Monika Vogel

„Während ich dumm bin, lerne ich Lateinvokabeln.“

Illustration eines Quad-Fahrers.
Die Schüler folgen meist intuitiv der Schlüsselwortmethode, indem sie einen Satz mit einem Wort bilden, das wie das lateinische klingt ("Ich fahre mit dem Quad, WEIL das Spaß macht")., © Art_muz / Shutterstock.com

Monika Vogel

Schülereigene Merkhilfen im Spiegel empirischer Befunde

Wenn es darum geht, schwer zu behaltende Vokabeln im Gedächtnis abzuspeichern, spielen Merkhilfen jeglicher Art eine besondere Rolle. Auch wenn aktuelle Lehrbücher mittlerweile eine Vielzahl von Lerntipps anbieten, sind die Schülerinnen und Schüler am Ende weitgehend auf sich allein gestellt (s. das AU Extra in dieser Ausgabe).1 So ist die erfolgreiche Anwendung von Merkhilfen eine sehr individuelle Angelegenheit bzw. davon abhängig, welchen Raum die gemeinsame Erstellung konkreter Hilfen im Unterricht einnimmt. Doch wie sehen solche Merkhilfen aus, welche die Schüler selbst erstellen? Welche der empfohlenen Vokabellernstrategien kommt ihnen besonders entgegen? Oder sind sie mit der selbstständigen Erstellung von Merkhilfen gar überfordert? Um diese Fragen zu beantworten, werden im folgenden Beitrag exemplarisch von den Lernenden erstellte Merkhilfen analysiert und kategorisiert.
Vor dem Hintergrund der empirischen Forschung sowie einzelner Unterrichtsprojekte, die sich jeweils unter anderem Blickwinkel diesem Thema nähern,2 lassen sich schließlich Konsequenzen und Empfehlungen für die Unterrichtspraxis ableiten.
Grundlage dafür ist ein Wortschatzprojekt, das ich vor einiger Zeit in einer 7. Klasse eines Gymnasiums in NRW durchgeführt habe: Wegen der schlechten Leistungen insbesondere im Bereich des Wortschatzes erhielten die 18 Schülerinnen und Schüler zunächst den Auftrag, alle bisher gelernten Vokabeln zu notieren, die sie sich schwer merken können (Grundlage war das Lehrbuch Cursus N, Lektionen 114). Daraus entstand schließlich eine Sammlung von 60 Wörtern mit verschiedenartigen Merkhilfen, die sich die Schüler in Gruppenarbeit ausdachten. Dabei gab es keine konkreten Vorgaben bzw. lediglich ein kurzes Brainstorming, bei dem verschiedene Möglichkeiten genannt wurden, wie etwa Bilder, Fremdwörter oder eine kleine Geschichte.
Von Schülern erstellte Merkhilfen
Betrachtet man die Lösungen genauer, so fällt auf, dass die Schüler in den meisten Fällen intuitiv der Schlüsselwortmethode gefolgt sind oder sich ihr zumindest annäherten, indem sie einen Satz bildeten, der ein Wort ihres deutschen Sprachgebrauchs enthält, das wie das lateinische klingt (z.B. „Ich fahre mit dem Quad, weil das Spaß macht.; Während ich dumm bin, lerne ich Lateinvokabeln. Besonders kreativ: „Ich muss den Beeren verdanken, dass ich lebe.). In manchen Fällen ist die Verbindung zur lateinischen Vokabel nur zu erahnen, aber auch dort dürfte die dahinter stehende Idee die gleiche sein wie in den vorangehenden Beispielen: zu ventus: „Der Wind ist wendig.; zu mittere: „Ich schicke dir eine Mitteilung.
Auch die Sätze, die das lateinische Wort und die deutsche Bedeutung enthalten, sind zwar keine direkte Anwendung der Schlüsselwortmethode, weil ja das Schlüsselwort fehlt, gehen aber in eine ähnliche Richtung (z.B. „Die Hitze brennt den ardor ab.). Sie stellen in dieser Form jedoch keine sinnvolle Verknüpfung des fremden Wortes mit etwas Bekanntem bzw. einem mentalen Bild her und sind daher eher unbeholfene Versuche, die lateinischen Vokabeln als Phantasiewörter in den Kontext eines Satzes zu bringen.
Ebenfalls recht häufig vorhanden sind die Ableitung von Fremdwörtern oder englischen Wörtern. Hervorzuheben ist, dass die Schüler ähnlich wie in der ersten Kategorie auch hier versuchten, mithilfe ihrer Englischkenntnisse Schlüsselwörter zu finden und Sätze bildeten, auch wenn die Ähnlichkeit zwischen dem lateinischen und englischen Wort von außen betrachtet nicht immer offensichtlich ist (so zu iterum [etymologisch nicht korrekt]: „hört sich an wie auf Englisch ‚eat → ich esse wieder; und zu salus: „‚save heißt retten und das hört sich so ähnlich an wie salus, also heißt salus die Rettung). Auch bei der Verbindung mit Fremdwörtern zeigt sich eine deutliche Neigung zur Satzbildung (z.B. zu cura: „In der Kur hast du keine Sorgen.).
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 2 / 2018

Wortschatzarbeit 3

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Methode & Didaktik Schuljahr 5-10