc à qn). Mitunter müssen Lernende gänzlich neue Konzepte ausbilden (le surveillant/e) oder pragmatisch-diskursive Merkmale hinzulernen (Salut! ist unüblich im Umgang mit Lehrpersonen).
Diese Anforderungen kann die Lehrkraft durch einsprachige Methoden meistern wie etwa Beschreibungen, Paraphrasierungen, Erklärungen (beispielsweise als Teil-Ganzes-Relation: le nez fait partie du visage), durch Kontextualisierungen in typischen Minikontexten (Beispielgebung, Beispielsätze, Vergleiche), durch (Quasi-)Synonyme und Antonyme oder durch ganzheitliche Methoden wie den Einsatz von Realien, Bildern, Grafiken, Wortikonen, Symbolen (Pfeile, Herzen ...) oder Pantomime (écraser qc.). Semantisierungen sind unabdingbar für die Phase der Speicherung, denn nur durch Sinnhaftigkeit können neue Wörter in das eigene mentale Lexikon eingebracht werden.
Viele Wörter können Lernende jedoch auch selbst erschließen (Autosemantisierung), indem sie ihr allgemeines Weltwissen aktivieren oder den Kontext im weitesten Sinne (Überschriften, Bebilderungen sowie den direkten Kotext) zu Hilfe nehmen. Die Mehrsprachigkeitsdidaktik hält zudem Methoden und Strategien bereit, um Formähnlichkeiten in Wörtern aus vor- oder parallel gelernten Fremdsprachen (meist: Englisch) zu entdecken und für die Bedeutungserschließung nutzbar zu machen (retourner – return). Der Ansatz des sprachenübergreifenden Lernens (Behr 2005; 2006) liefert hierfür zahlreiche Übungsbeispiele.
In letzter Zeit wird zu Recht die Rolle des...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 148 / 2017

Wörter lernen

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus "Unterricht Französisch" Schuljahr 6-13