Stefan D. Keller | Lynn Williams

No skill ever walks alone

Wie bei den russischen  Matrjoschkas die vier Holzpuppen sind beim Sprachenlernen die einzelnen skills ineinander verschachtelt und bedingen sich gegenseitig
Wie bei den russischen Matrjoschkas die vier Holzpuppen sind beim Sprachenlernen die einzelnen skills ineinander verschachtelt und bedingen sich gegenseitig , Foto: imago/Danita Delimont

Stefan D. Keller | Lynn Williams

Kompetenzen integriert entwickeln, Unterricht gezielt planen

In Kommunikationssituationen in der Lebenswelt spielen stets unterschiedliche Äußerungsformen zusammen: Sprechen ohne Zuhören kommt so gut wie nie vor. Ein schriftlicher Text reagiert auf etwas zuvor Gelesenes oder Gehörtes. Auch der Englischunterricht muss deshalb so gestaltet sein, dass diese Kompetenzen systematisch aufeinander bezogen sind (integrating skills approach). Basis dafür sind Lernaufgaben, die vom Ende her gedacht sind: Backward planning legt fest, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten Lernende entwickeln müssen, um die Aufgabe bewältigen zu können.

Manche Leserinnen und Leser erinnern sich vielleicht noch an einen Sprachunterricht, in dem die verschiedenen Sprachfähigkeiten fein säuberlich getrennt erklärt und eingeübt wurden: Eine Übung zum Lesen, eine andere zum past tense, eine dritte zum Hörverstehen. In der echten Welt sind solche Abgrenzungen allerdings selten: Moderner Fremdsprachenunterricht soll Heranwachsende dazu befähigen, an einer Vielzahl von relevanten lebensweltlichen Diskursen teilzuhaben (Hallet 2011:56). Ein solch kommunikatives Grundverständnis von Fremdsprachenunterricht ist in allen modernen, kompetenzorientierten Lehrplänen deutschsprachiger Länder verankert. Der Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg fasst das so: Jugendliche sollen kommunikative Kompetenzen in Englisch „in der ständigen Begegnung und Auseinandersetzung mit Themen [erwerben], die in ihrer Progression zunehmend gesellschaftsorientiert werden und ein vertieftes kulturelles Verständnis zum Ziel haben (ZSL 2016:5; vgl. auch D-EDK 2010).
Lebensweltliche Diskurse und Kommunikationssituationen sind stets von einem Zusammenspiel unterschiedlicher Äußerungsformen bestimmt: Sprechen ohne Zuhören kommt beispielsweise in der Praxis (so gut wie) nie vor. Vielmehr ist Sprechen in der Regel auf Geschriebenes oder Aufschreibbares oder auf Lesbares oder Gelesenes bezogen. Als integrating approach bezeichnet man deshalb eine Unterrichtsgestaltung, bei der diese Fähigkeiten nicht getrennt, sondern systematisch aufeinander bezogen werden (Oxford et al. 1994). Die progressive form (integrating) drückt dabei aus, dass diese Integration von Sprachkompetenzen ein Prozess ist, an dem die Lernenden aktiv und selbsttätig beteiligt sind und bei dem ein integrierender target task im Zentrum steht.
Tasks: die Basis für guten Unterricht
Die Basis eines solchen Unterrichts sind spannende Lernaufgaben oder tasks, die Schülerinnen und Schüler inhaltlich wie sprachlich herausfordern. Gute Lernaufgaben basieren auf authentischen Materialien aus der Zielkultur. Sie konfrontieren die Lernenden mit „echten Fragen, die nicht einfach mit richtig oder falsch beantwortet werden können (Müller-Hartmann/Schocker/Pant 2013). Damit Lernende solche tasks auch tatsächlich bewältigen können, müssen sie jene spezifischen sprachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben, ohne die erfolgreiches kommunikatives Handeln in der Fremdsprache nicht zu haben ist: Arbeit an tasks erfordert immer auch Arbeit an der Sprache.
Wenn hier also von integrating skills die Rede ist, ist damit ein Unterricht gemeint, der auf kommunikativen tasks aufbaut und in dem sich die Lernenden stets bewusst sind, mit welchem Ziel sie die Sprache lernen und anwenden: Sei es, um einen Ratgeber gegen schlechte Laune zu schreiben (s. den Unterrichtsvorschlag von Stefanie Frisch); ein Gespräch mit einem Perspektivenwechsel erleben (s. den Unterrichtsvorschlag von Anja Jäger); ein journalistisches Porträt einer interessanten Persönlichkeit schreiben (s. den Unterrichtsvorschlag von Oliver Meyer und Lynn Williams Leppich); eine Präsentation zum Thema Great Fire of London halten (s. den Unterrichtsvorschlag von Ursula Schär); in einer fishbowl über die Schattenseiten der Modeindustrie diskutieren (s. den Unterrichtsvorschlag von oder eine Debatte über ihr...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 164 / 2020

Integrated skills

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13