Ursula Vences

La papa – el regalo de Américaal mundo

Grabdekoration auf dem Grab Friedrich II.: Kartoffeln
Eine außergewöhnliche Grabdekoration: Kartoffeln, © Picture alliance

Ursula Vences

Ein Beispiel für das Globale Lernen im Spanischunterricht

Am Beispiel des alltäglichen Nahrungsmittels der Kartoffel erfahren die Schülerinnen und Schüler Teile der Kulturgeschichte der aus dem Andenhochland stammenden Knolle, deren Siegeszug durch die gesamte Welt zugleich ein Vorbild für nachhaltige globale Entwicklung ist und von Südamerika ausgehend die westliche Welt bereichert hat.

Kaum ein anderes Nahrungsmittel gilt so unangefochten als typisch deutsch wie die Kartoffel. Daher werden die Deutschen heutzutage gelegentlich abwertend als „Kartoffelfresser bezeichnet, jedoch sollte nicht vergessen werden, dass die Pommes frites aus den Benelux-Ländern ihren Siegeszug um die ganze Welt angetreten haben; und auch die Spanier lieben ihre tortilla de patatas, um nur einige Beispiele für den weltweiten Konsum der Kartoffel zu nennen.
Es gibt unzählige Rezepte für Kartoffelgerichte und Beilagen; die Knolle gehört zum täglichen Verzehr in vielen europäischen Ländern und in der gesamten Welt. Im Jahre 2007 wurden nach FAOstat 5/08 weltweit 320 Millionen Tonnen produziert, in Europa belief sich der Konsum/Person auf 96 kg/Jahr, in den sogenannten Entwicklungsländern waren es 21 kg. 2013 war die weltweite Produktion bereits auf 376 Mio. Tonnen gestiegen.
Die Herkunft der Kartoffel
Weit gefehlt ist die Annahme, dass es sich um ein heimisches bzw. europäisches Gewächs handle. Die Kartoffel ist eines der ältesten Nahrungsmittel der Welt und wuchs bereits vor rund 8.000 Jahren in den Anden Südamerikas, in den heutigen Ländern Peru und Bolivien, wo die Knolle eine unverzichtbare Grundlage für das Überleben in den gewaltigen Höhen darstellte und auch heute noch darstellt.
Auf den großen Höhen der Anden bauen viele Indigene nach wie vor ihr Grundnahrungsmittel mit großer Rücksichtnahme auf die Bodenbeschaffenheit mit einfachen Gerätschaften wie dem von Ochsen gezogenen Pflug oder dem Grabstock an; die ganz dünne Humusschicht erlaubt anderes auch nicht: Sie muss geschont werden, um erhalten zu bleiben. Maschinelle Bearbeitung würde zur Zerstörung führen.
Schon die Urvölker kannten die nachhaltige Vorratshaltung der Kartoffeln durch eine Methode, die dem modernen Gefriertrocknen nahekommt. Die Ernte wird nachts den im Hochland herrschenden eisigen Temperaturen ausgesetzt, sodass die in der Frucht enthaltene Flüssigkeit gefriert. Am Tag werden die Knollen in die Sonne gelegt, tauen auf und Frauen und Kinder stampfen sie mit den Füßen, um das dann geschmolzene Wasser herauszutreten. Der Vorgang wird über 4 – 5 Wochen wiederholt, bis am Ende kleine harte und trockene Früchte übrig bleiben, die über einen langen Zeitraum hinweg haltbar sind und bei Bedarf in Wasser wieder aufgekocht werden. Der Name dieser 2 – 3 Jahre haltbaren Frucht lautet Chunyo, und aus ihr wird das peruanische Nationalgericht Carapulcra zubereite, eine würzige Kartoffelsuppe.
Die Verbreitung der Kartoffel
Erst nach der Entdeckung des Kontinents durch Kolumbus und die weitere Eroberung durch die Konquistadoren kam die Kartoffel nach Europa, wo sie anfangs wegen ihrer schönen Blüten geschätzt war – und wo so mancher das oberirdische Gewächs erntete und verspeiste, um danach krank zu werden.
Aber nach anfänglicher Ablehnung wurde die unterirdische Frucht schnell zur wichtigsten Waffe gegen Hunger und Armut und verbreitete sich, von Spanien ausgehend, in Europa und in der ganzen Welt. In Deutschland führte der Preußenkönig Friedrich II. die Erdäpfel gegen den anfänglichen Widerstand der Bevölkerung ein.
Von den rund 4.000 Varietäten, die die indigene Bevölkerung kannte, ist allerdings in den heutigen Supermärkten nichts mehr zu erkennen. In Europa beschränkt sich der Anbau auf einige wenige Sorten, obwohl auch auf unserem Kontinent noch rund 600 Sorten bekannt sind.
Patata oder papa?
Die Kartoffel erfuhr im Jahre 2008 eine besondere Würdigung durch die FAO (Food and Agriculture Organisation) der Vereinten...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Spanisch Nr. 57 / 2017

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Premium-Artikel aus "Unterricht Spanisch" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-11