Monika Wilkening

The Fine Art of Small Talk

Monika Wilkening

Kennenlernsituationen höflich und kulturangemessen gestalten

Der ersehnte Moment ist da: Die Gastfamilie holt den Austauschschüler vom Flughafen ab und man tritt sich das erste Mal persönlich gegenüber. In dieser Situation hilft Smalltalk über unverfängliche Themen dabei, sich an einen Akzent zu gewöhnen und sich ein wenig kennenzulernen. Wie man kommunikativ geschickt dabei vorgeht, welche Wortwahl höflich ist, welches Verhalten erwartet wird und welche Tabus man meiden sollte, erarbeiten die Lernenden hier.

Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Der deutsche Austauschschüler kommt bei seiner Gastfamilie an und sagt als erstes: „I need a computer! Schon mit diesem Satz ist die Kommunikation zwischen Austauschschüler und Gastfamilie gescheitert die Wortwahl ist unangemessen und das Thema unpassend für die erste Begegnung kurzum, er hat die Kommunikationsregeln nicht beachtet. Warum? Vielleicht unbewusst, weil er in Deutschland so redet. Seine Gastfamilie jedoch könnte sein language behaviour ganz anders auffassen.
Angemessenes sprachliches Verhalten ist Teil eines determinierten Handlungsablaufs, der vielen Kommunikationssituationen unterliegt (Skript, s. Basisartikel). Diese Skripte, die für jede Situation spezifisch sind, strukturieren ein Gespräch und lassen ein bestimmtes soziales Verhalten erwarten. Verstöße dagegen irritieren Gesprächspartner und können zu Stigmatisierung oder sogar zum Abbruch des Gesprächs führen. Besonders heikel ist das in interkulturellen Begegnungssituationen: Ein Gast offenbart schon durch seine Sprache oder sein Verhalten Informationen über seine eigene Kultur, die beim Gastgeber Gedanken an Stereotype oder Vergleiche zwischen eigenen und fremdkulturellen Eigenarten hervorrufen könnten. Deshalb sollen sprachliche und auch inhaltliche Strategien und Fähigkeiten zur Bewältigung interkultureller Begegnungssituationen (wie Umgang mit Missverständnissen, Tabuthemen und Konfliktsituationen) die Lernenden unterstützen, mit unterschiedlichen Normen und Wertvorstellungen umzugehen bzw. sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen. Sie schulen ihr Bewusstsein für die Situation, ihre Sensibilität für die Anderen und damit auch ihre sozialen Kompetenzen.
Auch wenn die Lernenden über die sprachlichen Mittel wie thematischen Wortschatz verfügen, benötigen sie also Übung im sensiblen Umgang mit der spezifischen formellen Situation des Kontaktknüpfens und dem Aufbau einer tragfähigen Beziehung. Hierzu brauchen sie language awareness und müssen Kommunikationsregeln für Smalltalk kennen. Dabei ist Smalltalk eine schwierige Kategorie mündlichen Diskurses, weil seine Regeln nirgends festgeschrieben sind und trotzdem bekannt sein müssen: Smalltalk prägt die Beziehung zwischen dem Austauschschüler und der Gastfamilie, schafft gegenseitiges Vertrauen und eine gemeinsame Basis für die erste Zeit des Zusammenlebens.
Kommunikative und interkulturelle
Kompetenzen fördern
Es gilt zunächst, für die spezifische Situation language awareness herzustellen, also ein explizites und implizites Verständnis der menschlichen Sprachfähigkeit, das bedeutsam ist für Denken, Lernen und soziales Handeln (van Lier 1995:xi). Wer sprachbewusst ist, kann Sprache auch in ihren Manipulationen besser verstehen und motivierter und erfolgreicher lernen (Doff/Klippel 2007:68f.).
In dieser Unterrichtseinheit nehmen die Lernenden bewusst sprachliche Strukturen des Smalltalk wahr (noticing), speichern sie und verbinden sie in der gemeinsamen Reflexion mit Kommunikationsregeln. Dazu gehören ein angemessenes Sprachregister, nonverbale Kommunikationsmittel, pragmatische Sprachmittel wie Höflichkeitsfloskeln, hedging, question tags, gap fillers (s. Basisartikel). Sie hören die dafür nötigen Smalltalk-Ausdrücke in den Dialogen der Mitlernenden immer wieder und wenden sie schließlich automatisch selbst an. Diese Eigentätigkeit ist für den impliziten Erwerb förderlich, deshalb bekommen die...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 138 / 2015

Formal Communication

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 7-8