Marita Lüning

Mais: von der heiligen Pflanze der Maya zum Biosprit

Farbenfrohes Guelaguetza-Fest in Oaxaca zu Ehren des Maisgottes Centéotl
Auch heute noch feiert man in Oaxaca das farbenfrohe Guelaguetza-Fest zu Ehren des Maisgottes Centéotl., Foto: © Eva Leipzig / Shutterstock.com

Marita Lüning

Mais wird heute auch in Lateinamerika zunehmend in Massen produziert und durch Genmanipulation künstlich verändert. Ein Ziel: die Herstellung von Biotreibstoff. Die Schüler werden für die Probleme und Konflikte, die durch diesen Umgang mit dem Grundnahrungsmittel entstehen, sensibilisiert.

Die Ureinwohner Mexikos kannten den Mais schon vor 7000 Jahren. Sie schätzten das einfach anzubauende Getreide, das sich im Laufe der Jahrtausende zu ihrer Lebensgrundlage entwickelte.
Menschen aus Mais
Als die Erde noch menschenleer war, nahmen die Götter den Mais und formten aus ihm den Menschen. In dieser oder ähnlicher Form findet sich der Ursprungsmythos bei vielen mittelamerikanischen Völkern, beispielsweise im Popol Vuh, dem heiligen Buch der Maya (Martínez Paternina 2014: 9). Die Maya glaubten, die Menschen seien direkt aus dem Mais entstanden.
Das Buch wurde etwa um 1550 mit lateinischen Buchstaben in Quiché-Sprache von den in Stein gemeißelten jahrhundertealten Legenden abgeschrieben, die teilweise noch heute an den erhaltenen Bauwerken der Maya zu sehen sind. Es beschreibt die mytho-logischen und historischen Aspekte des Volkes (Vences 2016: 36), dessen Angehörige sich heute noch hombres de maíz nennen. Seine Bedeutung für die Ernährung erhob den Mais in Mittelamerika zur heiligen Pflanze.
Auch bei den Azteken war der Mais eine zentrale Kulturpflanze. Mythologisch ordnete man ihm nicht nur eine Gottheit zu, sondern mehrere beiderlei Geschlechts. Aufgrund der Bedeutung des Maises als Nahrungsgrundlage betrieben die Azteken einen vielschichtigen Opferkult. Heute noch wird in Oaxaca dem Maisgott Centéotl, der sowohl männlich als auch weiblich sein kann, das farbenfrohe Fest der Guelaguetza gewidmet. Dabei wird eine Teilnehmerin zur Maisgöttin gewählt.
Der Mais erreicht Europa
Auf San Salvador sahen Christoph Kolumbus und seine Gefährten zum ersten Mail Mais, den Kolumbus damals noch für eine Hirseart hielt. Als er 1496 von seiner zweiten Expedition nach Spanien zurückkehrte, brachte er Maiskörner mit, die nach der indianischen Bezeichnung mahiz genannt wurden. Erst im 18. Jh. erhielt der Mais durch den Botaniker Carl von Linné die Bezeichnung zea mays – zea für die Familie der Süßgräser.
Der erste Mais wurde in Andalusien angebaut, das eine Art Umschlagplatz für die Pflanzen der Neuen Welt war. Denn Sevilla besaß das Monopol für den Handel mit den Kolonien. Überall dort, wo die Hacke und nicht der teurere, von Tieren gezogene Pflug zum Einsatz kam, verbreitete sich der Mais ausgesprochen schnell, weil er auch von der ärmeren Bevölkerung angebaut werden konnte (Hethke 2013: 54).
Der Mais war in Spanien zunächst vor allem eine bewässerte Gartenfrucht. Von dort erreichte er über Frankreich etwa um 1550 Venedig. Der Preis für Mais lag damals zwischen 20 und 50% unter dem von Weizen – Mais war also billige Kost. Seine höheren Erträge und sein Reifezeitpunkt zur Sommermitte veränderten innerhalb von 200 Jahren Landschaft, Landwirtschaft und Ernährung in Südeuropa beträchtlich.
Millionen von Europäern beginnen heute ihren Tag mit einer Schale Mais und zwar veredelt zu Cornflakes. Mais steckt im Popcorn, in Sirup und in Süßem, im Alkohol und in Speisestärke, in der Konserve, im Brei und in der Tortilla. Vor allem aber steckt er im Kotelett, denn er ist auch Grundlage für Viehfutter weltweit. Als nachwachsender Rohstoff ist er eine wichtige Energiepflanze für Biogasanlagen (Hethke 2013: 56).
Genmais
Anfang des 20. Jahrhunderts begannen Forscher Saatgut zu bestrahlen oder mit Erbgut verändernden Chemikalien zu behandeln, um Mutationen künstlich zu erzeugen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelang es erstmals, fremde Gene in einen lebenden Organismus einzuschleusen. Man hatte damit eine Möglichkeit gefunden, Pflanzen rascher und gezielter gewünschte Eigenschaften zu geben. Auch beim Mais werden seither bestimmte Gene aus anderen Organismen in das Maisgenom eingeschleust....

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Spanisch Nr. 57 / 2017

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