uwe klemm

Wortschatzarbeit im Netz und mit Apps

uwe klemm

Die Entwicklung eines belastbaren rezeptiven und produktiven, kommunikativ verfügbaren Wortschatzes gehört zu den Kernaufgaben des Fremdsprachenunterrichts auf jeder Stufe. Vielleicht noch stärker als in anderen Sprachbereichen kommt hier das Zusammenspiel von direkter unterrichtlicher Wortschatzeinführung und -übung und persönlicher, eigenverantwortlicher Arbeit der Lernenden zum Tragen: Einerseits hat die unterrichtliche Vermittlung und Festigung von Wortschatz angemessene Ansätze und Strukturen zu bieten (Kontextualisierung, Herausbildung größerer kommunikativer Einheiten, Vernetzung des Lexikons, Entwicklung eines differenzierten register etc.) und dabei methodisch abwechslungsreich vorzugehen. Andererseits müssen die Lerner individuelle und langfristig tragfähige Strategien entwickeln, am eigenen Wortschatz zu arbeiten.
Dabei unterliegen zwar einerseits die didaktischen Ansätze der schulischen Wortschatzarbeit deutlichen Veränderungen. Andererseits bleiben viele Lerner in ihrer individuellen Arbeit eher traditionellen Methoden verhaftet wie dem Vokabelheft oder der Lernkartei, auch in moderner „Verkleidung als Software oder Internetangebot ungeachtet aller fachlichen Kritik z.B. an fehlender Kontextualisierung.
Ein auf Lernerfolg bedachter Fremdsprachenunterricht wird gut daran tun, die Potenziale aller verfügbaren Ansätze pragmatisch für die Wortschatzarbeit zu nutzen, die Lerner zur kompetenten Auswahl eigener Strategien zu befähigen und individuelle sowie schulische Lernwege miteinander zu verknüpfen und zu ergänzen. Denn der eigentliche Wortschatzerwerb ist im Wesentlichen ein selbstregulierter Prozess des Lerners (Grimm et al. 2015:107). Mit der rapiden Entwicklung von Internetangeboten und Anwendungen für das mobile Lernen haben sich Werkzeuge für das eher informelle Lernen etabliert, die sich bei Lernern großer Popularität erfreuen und eine interessante Ergänzung von stärker formalisierten schulischen Lernwegen darstellen.
Quizlet
Quizlet (www.quizlet.com) ist eine ursprünglich von einem Schüler (!) für eigene Bedürfnisse entwickelte Internetanwendung zum Vokabellernen, die sich am Lernkarteisystem orientierte, jetzt aber um mobile Anwendungen (Apps) und andere Lernzugriffe gewachsen ist und mehr als 40 Millionen aktive Nutzer pro Monat verzeichnet.
Quizlet basiert auf „study sets genannten Vokabelsätzen, die entweder vom Lerner selbst erstellt oder nachgenutzt werden können. Die einzelnen items bestehen aus lexikalischer Einheit (term) und Definition (ein- oder zweisprachig). Die Lautgestalt wird über text-to-speech automatisch hinzugefügt (was im Englischen erstaunlich zuverlässig funktioniert). Bilder können die Definition ergänzen oder ersetzen. Zusatzinformationen oder Kontextbeispiele können in Klammern beigefügt werden und sind dann nicht Bestandteil der „Abfrage. Die jeweilige lexikalische Einheit kann ein einzelnes Wort, eine Wortgruppe oder ein Satz sein.
Folgende Interaktionsmöglichkeiten stehen zur Verfügung: Flashcards, Learn, Speller, Test, ergänzt durch zwei dem gamification-Ansatz folgende spielerische Zugriffe (Scatter und Gravity). Die Anzeige von highscores bei diesen spielerisch orientierten Formen wirkt für nicht wenige Lerner durchaus motivierend. Bei den Aktivitäten Flashcards, Learn, Speller ist die dort umgesetzte Verbindung von Schrift- und Lautgestalt der Lexikeinheiten besonders nützlich.
Wirklich modern sind aber erst die sozialen Funktionen: Nutzer mit eigenem Konto können in Gruppen organisiert werden. So können z.B. einzelne study sets Klassen oder Lerngruppen zugeordnet werden. Sofern man einen Lehrer-Account besitzt, können für die betreffenden Gruppen einfache Auswertungsfunktionen eingesehen werden: Welche Sets wurden bearbeitet, was sind die am häufigsten falsch zugeordneten lexikalischen Einheiten etc. Gerade in diesen Funktionen liegt einiges Potenzial für die Anbindung an den Unterricht. Eine erst kürzlich neu...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 144 / 2016

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