Michaela Banzhaf

L’île qui fait bouger les gens …

Georges Seurats Gemälde "Un dimanche après-midi à l'île de la Grande Jatte"
Prädestiniert für den Einsatz im kommunikations- und bewegungsorientierten Französischunterricht: Un dimanche après-midi sur l’île de la Grande Jatte, Foto: PD

Michaela Banzhaf|Maik Böing

Ein Gemälde in Sprache und Bewegung übersetzen

Georges Seurats Gemälde Un dimanche après-midi à lîle de la Grande Jatte bietet überdurchschnittliches didaktisches Potenzial und lädt dazu ein, eine starre Szenerie mithilfe von tableau figé und Rollenbiografie im Klassenraum lebendig werden zu lassen.

Seurat, Monet, Van Gogh sie alle waren auf dieser kleinen Seine-Insel am nordwestlichen Stadtrand von Paris. Île des impressionnistes wird die Île de la Grande Jatte deshalb auch genannt. Und es ist insbesondere ein Gemälde, welches auch heute 130 Jahre nach seiner Vollendung Jung und Alt begeistert und zum Nachstellen animiert: Un dimanche après-midi à lîle de la Grande Jatte (doc1 ).
Das didaktische Potenzial des Bildes ist nicht zu unterschätzen: Das Gemälde ist ein geradezu idealtypisches zeitgeschichtliches Beispiel zur Thematisierung des Unterrichtsgegenstandes Paris – ville de contrastes, der im Französischunterricht aller Bundesländer im Grund- wie im Leistungskurs auf dem Lehrplan steht. Stellte ebendiese Île de la Grande Jatte doch einen Ort der Begegnung zwischen zwei Welten dar. Hier, mitten in der Seine, an der räumlichen Schnittstelle der banlieue riche auf der rive droite und einer ärmlichen banlieue ouvrière auf der rive gauche, begegneten sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Schichten. Sollte man ein solches Bild, welches derartige Kreativität freisetzt und landeskundliches Potenzial besitzt, nicht gewinnbringend unterrichtlich einsetzen?
Das Bild zeigt viele verschiedene Menschen, vorwiegend in kleinen Grüppchen, die an einem Sommertag in einem Park unterschiedlichen Tätigkeiten nachgehen. Allerdings wirken die Figuren komplett reglos, wie erstarrt. Keine Geste, keine Bewegung geht von ihnen aus. Je länger der Betrachter das Bild anschaut, desto stärker wird sein Wunsch, die Menschen aus ihrer Starre zu befreien und für Bewegung, Begegnung und Kommunikation zu sorgen.
Und genau hier setzt der vorliegende Unterrichtsvorschlag an: Das Ziel besteht darin, als activité après la lecture das unbewegte Bild in eine bewegte szenische Darstellung zu übersetzen. Dazu sind mehrere Arbeitsschritte nötig. Nach einer Beschreibung und Analyse (Stunde 1) wird das Bild in einem tableau figé nachgestellt und eine Rollenbiografie für eine ausgewählte Figur erstellt (Stunde 2), bevor auf deren Grundlage eine szenische Darstellung erarbeitet wird (Stunden 3 und 4). Die Lernenden befreien die Figuren aus ihrer Starre, kreieren ähnlich wie in einer simulation globale für sie eine Identität und bringen sie miteinander in Beziehung (vgl. Yaiche 2002). Sie lassen die gemalten Figuren in einer szenischen Darstellung als lebendige Figuren erstehen, die im Park an einem sonnigen Sonntag agieren und interagieren, flanieren und promenieren. Auf diese Weise setzen sie Bewegungselemente inhaltlich-funktional ein und unterstützen ihre Bildrezeption sowie die Verarbeitung der Bildinformationen.
Das Unterrichtsvorhaben
Das vorliegende Unterrichtsvorhaben kann im Rahmen eines Dossiers Paris et ses banlieues une région de contrastes seinen Platz finden. Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler zunächst der Thematik mit literarischen und Sachtexten genähert haben (vgl. Siemen 2011, Blume 2012, Lenz/Obeling 2013), stellt die Beschäftigung mit dem Gemälde Seurats eine ästhetisch ansprechende bildliche Abwechslung dar, die als Lernaufgabe am Ende der Unterrichtseinheit stehen kann.
Die Kompetenz, die in diesem Unterrichtsvorhaben gewinnbringend durch den Einsatz von Bewegung gefördert wird, ist das Sprechen, das sich hier nicht auf die rein verbale Kommunikation beschränkt. Vielmehr beziehen die Schüler in ihren Szenen non-verbale Elemente mit ein wie z.B. Mimik, Gestik, Körperkontakt bei Begrüßungen, körpersprachliche Signale allgemein. Sie verknüpfen dementsprechend Sprache mit Bewegungselementen.
Das zugrunde liegende Unterrichtsprinzip besteht darin,...

Friedrich+ Französisch

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt ganz einfach mit F+ weiterlesen

  • 30 Tage kostenloser Vollzugriff
  • 5 Downloads gratis enthalten

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Französisch

Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 156 / 2018

Lernen mit Bewegung

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13