Maik Böing

Le français en mouvement

Kinder bei einer Bewegungsübung im Klassenzimmer
Bewegung als Tor zum Lernen: Bereits Bewegungen mit geringer Intensität reichen aus, um das Gehirn mit mehr Sauerstoff und Zucker zu versorgen und damit die Informationsverarbeitung bei den Lernenden zu verbessern., Foto: Wulf Conrad

Maik Böing|Wulf Conrad|Gregor Iwanoff

Mit kleinen Bewegungen große Lernfortschritte machen

Gerade zur Förderung fremdsprachlicher Teilkompetenzen besitzt Bewegung, die bewusst und inhaltlich-funktional eingesetzt wird, ein vielfältiges Potenzial. Wer sie von Anfang an im Französischunterricht nutzt, schafft lebendige und nachhaltige Sprechanlässe.

In vielen Schulen landauf, landab läuft der Fremdsprachenunterricht nach wie vor zu über 90% im Sitzen ab erst recht derjenige in der Sekundarstufe II, wenn nicht zufällig gerade ein Standbildbau auf dem Programm steht. Dabei ist die Erkenntnis, dass Bewegungselemente das Lernen einer fremden Sprache in besonderer Weise fördern können, nicht neu!
Bereits in der „Anweisung für die Beschäftigung ausländischer Lehramtskandidaten an den preußischen höheren Schulen" den heutigen Fremdsprachenassistenten aus dem Jahr 1905 (!) konnte man lesen: „Der Dienst der ausländischen Lehramtskandidaten richte sich „in erster Linie an „Schüler der oberen Klassen und solle täglich „zwei Stunden Konversationsübung umfassen. [] „Bei günstiger Witterung könnten die Übungen „auch im Freien, auf dem Schulhofe und auf Spaziergängen stattfinden. [] Hauptaufgabe der ausländischen Lehramtskandidaten sei es, „den Schülern Mut zu machen, mit der Sprache aus sich herauszugehen (Wanka 2005: 8).
Wirklich aus sich herausgehen, gar draußen, mit Händen und Füßen, Mimik und Gestik dürften auch über 110 Jahre später nur die wenigsten regelmäßig im Rahmen ihres Fremdsprachenunterrichts. Dies ist verwunderlich, ist doch die positive Wirkung von Bewegungselementen beim Sprachenlernen mittlerweile auch empirisch wissenschaftlich nachgewiesen für den Französischunterricht z.B. in den Bereichen Wortschatzlernen (vgl. Sambanis/Speck 2010) sowie Aussprache (vgl. Hille et al. 2010).
Dieser Basisartikel möchte deshalb aufzeigen, wie die Integration von Bewegungselementen das Fremdsprachenlernen unterstützen kann. Zu diesem Zweck werden zunächst didaktisch-methodische Leitlinien des bewegungsorientierten Lernens vorgestellt, bevor eine gezielte Ausschärfung auf maßgebliche Teilkompetenzen des Fremdsprachenunterrichts erfolgt.
Warum Bewegung das (Sprachen-)Lernen unterstützen kann
Wurden Denken und Lernen lange Zeit als eine vom Körper losgelöste Fähigkeit betrachtet, sind sich Psychologen, Neurowissenschaftler und auch Pädagogen zunehmend einig, dass „Bewegung ein [wesentliches] Tor zum Lernen ist (Hannaford 2016). Schon aus rein physiologischer Sicht macht Bewegung Sinn, da bereits Bewegungen mit geringer Intensität ausreichen, um das Gehirn mit mehr Sauerstoff und Zucker zu versorgen und damit die Informationsverarbeitung beim Lernenden zu verbessern (vgl. Müller/Petzhold 2002).
Bewegung steigert unser Erinnerungsvermögen und hilft Informationen besser im (Langzeit-)Gedächtnis abzuspeichern und von dort schneller wieder abrufen zu können. Wenn wir etwas langfristig behalten wollen, müssen wir neue Informationen mit bereits Gelerntem sinnvoll verknüpfen: „Schafft der Lernende sich ein Assoziationsfeld, so kann er mit jedem neuen Ereignis interagieren, er sortiert und identifiziert es (mithilfe des Kurzzeitgedächtnisses), vergleicht es mit früheren Assoziationen (mithilfe des Arbeitsgedächtnisses), wendet es an und integriert es so in die Struktur, die er der Welt gegeben hat (mithilfe des Langzeitgedächtnisses). Dieses Ordnen der Welt im Erinnerungsspeicher benötigt Bewegung und sensorische Informationen, damit stabile Bezugsgrößen vorliegen (Dennison 2017, 20). Einer reinen Wissensvermittlung, die lediglich im Arbeitsgedächtnis hängenbleibt, stellt bewegtes Lernen eine Konsolidierung im Langzeitgedächtnis gegenüber, die z.B. kontextuelles Vokabellernen ermöglicht (vgl. Schiffler 2012, 46).
Besonders gut lassen sich Erinnerungen abspeichern, die mit möglichst vielen Sinnen (Sehen, Hören, Riechen, Berühren) wahrgenommen und in Verbindung mit Bewegung...
Unterricht Französisch
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 156 / 2018

Lernen mit Bewegung

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus "Unterricht Französisch" Methode & Didaktik Schuljahr 6-13
  • Thema: Lernstrategie
  • Autor/in: Maik Böing, Wulf Conrad, Gregor Iwanoff