Carsten Roeger | Dominik Schöneberg

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Instagram ist ein fester Bestandteil der Lebenswelt vieler Jungendlicher.
Instagram ist ein fester Bestandteil der Lebenswelt vieler Jungendlicher., © imago–/–Priller&Maug

Carsten Roeger | Dominik Schöneberg

Philosophieren mit und über Instagram

Soziale Medien spielen im Leben von Kindern und Jugendlichen eine wachsende Rolle. Dabei hat die Foto-Plattform Instagram in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Umso wichtiger ist es, im Unterricht über Instagram nachzudenken: Die Foto-Plattform kann dabei auch als Kontext für klassische philosophische Fragestellung dienen. Und eine aktive Nutzung als Präsentationsmedium für im Unterricht erstellt Fotos kann dabei helfen, die Lernprozesse und die Förderung der Medienkompetenzen nachhaltiger zu gestalten. Einen Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler herzustellen, ist im Ethik- und Philosophie-Unterricht vergleichsweise leicht: Schließlich geht es oft um grundlegende Probleme des Menschseins und des sozialen Miteinanders. Zur Lebenswelt müssen inzwischen aufgrund ihrer steigenden Nutzung auch digitale Medien gezählt werden.

Das lässt sich mit Verweis auf die JIM-Studie belegen, die jährlich das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen analysiert. Demnach sind Jugendliche laut einer Selbsteinschätzung unter der Woche durchschnittlich 221 Minuten online täglich. Laut JIM-Studie1 ist WhatsApp das unangefochtene Leitmedium zur Kommunikation unter den Heranwachsenden. Direkt danach folgt aber schon Instagram: Von den 14- bis 17-Jährigen nutzen rund zwei Drittel die Plattform täglich oder zumindest mehrmals pro Woche. Die bei Erwachsenen beliebteren Plattformen Twitter und Facebook haben dagegen bei Teenagern sehr viel weniger Bedeutung. Insofern guter Unterricht sich auf die Lebenswelt der Schüler und Schülerinnen bezieht, eignet sich Instagram daher als Kontext, um philosophische Fragen zu bearbeiten.
Diese Auseinandersetzung ist allerdings nicht nur aus fachlicher Perspektive interessant, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der Förderung von Medienkompetenz insgesamt.2 Die Kultusministerkonferenz hatte sich in ihrem Strategiepapier Bildung in der digitalen Welt3 darauf festgelegt, dass die Schulung der Medienkompetenz Aufgabe aller Lehrerinnen und Lehrer ist. Dabei soll jedes Fach, entsprechend seinen spezifischen Zugängen zur digitalen Welt, einen Beitrag zur Kompetenzbildung leisten. Die Stärke des Faches Philosophie liegt dabei im Kompetenzbereich 6 »Analysieren und Reflektieren«.
Darüber hinaus lässt sich die Förderung von Medienkompetenzen noch deutlich erweitern, wenn die Schülerinnen und Schüler nicht nur über Instagram nachdenken, sondern das soziale Medium auch aktiv nutzen. Eine solche handlungsorientierte Medienpädagogik begünstigt nachhaltige Lernprozesse, weil sie die theoretische Reflexion mit aktivem Handeln in der digitalen Welt verbindet. Gegen eine solche Handlungsorientierung, in der etwa eigene Bilder erstellt werden, könnte man einwenden, dass nach einem rein diskursiven Begriff philosophischer Bildung, hier kein eigentliches Philosophieren stattfinde.4 Wir vertreten dagegen die Ansicht, dass auch präsentative Modi des Philosophierens individuelle Zugänge zum philosophischen Gehalt des eigenen Selbst-Welt-Mitmensch-Verhältnisses erlauben und so diskursive Modi nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen.
Im ersten Teil dieses Artikels wird aufgezeigt, welche lebensweltlichen Probleme die Instagram-Nutzung aufwirft und inwiefern diese Probleme als Kontext für klassische philosophische Fragestellung taugen. Im zweiten Teil wird ein konkretes Unterrichtsvorhaben vorgestellt, das aufzeigt, wie sich die philosophische Reflexion durch geeignete Aufgabenstellungen mit einer handlungsorientierten Medienpädagogik verbinden lässt.
Über Instagram nachdenken
Da Instagram ein fester Bestandteil der Lebenswelt vieler Jugendlicher ist, scheint es lohnend, das Medium als Kontext für philosophische Überlegungen zu nutzen (s.Foto 1). Diese Auseinandersetzung ist oft auch deshalb besonders motivierend, weil es hier noch wirklichen Denk- und Regelungsbedarf gibt: Die Diskussion im...
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aus: Ethik und Unterricht Nr. 1 / 2019

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