Kant heute unterrichten

Kant heute unterrichten

Ethik und Unterricht | Ausgabe Nr. 1/2020
Inhaltsverzeichnis
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König, Edelleute und Bischöfe bei einer Tischgesellschaft; zeitgenössische Buchmalerei um 1400
Eine Erkundung Kants Begriff der Humanität
Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Hintergrund Schuljahr 5-13

Was versteht Kant unter Humanität? Warum sollte sein Begriff uns heute noch interessieren?
Grundlegend für sein Verständnis der Humanität ist neben dem Gedanken, dass uns die reine Vernunft
zu bestimmten Zwecksetzungen verpflichtet, die Geselligkeit, wie sie idealtypisch in der heiteren Tischgesellschaft realisiert wird. Ihre Teilnehmer interessieren sich füreinander, teilen sich mit, erweitern ihre Begriffe, leisten einen Beitrag zur Mündigkeit und zur Aufklärung. Durch das gesellige Gespräch fördern sie ihr Interesse an der freiheitszentrierten Rationalität wie an ihrem Wohlleben unter den zufälligen Bedingungen
ihrer Lebensführung.

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Kant im Original lesen?
Kant-Texte im sprachsensiblen Philosophieunterricht1 Habe Mut, dich Primärquellen zu bedienen!
Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Methode & Didaktik Schuljahr 5-13

Der didaktische Imperativ »Habe Mut, dich Primärquellen zu bedienen« fordert dazu auf, eine Auseinandersetzung mit der »schwierigen Sprache« der Philosophen im Philosophieunterricht nicht etwa mittels Text­askese oder durch Nutzung von »Nach-Texten« zu umgehen, sondern die Schülerinnen und Schüler zu einem selbständigen und routinierten Umgang mit den fachsprachlichen Anforderungen zu befähigen.

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Kant oder nicht? Blick in das Innere des »Kunst-U-Boots« von Andreas M. Kaufmann und Hans-Ulrich Reck (2010). Das Zitat wird gemeinhin Kant zugesprochen, ist allerdings eher ein Beispiel für eine »pragmatische Abkürzung«.
Vielfältige Lektüren für den Unterricht Lob des »Nach-Textes«
Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Methode & Didaktik Schuljahr 5-13

Die scharfe Trennung zwischen authentischem Originaltext und bearbeitetem Nach-Text ist nicht so evident, wie es den Anschein hat. Jeder im Unterricht verwendete Text ist in gewisser Weise zugerichtet, der para­textuellen Rezeptionssteuerung entkommt man nicht. Diese muss nur eben redlich sein und den Weg zum Original bahnen. Also können auch stark deutende Nach-Texte in Transfer- und Übungsphasen des Unterrichts sinnvoll eingesetzt werden.

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Wie golden ist die goldene Regel?
Eine Hinführung an Idee und Funktion des kategorischen Imperativs Kant in der Mittelstufe?!
Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Unterricht Schuljahr 7-13

Folgt man der Forschung zur Entwicklung des moralischen Urteils, dann sind Menschen in der Regel erst ­relativ spät dazu in der Lage, wirklich selbständig – autonom – moralische Fragen zu entscheiden, und viele wohl nie. Aber das Verhältnis von Regeln zur eigenen Freiheit interessiert und bewegt Schüler nicht erst in
der Oberstufe. Das hier vorgestellte Unterrichtsmodell verzichtet auf die Lektüre und Analyse von Texten Kants und bietet als Material für die Vorbereitung darauf vor allem Beispiele und kurze Statements als An­regung für Erörterung und Diskussion.

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Adolf Eichmann in einer Sendung zum Prozess gegen ihn vor einem Sondergericht in Jerusalem (1961).
Vertiefung und Transfer mit Littells Roman »Die Wohlgesinnten« Die Vereinnahmung Kants im Nationalsozialismus
Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Unterricht Schuljahr 10-13

Isabelle Guntermanns Stundentypen-Modell sieht im vierten und letzten Schritt eine Vertiefungs- und Transferstunde vor, in der die Urteilsbildung zu profilieren ist, indem die Schülerinnen und Schüler auf Grundlage des zuvor erarbeiteten fachlichen Wissens begründet Stellung beziehen. Am Beispiel einer Unterrichts­stunde zur Vereinnahmung Kants im Nationalsozialismus werden der Anspruch sowie der Aufbau einer solchen Transferstunde exemplarisch verdeutlicht.

