Andreas Nieweler

La France profonde

Gemälde "La Paye des moissonneurs" (Léon Lhermitte,1882)
Harter Arbeitsalltag der Landbevölkerung: La Paye des moissonneurs (Léon Lhermitte,1882), PD

Andreas Nieweler

Das ländliche Frankreich im Spiegel der Literatur ein Lesezirkel

Ein neuer Präsident bringt neuen Schwung ins Land. Doch abseits der großen Politik und der großen Städte scheint sich das ländliche Frankreich äußerlich kaum zu verändern. Der Beitrag begibt sich auf die geschichtlichen Spuren des ruralen, durch Landwirtschaft geprägten Frankreichs.

Das heutige Frankreich ist nicht mehr das, was es einmal war. Oder doch? Fährt man mit der deux chevaux (oder einer DS) durch das, was die Franzosen la province nennen, macht man eine Hausboottour auf dem Canal du Midi, mietet man ein Ferienhaus in den Cévennen in allen Fällen grüßt la France profonde, scheinbar unverändert seit Jahrzehnten. Das Frankreichbild der Erwachsenen ist geprägt von touristischen Hotspots wie dem Mont Saint Michel, den Gorges du Verdon, den Loire-Schlössern, durch Carcassonne und den Pont du Gard. Kurzum: durch Schlösser, Schluchten und Champagner. Während Jugendliche sich eher für die Frage interessieren, ob es an diesen Orten freies W-Lan gibt, soll hier stattdessen mit Elan der Frage nachgegangen werden, wie das Bild der France profonde entstanden ist. Dazu sollen bedeutende Dichter zu Wort kommen.
Das ländliche Frankreich
Kennen Sie die Karikatur, auf der ein Franzose mit einer Baskenmütze zu sehen ist, der eine Rotweinflasche unter dem Arm hält und sagt „Cest fou ce que la France a changé“ ? Der Charme so mancher Kulturländer mit langer Tradition, wie etwa Italien oder Griechenland, besteht in der Bewahrung des seit Jahrhunderten Bewährten. Frankreich verführt seit jeher mit seinen landschaftlichen und kulinarischen Reizen; seine ländlichen Regionen prägen über weite Strecken auch heute noch unser Frankreichbild. Ohne Landwirtschaft, also Ackerbau, Weinanbau und Viehzucht, wäre das alles nicht möglich. Bei einem Glas Saint-Émilion oder dem Genuss eines bœuf charolais, die Vegetarier mögen es uns nachsehen, stellt sich Bewunderung dafür ein, zu welch hoher Kunst unser Nachbarland den primären Sektor getrieben hat. Auch unsere Schülerinnen und Schüler sollten dafür sensibilisiert werden, woher das Brot kommt, das sie täglich essen, und die Milch oder den Wein, den sie oder ihre Eltern (vielleicht) trinken. Zudem ist es wichtig, dass sie im Französischunterricht nicht nur das Leben in der Großstadt (z.B. Paris) kennenlernen, sondern sich auch mit Lebensentwürfen in ländlichen Gegenden auseinandersetzen wobei es einen Unterschied macht, ob man ‚nur auf dem Lande lebt (eventuell dort ein Ferienhaus besitzt) oder dort arbeiten und sich durch Landwirtschaft ernähren muss. In vielen Kernlehrplänen der Sek. I wird eine Thematisierung der Unterschiede zwischen großstädtischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen vorgeschrieben. In der Sek. II kann die folgende Reihe bei dem Rahmenthema existence humaine et conceptions de vie verortet werden.
Eine gelungene Sensibilisierung für das Thema ist entscheidend für die Motivation der Lernenden, sich mit den folgenden literarischen Texten auseinanderzusetzen. Vielleicht kann hier der Hinweis helfen, dass das Deutsch-Französische Jugendwerk Aufenthalte auf Bauernhöfen in Frankreich und Deutschland vermittelt, z.B. in Form eines volontariat écologique (http://www.ve-fa.org/?lang=de). Außerdem kann auch die hohe Relevanz des für das kulturelle Leben in Frank-reich bedeutsamen, alljährlich in Paris stattfindenden Salon International de lAgriculture helfen, sich im Unterricht einmal mit la France profonde zu beschäftigen. Bei dieser Ausstellung geht es in vier verschiedenen Sektionen um Viehwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau, regionale (Bio-) Produkte sowie landwirtschaftliche Berufe. Von der Arbeit der Winzer erzählt der mit reizvollen Landschaftsaufnahmen gespickte Film Ce qui nous lie(dt.: „Der Wein und der Wind) von Cédric Klapisch, der ebenfalls für den Einstieg geeignet erscheint (bande-annonce unter:...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 150 / 2017

La France d'aujourd'hui

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13