Alexander Kraus / Silke Topf

Lernschwierigkeiten überwinden

"Daumen hoch" - heterogene Lerngruppen erfolgreich unterrichten.
Vielschichtige Lösungsansätze sind nötig, um heterogene Lerngruppen in der Praxis erfolgreich zu unterrichten., Foto: drubig-photo–/–stock.adobe.com

Alexander Kraus / Silke Topf

Heterogene Lerngruppen erfolgreich fördern und unterrichten

Um mit leistungsheterogenen Schülergruppen adäquat zu arbeiten, sind differenzierte Zugangsweisen unabdingbar. Dieser Beitrag vermittelt nicht nur systematisches Grundlagenwissen über Lernstörungen, Lernbehinderungen und Lernschwierigkeiten, sondern bietet einen Überblick über Fördermöglichkeiten und vielschichtige Lösungsansätze für die Praxis.

Fördern hat Konjunktur: Zwar stehen Themenfelder wie „Lernschwierigkeiten und „Inklusion im Fokus des gesellschaftlichen und fachlichen Diskurses, doch gestaltet sich das Bild häufig als unübersichtlich und diffus. In diesem Themenheft werden zum einen die dem Fach innewohnenden Schwierigkeiten beleuchtet, wie sie im Spiegel veränderter Kindheit und Jugend und der daraus erwachsenen Konsequenzen für Schule und Unterricht erscheinen.
Zum anderen soll gezeigt werden, wie in diesen Entwicklungen und Konsequenzen für den Französischunterricht zunehmend auch jene Hürden hervortreten, die sich aus Beeinträchtigungen und Behinderungen von Kindern und Jugendlichen ergeben, mit denen wir es an Real- und Gesamtschulen und vermehrt auch im Unterricht am Gymnasium zu tun haben.
Der vorliegende Beitrag versucht neben der Betrachtung fachlicher Schwierigkeiten eine Differenzierung zwischen Lernschwierigkeiten, Lernstörungen und Lernbehinderungen vorzunehmen, wie sie Kieweg bereits 2012 formuliert hat: „Lernschwierigkeiten unterscheiden sich von Lernstörungen und Lernbehinderungen. Lernstörungen wie Legasthenie [] beeinträchtigen den Erwerb von Fähigkeiten und sind bereits in frühen Entwicklungsstadien zu finden. [] Unter Lernbehinderungen versteht man langandauerndes, umfassendes und schwerwiegendes Schulleistungsversagen, das in der Regel mit einer Beeinträchtigung der Intelligenz gekoppelt ist, wobei jedoch noch keine geistige Behinderung vorliegt (Kieweg 2012: 2). In der gegenwärtigen Realität ist indes davon auszugehen, dass die Grenzen fließender sind und die durch Inklusion vielschichtiger gewordenen Situationen in den Klassenzimmern sich deutlich komplexer zeigen. Grundsätzlich werden dabei Störungen oder Teilleistungsstörungen, wie z. B. eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, auch danach unterschieden, ob sie auf der Grundlage einer professionellen Diagnose einen zielgleichen oder einen zieldifferenten Unterricht erfordern.
Gleichzeitig wird deutlich, dass „auch im deutschen Bildungs- und Schulsystem [] Deutschland noch weit davon entfernt ist [], Inklusion im Schulalltag und im Schulunterricht flächendeckend umzusetzen, wie es die UN-Behindertenkonvention völkerrechtlich verbindlich einfordert (Schlaak 2015: 10). Darüber hinaus ist das Forschungsinteresse aus fachdidaktischer und fremdsprachendidaktischer Sicht im Hinblick auf Inklusion bislang sehr gering ausgeprägt (vgl. Schlaak 2015: 13).
Worin genau auch immer die jeweiligen Einschränkungen wurzeln: Sie lassen sich nur beseitigen, wenn ihre Ursachen gezielt diagnostiziert werden (vgl. Haß 2013: 3, Kieweg 2012: 2, sowie FUF 98/2009: Diagnostizieren und Fördern).
Sonderpädagogische Förderbedarfe im Überblick
Für Lehrkräfte stellt die aktuelle Entwicklung hin zu mehr inklusivem Unterricht vielfach eine grundlegende Veränderung ihres beruflichen Selbstverständnisses dar. Heterogene Lerngruppen sind die Regel. Die klassische Selektionsfunktion von Schule, die ihre Berechtigung insbesondere aus dem gegliederten Schulwesen in Deutschland ableitet, wird durch die Forderung nach Bildungsteilhabe für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen (zurecht) zunehmend infrage gestellt, wenn auch das Spannungsverhältnis zwischen Standardisierung und Heterogenität unauflösbar erscheint.
Auf der Grundlage der Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur sonderpädagogischen Förderung in den Schulen vom 06.05.19941 finden Förderbedarfe ihren Niederschlag in insgesamt acht Förderschwerpunkten (s. Kasten1).
Französisc...

Friedrich+ Französisch

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt ganz einfach mit F+ weiterlesen

  • 30 Tage kostenloser Vollzugriff
  • 5 Downloads gratis enthalten

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Französisch

Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 149 / 2017

Hindernisse überwinden

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13