Katalin Schober

« L’amour rend-il heureux ? »

Die Studentin Neïla in einer Jura-Vorlesung an der Uni
Die Studentin Neïla in einer Jura-Vorlesung an der Uni, Foto: © 2020 Pathé Films AG. Aus dem Film „Le Brio“, unter der Regie von Yvan Attal, Frankreich 2017.

Katalin Schober

Anhand der Filmkomödie Le Brio eine Rede nach rhetorischen Mustern verfassen

Der Film Le Brio eröffnet nicht nur einen attraktiven Zugang zum Thema Amour et amitié, sondern bietet im Unterricht auch die Möglichkeit, auf der Basis der Filmhandlung eine eigene Rede nach rhetorischen Prinzipien zu verfassen.

Le Brio darf mit seinen diversen César-Nominierungen u.a. in den Kategorien des besten Films, des besten Hauptdarstellers (Daniel Auteuil) und der besten Nachwuchsdarstellerin (Camélia Jordana) sicherlich zu einem der erfolgreichsten französischen Filme der vergangenen Jahre gezählt werden. Im Zuge einer Lernaufgabe begegnen die Schülerinnen und Schüler hier sowohl der Lebenswelt des elitären Quartier Latin als auch der Pariser Banlieue und verfolgen die Aufstiegsgeschichte einer jungen Studierenden (s. Kasten1). Zudem verfassen und präsentieren sie eine eigene Rede zum Thema Freundschaft.
Le Brio le film
Le Brio le film
Frankreich/Belgien 2017
Länge: 95 min.
Regie: Yvan Attal
Produktion: Pathé Film
Darsteller/innen: Daniel Auteuil, Camélia Jordana, Yasin Houicha
Handlung:
Nachdem der Juraprofessor Pierre Mazard die Studierende Neïla Salah in einer Vorlesung rassistisch beleidigt hat und hierbei gefilmt wurde, muss er sich vor der Universitätsleitung verantworten. Um seine Reputation zu retten, verpflichtet er sich, Neïla auf einen angesehenen Rhetorikwettbewerb vorzubereiten. In der Folge kommt es zu zahlreichen amüsanten Wortgefechten, aber auch zu einer allmählichen Annäherung der beiden Sturköpfe.
Eine Aufstiegsgeschichte
Der Titel Le Brio enthält bereits im Kern das, was die Handlung auszeichnet: Etwas avec brio zu vollbringen, heißt, es mit Virtuosität zu können. In der Filmkomödie geht es um die Rhetorik, die es als wahrhaft meisterlich zu beherrschen gilt. Sie ist auch das Element, das die beiden Handlungsräume der Protagonisten miteinander verbindet: Auf der einen Seite wird hier das elegante Quartier Latin gezeigt mit den gehobenen Restaurants und Cafés sowie der Eliteuniversität Panthéon-Assas, an der der selbstgefällige Juraprofessor Pierre Mazard lehrt und mit Hang zur bissigen Ironie seine Studierenden bisweilen genüsslich vorführt. Auf der anderen Seite ist da die prekäre Pariser Banlieue, in der die Studierende Neïla Salah mit maghrebinischem Hintergrund aufwächst und von ihrem Wunschberuf einer Anwältin träumt.
Beide Lebenswelten verschränken sich, als Neïla den weiten Weg hinein in das mondäne Paris mit der Métro antritt und ihr erstes Semester an der juristischen Fakultät aufnimmt. Hier trifft sie auf Mazard, der sie sogleich rassistisch beleidigt. Von Studierenden dabei mit dem Smartphone gefilmt, muss er Buße tun, um sich vor der Universitätsleitung zu rehabilitieren. Daher bereitet er Neïla auf einen prestigeträchtigen Rhetorikwettbewerb vor und führt sie in die Kunst der wohlgesetzten Rede ein.
Im Vordergrund steht somit die Aufstiegsgeschichte von Neïla, die lernt, die Redekunst mit Meisterschaft zu nutzen, und die auf diese Weise ihrem Traum eines erfolgreichen Lebens näherkommt. Unter Anleitung ihres Professors gelingt es ihr so, eine Etappe nach der anderen des Wettbewerbs für sich zu entscheiden. Die Rhetorik nutzt sie wahrlich avec brio: Sie spricht ihr Publikum so überzeugend an, dass es im gedanklichen Nachvollzug den Ausführungen der Rednerin zustimmt.
Universelle Fragen
Auf einen zweiten Blick geschieht in Le Brio aber noch viel mehr, und auch auf diese Dimension spielt der Filmtitel bereits an: Gemeint ist eine gewisse Nonchalance oder Leichtigkeit, die im Konzept der Meisterschaft enthalten ist. Etwas avec brio zu vollbringen, bedeutet letztlich auch, etwas so meisterlich zu können, dass man die Arbeit, die darin steckt, nicht bemerkt; also ein Gewusst-wie, das jede hierfür notwendige Anstrengung verbirgt. In der Redekunst ist dies ein natürliches, ungekünstelt wirkendes Sprachideal, das...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 167 / 2020

Le film francais: Regarde-moi ca!

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus "Unterricht Französisch" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 10-11