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Am Beispiel einer Sequenz zur deontologischen Ethik Kants1 Das Kernphasen-Konzept in der Unterrichtsplanung
Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Methode & Didaktik Schuljahr 10-13

Das hier vorgestellte Kernphasen-Konzept soll zur erfolgreichen Bewältigung der anspruchsvollen Herausforderung systematischer Unterrichtsplanung eine praxistaugliche Unterstützung anbieten und helfen, dem Unterrichtsverlauf eine lerntheoretisch sachlich angemessene Strukturierung zu geben. Konkretisiert am Beispiel einer Reihe zu Kants deontologischer Ethik will der Artikel dazu anleiten, die komplexen sachlogischen und fachdidaktischen Zusammenhänge einer Unterrichtsreihe zu durchdringen und nachvollziehbar darzustellen.

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Standbild Immanuel Kants vor der Neuen Universität in Königsberg (Kaliningrad)
Mit Nach-Texten Transferaufgaben gestalten Kant ad usum delphini
Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Methode & Didaktik Schuljahr 10-13

Die Texte Immanuel Kants gelten als inhaltlich wie sprachlich außerordentlich anspruchsvoll; nicht zuletzt die komplexe Syntax, die ihren Ursprung in der damals üblichen lateinischen Gelehrtensprache hat, verstellt manchem Leser den Weg zu Kants Gedankenwelt. Wie kann der Zugang schon für jugendliche Leserinnen und Leser geebnet werden?

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Den »Berg« der Ethik von verschiedenen Seiten besteigen: Parfits These zur Unterscheidung der Positionen von Kantianern, Kontraktualisten und Konsequenzialisten
Was von Kant in Derek Parfits Triple-Theorie übrig bleibt Kant im neuen Gewand: ein kantischer Utilitarismus
Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Unterricht Schuljahr 10-13

Vor allem drei Aspekte der Theorie Derek Parfits können im Unterricht fruchtbar gemacht werden, nachdem die Schülerinnen und Schüler sich mit dem Handlungs- und Regelutilitarismus und mit der Pflichtethik Kants vertraut gemacht haben. Über die Parfitschen Denkfiguren, so die These, können die Kantische Ethik ihrer kontraintuitiven Elemente entledigt und zugleich der Gegensatz zwischen Pflicht- und utilitaristischer Ethik überbrückt werden.

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Immanuel Kant Meets Mark Zuckerberg
Was bedeutet Mündigkeit im Zeitalter der Digitalisierung? Aufklärung 2.0
Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Unterricht Schuljahr 10-13

Schon Kant hat Aufklärung und also den Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit als dauerhafte Aufgabe gesehen. Wie stellt sich dieses Postulat zur Selbstaufklärung im »Zeitalter der Digitalisierung« dar? Der Mensch, so die These dieses Artikels, bedarf einer »systemischen Bildung«, die ihm das reflektierte Interagieren mit natürlichen und künstlichen Organismen in der Infosphäre, seinem neuen Lebensumfeld, ermöglicht.

© Marco Finkenstein
Die Besonderheit philosophischer Diskurse
Zur Entwicklung des Faches: Stundentypen im Philosophie- und Ethikunterricht
Premium-Beitrag der Zeitschrift "Ethik & Unterricht" Methode & Didaktik Schuljahr 5-10

Unterrichten ist bekanntermaßen ein schwieriges und komplexes Unterfangen. Das trifft auf jeden Fachunterricht zu. Für den Philosophie- und Ethikunterricht gilt dies aber möglicherweise in ganz besonderem Maße.

Wo in anderen Fächern, vor allem in den Naturwissenschaften, offenbar ein »großer Konsens über grundlegende Basis- und Fachkonzepte besteht, die es im Unterricht zu erlernen gilt«, gibt es in der Philosophiedidaktik aufgrund des spezifischen Wesens ihrer Bezugsdisziplin keinen entsprechenden Diskurs. Dieser Beitrag stellt die Frage, wie sich philosophische Lernprozesse so gestalten lassen, dass bei aller gedanklichen Offenheit klare Schwerpunkte gesetzt, präzise (wenn auch vorläufige) Ergebnisse erzielt und wahrnehmbare Denkfortschritte erreicht werden können.