Dorothea Bachert

Je suis qu’un enfant

Kind auf Schaukel
Nicht nur Glücksmomente: Die Beschäftigung mit prägenden Momenten aus Kindheit und Jugend eröffnet intellektuelle und emotionale Erlebnis- und Erkenntnismöglichkeiten im Unterricht., Foto: .stock–/–stock.adobe.com

Dorothea Bachert

Schulung visueller Kompetenz anhand eines authentischen Kurzfilms

Die Beschäftigung mit einem Kurzfilm eröffnet intellektuelle wie emotionale Erlebnis- und Erkenntnismöglichkeiten und stellt sowohl das reine Sehverstehen als auch eine Kombination aus Hör- und Sehverstehen in den Mittelpunkt der Kompetenzschulung.

Sehnen wir uns nicht alle nach der Sorglosigkeit unserer Kinderjahre zurück, ohne die Turbulenzen des Erwachsenwerdens und die Alltagssorgen, die allzu oft unsere heutige Lebenswelt bestimmen? Nach den Farben der Kindheit, den Glücksmomenten, der Geborgenheit? Was aber ist mit den Momenten, die das Leben eines Kindes auf den Kopf stellen und verlangen, dass es sich ganz plötzlich der harten Realität des Lebens stellen muss?
Genau von diesen prägenden Momenten egal ob mit positiver oder negativer Konnotation handelt der Kurzfilm Je suis quun enfant, der im Dezember 2018 in Frankreich im Rahmen des Nikon-Filmfestivals vorgestellt wurde und mit seiner originellen Kameraführung die Zuschauer schnell in seinen Bann zieht. In seiner bildhaften Dichte, seiner sparsam eingesetzten und leicht verständlichen Sprache und seinem überraschenden Ende bietet dieser gerade mal zwei Minuten lange Kurzfilm ganz unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten im kompetenzorientierten Französischunterricht (Kasten1).
1. Inhalt: Je suis quun enfant (2018)
1. Inhalt: Je suis quun enfant (2018)
In ihrem ersten Kurzfilm stellt die junge Regisseurin Joséphine Pons ein Kind bzw. einen Jugendlichen in den Mittelpunkt und lässt das Publikum an unterschiedlichen Augenblicken seines jungen Lebens teilhaben. Aus dem Blickwinkel des Jungen zeigt der Film glückliche Momente im Kreis seiner Familie, Familienfeste, Spaziergänge, Fahrradfahren, ein Lächeln, ein Augenzwinkern, eine Umarmung ... eben all das, was den Alltag mit geliebten Menschen ausmacht. Gegen Ende des Kurzfilms ändert sich jedoch die Stimmung und die Lebenswelt des inzwischen jugendlichen Protagonisten wird grundlegend erschüttert, als er erfährt, dass seine Eltern sich trennen werden.
Die Unterrichtsreihe im Überblick
Die im Folgenden beschriebene Unterrichtssequenz eröffnet im dritten Lernjahr intellektuelle wie emotionale Erlebnis- und Erkenntnismöglichkeiten anhand dieses authentischen Films und stellt das reine Sehverstehen (Stichwort: visuelle Literalität) und eine Kombination aus Hör- und Sehverstehen in den Mittelpunkt der Kompetenzschulung. Im Anschluss an die Arbeit mit Standbildern aus dem Film und die daran anknüpfende Hypothesenbildung konzentrieren die Lernenden sich zunächst auf eine Bildanalyse ohne Tonspur (visionnage sans le son). Sie haben Gelegenheit, ihre Gefühle auszudrücken, und erstellen Dialoge und Monologe zum vorhandenen Bildmaterial. In einem weiteren Schritt sehen die Lernenden den Film mit Tonspur (visionnage avec le son), arbeiten mit Zitaten aus dem Film und tauschen sich über die Emotionen des Protagonisten und eingesetzte filmische Mittel aus. Die Arbeit am Kurzfilm endet mit einem Sich-Bewusstmachen der eingesetzten Strategien, mit Hilfe derer bewegte Bilder sinnhaft entschlüsselt werden können. In einer über die Filmarbeit hinausgehenden Projektphase zum Thema Mon enfance reaktivieren die Lernenden relevanten Wortschatz und erstellen abschließend ein kreatives Produkt, welches persönliche Kindheitserinnerungen bündelt. Die Unterrichtssequenz kann für sich alleine stehen oder etwa auch an folgende Thematiken angebunden werden: À Plus 3, Unité 4 La vie en famille; Découvertes 3, Unité 1 Motivés! Mes amis et moi.
Thematische Annäherung
In der Phase der Annäherung an das Thema arbeiten die Schülerinnen und Schüler in Partnerarbeit mit zwei Standbildern aus dem Kurzfilm (fdt1 ) und bilden Hypothesen zu einem möglichen Handlungsverlauf: Was könnte zwischen den sehr unterschiedlichen Situationen passiert sein? Wie auch im weiteren Verlauf stehen den Schülerinnen und Schülern hier...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 163 / 2020

Hör-Seh-Verstehen

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus "Unterricht Französisch" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-9