Jens-Uwe Klün

Wortschatz individuell

Schaubild: Kontextualisierung von Wortschatz
Die paradigmatische und syntagmatische Kontextualisierung von Wortschatz ist eine der wesentlichen Grundlagen für den Aufbau eines eigenen mentalen Lexikons., Friedrich Verlag

Jens-Uwe Klün

VocabSheets und andere Methoden zum differenzierten Wörterlernen

Keine Lust auf Vokabelpauken? Es geht auch anders: Lesen Sie, wie Varianten des Wortschatzlernens in einer Stationenarbeit vorgestellt werden, den Aufbau eines individuellen Wörternetzes ermöglichen und zugleich Lust und Freude an der Wortschatzarbeit vermitteln können.

„Oh nein, nicht schon wieder Vokabeln lernen! wer kennt nicht diesen kollektiven Reflex vonseiten der Schülerinnen und Schüler angesichts eines ungeliebten Themas? Solche oder ähnlich abgeneigte Äußerungen sind immer dann vorprogrammiert, wenn das Vokabellernen in kognitiv unangebrachten Wörterlisten geschehen soll, die den Lernenden per se die Möglichkeit nehmen, sich einen echten individuellen Schatz an Wörtern aufzubauen. Dieser Beitrag will Varianten des Wortschatzlernens aufzeigen, die Lust und Freude an Wortschatzarbeit vermitteln können.
Individueller Ausbau
Der Wortschatz eines der wesentlichen sprachlichen Mittel zum Entwickeln der Diskursfähigkeit und insbesondere aber das bewusste Sich-Aneignen des Wortschatzes bilden einen wesentlichen Bereich des Französischunterrichts (vgl. Hess. Kultusministerium 2011). Wie kann also der Notwendigkeit des kognitiv angemessenen Wortschatzaufbaus im Französischunterricht Rechnung getragen werden? Im Folgenden soll u.a. die Methode Vocab-Sheets (Estor 1993) aufgegriffen werden. Obwohl sie schon in die Jahre gekommen ist, weist sie dennoch eine Reihe von Vorzügen auf, die immer noch als relevant für den Aufbau des mentalen Lexikons erachtet werden. Hier setzt z.B. die Kontextualisierung von Wortschatz (vgl. Basisartikel) in besonderer Weise an, da diese, je nach Altersstufe und Lerngruppe, graduell individualisiert werden kann.
Einstieg in die Wortschatzarbeit
Es ist besonders für den frühen Spracherwerb sinnvoll, neue Wörter zunächst über das Hörverstehen zu vermitteln, weil ein Erstkontakt bei jeglichem Fremdsprachenerwerb in der Regel über das Gehör erfolgt. Das Kennenlernen des neuen Wortes erfolgt also über einen Kanal, welcher nach und nach für die Fremdsprache sensibilisiert werden muss. Die phonologische Komponente ist daher im Anfangsunterricht besonders zu beachten und gerade für den Französischunterricht unerlässlich, um den Lernenden Sicherheit in Wortverständnis und Aussprache zu geben. Aufgrund eines zudem positiven emotionalen Zugangs sind Lernende in der Lage, das Einzelwort in all seinen Komponenten zu speichern. Neveling (u.a. 2007) verfolgt eine Theorie der Vernetzungsstruktur des mentalen Lexikons: Die einzelnen Wörter sind, den Knoten eines Netzes gleich, mit vielen anderen verknüpft, und zwar nach sieben verschiedenen lexikalisch-semantischen Relationen. Die Wortknoten sind alle gleichzeitig in unterschiedlicher Frequenz und Intensität aktiv und bilden als Einheit ein individuelles mentales Lexikon. Wenn nun mit Hinblick auf die Vermittlung von Wortschatz dieser Ansatz konkret betrachtet wird, ist eine Progression bei der Vermittlung des Wortschatzes notwendig, um das mentale Lexikon eines jeden Individuums in seiner individuellen Struktur anzusprechen und entsprechend zu erweitern. Da es sich beim schulischen Erlernen einer Fremdsprache um einen gesteuerten Fremdsprachenerwerb mit Fokussierung auf Formen und Inhalte handelt, kann im Anfangsunterricht die Vermittlung sinnvollerweise gesteuert erfolgen. Dies bedeutet konkret, dass im Anfangsunterricht eine wesentlich stärkere Steuerung des Wortschatzes erfolgt und zunächst geschlossene Methoden zur Wortschatzvermittlung eingesetzt werden. Mit zunehmender Sprachlernerfahrung kann die Steuerung nach und nach abgebaut werden und offenere Methoden sollten zum Einsatz kommen (vgl. dazu ein Schaubild mit Progressionsdreiecken zum Download als pdf-Datei). Der Lehrkraft kommt daher die Aufgabe zu, die Lernstrategien der Lernenden zu diagnostizieren, um dann didaktische Verfahren anzubieten, die das mentale Lexikon der Lernenden individuell bedienen und ausbauen. Je stärker der Wortschatz inhaltlich, individuell, affektiv und für die Lernenden transparent in den unterschiedlichsten Teilnetzen des mentalen Lexikons verankert ist, desto schneller steht er zum Abruf zur Verfügung. ...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 148 / 2017

Wörter lernen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 6-8