Otto-Michael Blume

S’engager – oui, mais où et pour qui ?

Notebook mit Loges gemeinnütziger Organisationen
Gewusst wie: Eine cyberenquête hilft bei der Suche nach dem richtigen Engagement., Thaspol/stock.adobe.com

Otto-Michael Blume

Eine cyberenquête als Lösungshilfe

Egoismus, Xenophobie und Populismus prägen das Erscheinungsbild der Politik. Damit Lernende wissen, wie sie Gegenbilder aufbauen können, müssen Schule und Französischunterricht ihnen konkrete Möglichkeiten positiver Identifikation durch altruistische Formen des Engagements anbieten.

Menschen engagieren sich gerne. In seiner Dissertation zu humanitären Hilfsorganisationen konstatiert Cornelius Huppertz, „dass der Gedanke der Gerechtigkeit in fast allen Kulturen, Religionen und philosophischen Lebensweisheiten seit Beginn menschlicher Zivilisation zu finden ist. Er schließt daraus, „dass der Mensch ein natürliches Gerechtigkeitsgefühl besitzt und dass der Wert der ,Fairness und ,Gerechtigkeit grundsätzlich eben doch von allen Menschen geteilt wird.1
Heute sind rund 36% der über 15-jährigen Franzosen und über 46% der deutschen Jugendlichen über 14 Jahre ehrenamtlich engagiert (s. Basisartikel). Die aktuell reizvolle Diskussion über eine wie auch immer zu gestaltende Dienstpflicht, über die junge Männer und Frauen in Deutschland zu einem zwölfmonatigen Einsatz in einem von ihnen gewählten, gesellschaftlich relevanten Bereich herangezogen werden sollen, macht deutlich, wie wichtig Engagement für eine Gesellschaft und ihren Zusammenhalt ist. Inwieweit eine Zwangsrekrutierung der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Doch scheint zum ersten Mal nach längerer Zeit ein breites Nachdenken darüber zu erfolgen, ob und wie in Zeiten, in denen Vereinzelung und Verunsicherung aufgrund bedrohlich empfundener Veränderungen durch Digitalisierung und Globalisierung zunehmen, der gesellschaftliche Zusammenhalt durch ein Schichten und Milieus übergreifendes kollektives Miteinander gestärkt werden kann.
Allerdings lassen schon die o.g. Zahlen zum Engagement junger Menschen für die Zukunft hoffen, auch wenn sich dieses nicht selten fernab von Deutschland und Europa abspielt teilweise als moderne Form bürgerlicher Selbstverwirklichung, denn kaum ein Kind sog. bildungsfernerer oder sozial schwächerer Schichten kann sich ein freiwilliges soziales Jahr in Indien, Afrika oder Lateinamerika erlauben. Die dort gemachten Erfahrungen sind für den Einzelnen wie für die Gesellschaft als Ganzes bedeutsam und keineswegs zu kritisieren oder gar abzulehnen. Viele Jugendliche wissen jedoch nicht, welche Möglichkeiten es gibt, sich auch ortsnah in großen Organisationen wie Médecins sans frontières oder in regional verankerten, kleineren NRO (Nichtregierungsorganisationen) zunächst vielleicht nur ehrenamtlich, später ggf. im beruflichen Kontext zu engagieren.
Obwohl die Großorganisationen inzwischen in der ganzen Welt aktiv sind, ist es kulturell interessant zu sehen, dass viele von ihnen in Frankreich bzw. in der Frankofonie gegründet wurden und dort bis heute ihren Hauptsitz haben (s. Kasten1).
Die starke Verankerung im frankofonen Raum macht diese großen NRO, aber auch ursprünglich ausschließlich innerfranzösische Institutionen wie Emmaüs oder Les Restos du Cœur mit Les Enfoirés u.a. (s. Kasten2) für den Französischunterricht didaktisch interessant.
Legitimation des Unterrichtsvorhabens
Wenn wir zu Recht davon ausgehen, dass Lernende zu Beginn der Sek. II ein gerade in diesem Alter ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl empfinden, sich gerne sofort oder nach der Schulzeit in irgendeiner Form für den Kampf gegen Elend und Ungerechtigkeit im näheren oder ferneren Umfeld engagieren möchten, aber zu wenig über entsprechende Möglichkeiten wissen, ist es didaktisch angebracht, im Französischunterricht mit klarem Akzent auf ehemals bzw. heute noch frankofone Organisationen für Aufklärung zu sorgen. Da man nicht über etwas sprechen kann (bzw. nicht sollte), das man nicht kennt, müssen notwendige Informationen recherchiert und gesammelt, aufgearbeitet und geteilt werden. Auf dem Weg zu dem angestrebten Wissens- und Erkenntnisgewinn sind demnach methodische Kompetenzen und...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 158 / 2019

S'engager

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-12