Ulrike C. Lange

« Atmosphère ! Atmosphère ! »

Filmplakat Cannes 2019
Frankreich ist mit den Filmfestspielen von Cannes Gastgeberland des wichtigsten Filmfestivals der Welt. Das Plakat 2019 zu Ehren von Agnès Varda., Foto: © La Pointe courte / 1994 Agnès Varda et ses enfants – Montage & maquette–: Flore Maquin

Ulrike C. Lange

Französischunterricht braucht Filme

Unsere Sehgewohnheiten haben sich durch die digitalen Medien grundlegend verändert: Der Französischunterricht kann zur Medienerziehung beitragen, indem das Motivationspotenzial von Filmen genutzt wird, um französische Zielkulturen sprachlich und inhaltlich zu transportieren sowie zum analytischen und produktiven Handeln mit Film anzuregen.

In den letzten Jahren hat die sogenannte „digitale Revolution durch den nahezu flächendeckenden Einzug von Internet und Smartphone die Gesellschaft einem rasanten Wandel unterworfen: Man telefoniert immer weniger, sondern „textet, liest E-Books, „streamt Musik, „netflixt Filme und Serien. Dies betrifft vor allem die digital natives der GenerationZ unsere Schülerinnen und Schüler.
Veränderungen der Sehgewohnheiten
Die Sehgewohnheiten haben sich verändert: Mit Streaming-Diensten werden die Episoden einer Serie nicht mehr im Fernsehen über viele Wochen verteilt geschaut, sondern oft an einem oder wenigen Abenden, ggf. im sogenannten „Binge-Watching (65 % aller Jugendlichen). Die JIM-Studie 2019 stellt fest, dass 42 % der 12- bis 14-Jährigen und 60 % der 15- bis 16-Jährigen regelmäßig Sendungen, Serien und Filme bei Netflix schauen, Amazon Prime Video nutzen zwischen 17 und 21 % (MPFS 2020: 37). Bewegte Bilder spielen also eine immer größere Rolle, weshalb dem Unterricht aller Fächer auch mehr denn je die Rolle zukommt, die jungen Menschen für eine bewusste Rezeption von Bild-Ton-Dokumenten und einen kompetenten Umgang mit Medien zu sensibilisieren und eine kritische Medienkompetenz herauszubilden, damit sie gewappnet sind für die alltägliche Bilderflut.
Aus der Sicht des Fremdsprachenunterrichts ergeben sich durch die Digitalisierung auch Vorteile. Der Zugriff auf fremdsprachiges Material ist viel einfacher: Filmplakat, Trailer, ausgewählte Szenen oder Interviews sind oft über wenige Mausklicks verfügbar, Filme sind in Originalsprache mit oder ohne Untertitel erhältlich und variabel zuschaltbar. Auch das durch digitale Werkzeuge unterstützte Handeln mit Film und der Austausch darüber mithilfe von Kommentarfunktionen in den sozialen Netzwerken kann den Informationsstand und die Auseinandersetzung mit den Inhalten vertiefen.
Motivation durch Film
Vor allem das hohe Motivationspotenzial, das Filmbilder für Jugendliche haben, sollte der Fremdsprachenunterricht sich zunutze machen. Otto-Michael Blume unterstreicht zurecht die „affektive Komponente von Hör-Seh-Texten (2020: 7). Dies gilt besonders für den fiktionalen Spielfilm: Film ist Gefühl! „Spielfilme gehören zu den Kulturprodukten, die den größten Einfluss auf Gefühle haben, auf spontane Rezeptionsreaktionen wie auch auf überdauernde Affektdispositionen. Der Wunsch zu fühlen bildet eine Hauptmotivation dafür, sich Filme anzusehen. Als dramaturgische Gebilde lenken Filme Zuschauergefühle (Eder o.J.). Filme verfügen also über ein besonders motivierendes, sprech- und schreibförderndes Potenzial, sie laden ein zu Identifikation und Abgrenzung und erreichen die Lernenden emotional, was bekanntlich durchaus lernförderlich ist.
(Alltags-)Kultur und Sprache in Filmen
Außerdem transportieren Filme ein großes Maß an zielkulturellen und zielsprachlichen Elementen, die französischsprachigen Alltag auch für Schülerinnen und Schüler, die viele Kilometer von Frankreich entfernt sind, lebendig und sinnfällig werden lassen. „Filme stiften intensive Begegnungen mit verschiedenen Lebenswirklichkeiten, unterschiedlichen Zeiten und anderen Räumen. Die vielfältigen Identifikationsmöglichkeiten, die sie dabei anbieten, fördern empathische Fähigkeiten und die Möglichkeit des Perspektivenwechsels. Diese Qualitäten des Mediums Film kommen auch interkulturellen Lernprozessen zugute, in denen Schülerinnen und Schüler anderen Kulturen filmisch vermittelt begegnen und dadurch die kulturelle Bedingtheit der eigenen Lebenswirklichkeit als solche verstehen und...
Unterricht Französisch
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 167 / 2020

Le film francais: Regarde-moi ca!

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus "Unterricht Französisch" Theorie Schuljahr 6-13