Daniela Barth | Elke Philipp

Den Fehlern auf der Spur

Mit einem Korrekturportfolio im Anfangsunterricht Fehler bewusstmachen und vermeiden
Mit einem Korrekturportfolio im Anfangsunterricht Fehler bewusstmachen und vermeiden, Foto: T. Brandt

Daniela Barth | Elke Philipp

Mit einem Korrekturportfolio im Anfangsunterricht Fehler bewusstmachen und vermeiden

Ab der ersten Französischstunde produzieren die Lernenden kleine Äußerungen in der neu zu lernenden Sprache. Vieles dabei ist ungewohnt, scheint schwierig und es kommen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt Fehler vor. Anhand des Korrekturportfolios wird gezeigt, wie Fehler von Beginn an korrigiert, zum Lernen genutzt und in der Folge vermieden werden können.

Mit Begeisterung beginnen Schülerinnen und Schüler meist das Lernen einer neuen Sprache. Um diese Begeisterung zu halten, sollte man versuchen, ihnen schnell Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Sie lernen, über sich und ihr Lebensumfeld zu sprechen bzw. zu schreiben und auf diese Weise bald in Kontakt mit französischsprachigen Jugendlichen treten zu können. Die Anwendung der neuen Sprache enthält aber auch viele Stolpersteine seien es die ungewohnte Aussprache, andere Strukturen als in der Muttersprache, die Konjugation der Verben, eine komplizierte Orthografie u.a.m. Nachfolgend soll gezeigt werden, wie ab Beginn des ersten Lernjahres ein Korrekturportfolio genutzt werden kann, um auftretende Fehler bewusstzumachen, zu korrigieren und schrittweise zu vermeiden.
Ein Korrekturportfolio anlegen
Ein Korrekturportfolio ist auf Langfristigkeit angelegt. Zu diesem Zweck kann eine Rubrik im Französischhefter reserviert oder ein Extra-Portfoliohefter eingerichtet werden. Beginnend mit den ersten selbst verfassten kurzen Texten wird es im Unterricht eingesetzt, im vorliegenden Fall ab Klasse 6. Sukzessive werden alle zu den einzelnen Lernaufgaben selbst erstellten Texte sowie deren Berichtigung abgeheftet. Den Unterschied zu einem „normalen Portfolio bildet ein zusätzlicher Teil zur systematisierten Arbeit an den Fehlern und zur Selbstevaluation. Somit signalisiert das Korrekturportfolio den Lernenden, dass Fehler ein ganz natürlicher Teil des Spracherwerbs sind und mit ihnen im Unterricht systematisch gearbeitet werden wird (s. Kasten1)
Korrekturportfolios
Korrekturportfolios
Korrekturportfolios haben sich vor allem bei Lernenden mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten bewährt (Braun 2015: 9f.). Die darin umgesetzten Grundsätze machen ihre Nutzung allerdings generell für die Entwicklung von Schreibkompetenz in der Fremdsprache interessant. Sie genügen den Prinzipien der
  • Überschaubarkeit (die Lehrkraft markiert nur eine Auswahl zu korrigierender Fehler),
  • Individualisierung (jede/r Lernende arbeitet an seinen Fehlerschwerpunkten),
  • Kognitivierung (angestrichene Fehler werden nicht nur berichtigt, sondern nach Kategorien geordnet und mit bereits gelernten Regeln verbunden),
  • Langfristigkeit (das Portfolio dient als Lernbegleiter über den Gesamtlehrgang.)
Bestandteile des Korrekturportfolios,
  • selbst erstellte Texte jeweils mit Berichtigung,
  • Bereiche zu den Kategorien Wortschatz, Grammatik, Orthografie und Syntax,
  • Selbstevaluationsbögen.
.
Um die Methode einzuführen, kann mit anonymisierten Fehlerbeispielen oder einem von der Lehrkraft erstellten Text mit einigen typischen Fehlern der Lerngruppe gearbeitet werden. Die Lernenden können zunächst in die Rolle der Lehrkraft schlüpfen und alle Fehler, die sie finden, anstreichen. Nach einem kurzen Vergleich der Resultate erfolgt am besten am Interaktiven Whiteboard oder auf einer OHP-Folie die gemeinsame Analyse dieser Fehler. Es werden erste Kategorien eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt genügen die Kategorien:
  • vocabulaire (ein Wort wurde nicht gewusst oder verwechselt, z.B. école anstatt élève)
  • grammaire (falsches Genus, Verbkonjugation, Singular oder Plural usw.)
  • orthographe (accents, Buchstabendreher oder -auslassungen).
Zu jeder dieser Kategorien wird im Korrekturportfolio eine Rubrik angelegt. Zur schnellen Orientierung dienen als Seitenüberschriften die verwendeten Korrekturzeichen, also voc, gr, o, syn (vgl. fdt1). Gerade Lernende im Anfangsunterricht gestalten diese...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 165 / 2020

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Kennzeichnung Premium-Beitrag aus "Unterricht Französisch" Schuljahr 6-7