Oliver Wicher

Das richtige Tool

Online-Übersetzer selbstständig nutzen und Fehlern vorbeugen?
Kollaborative Plattformen wie Leo stellen Ad-hoc-Übersetzer bereit und liefern eine ganze Reihe passender Übersetzungen., Foto: godsandkings–/–stock.adobe.com

Oliver Wicher

Online-Übersetzer selbstständig nutzen und Fehlern vorbeugen

Bereits im dritten Lernjahr können Lernende Online-Wörterbücher und Online-Übersetzungsdienste nutzen, um ihre eigenen Fehler in Schriftproduktionen zu berichtigen. Der Beitrag vergleicht gängige Tools und zeigt mit einer kleinschrittigen methodischen Einführung, wie die Korrektur gelingen kann.

Lehrkräften dürfte hinreichend bekannt sein, dass Fremdsprachenlernende spätestens ab dem zweiten Lernjahr verstärkt auf Online-Übersetzer und ähnliche Dienste zurückgreifen, um sich Textproduktionen leichter zu machen. Zwar liefert ihr prominentester Vertreter, der Google Translator, mittlerweile deutlich bessere Resultate, doch mündet dessen unreflektierter Gebrauch noch immer häufig in einer unidiomatischen Wort-für-Wort-Übersetzung. Zwei Beispiele aus dem Anfangsunterricht: Die für Lernende wichtige Wendung „Auf gehts wird im Schulbuch mit On y va übersetzt. Der Google Translator hingegen liefert Allons, erkennt also nicht, dass es sich um einen festen Mehrwortausdruck handelt. Die Einheit „so, auf diese Weise (Découvertes Série jaune, Band 1, Unité 4) wird mit dem zielsprachlichen Ausdruck comme ça übersetzt, wohingegen der Translator mit alors bzw. de cette façon in die Irre führt. Weiterhin ein großes Problem scheinen (immer noch) bildhafte bzw. umgangssprachliche Wendungen zu sein: „Ich habe die Nase voll wird wörtlich mit jai le nez plein übersetzt.
Bei diesen Beispielen handelt es sich freilich nicht um stilistische Feinheiten, sondern sie betreffen Teile des schulischen Grundwortschatzes. Es stellt sich deswegen die Frage, wie sich Lernende für die reflektierte Nutzung von Online-Tools sensibilisieren lassen, um sie im Sinne eines kompetenzorientierten Fremdsprachenunterrichts zu autonomen Lernenden auszubilden. Das bedeutet konkret: Wie kann man die Nutzung von Online-Tools im Unterricht üben und wie können Lernende sie zur eigenständigen Fehlerkorrektur und -prophylaxe nutzen? Der vorliegende Beitrag möchte Antworten auf diese Fragen geben, indem er ein erprobtes Unterrichtsvorhaben präsentiert (Umfang ca. 2 Stunden). Das Vorhaben wurde mit einer Gruppe aus dem zweiten Lernjahr durchgeführt empfohlen wird aber das dritte Lernjahr, damit ein kritischer Umgang mit den Tools vorausgesetzt werden kann.
Rahmen
Anlass des Unterrichtsvorhabens ist die Rückgabe einer Klassenarbeit, die sich thematisch um die Felder la fête und les vêtements dreht und deren grammatischen Schwerpunkt das passé composé mit regelmäßigen Verben und dem Hilfsverb avoir darstellt. Der Teil der schriftlichen Produktion widmet sich dem Schreiben einer E-Mail an einen französischen Austauschpartner, in der mithilfe eines Bildimpulses von der Geburtstagsfeier von Léo berichtet werden sollte zu beschreibende Aspekte sind neben einer Bewertung (jai bien aimé) die Atmosphäre der Feier, die Kleidung der Anwesenden und die Aktivitäten.
Die Korrektur der Arbeiten offenbarte einen gewissen Anteil von sprachlichen Verstößen, die sich auf ganze Ausdrücke bezogen und insbesondere durch einen falschen Präpositionalgebrauch begangen wurden: *sur la fête, chez/au lanniversaire, a le weekend usw. Dieser Befund wurde zum Anlass genommen, bestimmte Fehler lediglich zu markieren und zu kategorisieren, nicht aber zu korrigieren (vgl. Nieweler 2017: 312); die Lernenden sollten die selektive Fehlerkorrektur mithilfe von Online-Tools eigenständig nach Rückgabe der Arbeit durchführen. Um dies zu bewerkstelligen, war jedoch eine Einführung in die Funktionsweise von Online-Tools nötig.
Welche Online-Tools gibt es?
Der Begriff „Online-Tool soll an dieser Stelle stellvertretend für all diejenigen Programme stehen, die zielsprachliche Übersetzungen von Ausdrücken oder ganzen Sätzen liefern. Hierunter fallen digitale Wörterbücher wie Pons oder Linguee , kollaborative Plattformen wie Leo sowie Dienste wie Reverso oder DeepL , die unter anderem...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 165 / 2020

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Kennzeichnung Premium-Beitrag aus "Unterricht Französisch" Schuljahr 8-9