Eva Müller

„Lebe so, dass die Alten überleben“

Junge und Alte teilen sich eine Welt.
Junge und Alte teilen sich eine Welt., © imago images/Arnulf Hettrich

Eva Müller

Solidarität zwischen den Generationen

Der Beitrag zeigt die Parallelen zwischen der Corona-Krise und der Klimakrise auf. Die Schülerinnen und Schüler gehen der Frage nach, wie das Verhalten der „Alten und der „Jungen die gemeinsamen Lebensbedingungen infolge der Krisen beeinflusst und wie je ein solidarischer Beitrag unter den Generationen aussehen könnte.

Lebe so, dass die Alten überleben. Das fordert Samira El Ouassil in ihrer gleichnamigen Kolumne im SPIEGEL vom 12. März 20201 von den Jungen und präzisiert: „Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe während der Ausbreitung von Covid-19 muss ein altenfreundlicher, kategorischer Imperativ sein: Lebe so, dass die Ältesten in deiner Umgebung durch deine Handlungen nicht fahrlässig in Gefahr gebracht werden. Wir wollen an dieser Stelle nicht streiten, ob sich hinter Frau El Ouassils Formulierung tatsächlich ein kategorischer Imperativ versteckt. Stattdessen wollen wir die Forderung der SPIEGEL Kolumnistin kontrastieren mit einem Leserbrief an die taz: „Wir sind nicht damit einverstanden, dass eine Masse von [] jungen MitbürgerInnen []), alleinerziehenden Müttern, Familienmüttern und -vätern, eine Unzahl Erwerbstätiger einseitig dafür zur Verantwortung gezogen werden, dass wir Alten überleben, schreiben dort Marianne Erlenbruch und ihr Mann Günther sie 81 Jahre alt, ihr Mann 79 Jahre und uns damit einem Thema zuwenden, das in den Anfangszeiten der Corona-Pandemie2 kontroverse Hochkonjunktur hat: dem Thema Solidarität.
Denn von Solidarität war viel die Rede: von der Solidarität der Jungen mit den Alten, von der Solidarität der Bevölkerung mit dem Personal im Gesundheitswesen, von der finanziellen Solidarität innerhalb der EU, von der Solidarität der Gesellschaft gegenüber den Single-Selbstständigen usw. Die Reihe ließe sich fortsetzen bis hin zur Bundeskanzlerin: Mit Herz und Verstand, so Angela Merkel, sollten sich jetzt alle in Solidarität üben. Ziel in dieser Phase war es, die Neuinfektionen so gering wie möglich zu halten, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Gleichzeitig sollte Zeit gewonnen werden, Maßnahmen zu entwickeln, die ein längerfristiges Leben mit Corona mit möglichst wenigen Einschränkungen ermöglichen, bis ein Impfstoff oder ein Medikament gegen Corona entwickelt ist.
Aber: Kann Solidarität gefordert werden? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Wann wird mehr oder weniger freiwilliger Verzicht zum Zwang? Und sollte, wer Solidarität fordert, nicht auch selbst solidarisch sein? „Solidarität ist keine Einbahnstraße.
Unabhängig von diesen grundsätzlichen Fragen fanden sich in der Praxis im ganzen Land sehr schnell Jugendliche zusammen, die solidarisch waren, die den „Risikogruppen vor allem das Einkaufen abnahmen, damit diese sich dabei keiner Ansteckungsgefahr aussetzen mussten. Von einer solchen Gruppe geht der Unterrichtsvorschlag aus. Er entwirft ein Szenario, in dem sich eine Gruppe von Anhängern der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future zu tatkräftiger Hilfe entschlossen hat, für Ältere einen Einkaufsservice anbietet und mit großem Engagement durchführt.
Um den Protest gegen die Klimaerwärmung auch während des Demonstrationsverbots in der Corona-Krise auszudrücken, ruft „Fridays for Future zum „Netzstreik fürs Klima auf. Dazu muss man auf der Website der Bewegung einen wenn gewünscht, auch anonymen Teilnahmewunsch posten und anschließend per E-Mail bestätigen. In der fiktiven Einkaufsgruppe entsteht nun die Frage, ob man bei den Personen, für die eingekauft wird, für diesen „Netzstreik fürs Klima werben solle. Manche wollen sogar so weit gehen, dass sie eine weitere Versorgung der Risikopersonen von ihrer Solidarität mit den Forderungen zum Klimaschutz abhängig machen wollen.
Als Lernaufgabe für die Lerngruppe soll ein Flugblatt gestaltet werden, das dem nächsten Einkauf beigelegt wird und mit dem zur Teilnahme am „Netzstreik fürs Klima aufgerufen wird. Dazu werden in Einzel-...
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aus: Ethik und Unterricht Nr. 3 / 2020

Corona – Herausforderung an die Ethik

Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Unterricht Schuljahr 10-13